OLG Jena: Mutmaßliches IS-Mitglied vor Gericht

Jena, 29.07.2026: Vor dem Thüringer Oberlandesgericht in Jena hat der Prozess gegen einen 66-jährigen Iraker begonnen, dem die Mitgliedschaft in der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) zur Last gelegt wird.

  • Ort: Thüringer Oberlandesgericht Jena
  • Angeklagter: 66-jähriger Mann aus Nordhausen (gebürtig aus Mossul)
  • Vorwurf der Staatsanwaltschaft: IS-Propaganda, Einsatz bei der IS-Polizei und Kampfhandlungen
  • Position der Verteidigung: Einlassung wegen Folterdrohung und Zwangslage
  • Status: Untersuchungshaft seit Dezember 2025

Schwere Vorwürfe der Generalstaatsanwaltschaft

Laut Anklageschrift der Generalstaatsanwaltschaft soll sich der Beschuldigte im Jahr 2014 nach der Einnahme von Mossul der Terrormiliz IS angeschlossen haben. Die Ermittler werfen dem gelernten Journalisten vor, zunächst Propaganda- und Medienarbeit für die Dschihadisten geleistet zu haben. Später soll er als bewaffneter Kämpfer sowie bei der sogenannten islamischen Polizei eingesetzt worden sein und hierfür regelmäßig Sold bezogen haben.

Zentrales Beweismittel der Staatsanwaltschaft ist ein Propagandavideo, das den 66-Jährigen bewaffnet zeigt. Nach Auffassung der Anklage vermittelt die Aufnahme das Bild eines Kämpfers, der sich vollumfänglich mit den Zielen des IS identifiziert habe. 2017 verließ der Mann den Irak und reiste nach Deutschland ein, wo er zuletzt in Nordhausen lebte. Ende 2025 wurde er festgenommen.

Angeklagter schildert Bedrohung und Zwangslage

In einer persönlichen Erklärung vor dem OLG Jena zeichnete der Angeklagte ein völlig anderes Bild der Geschehnisse. Vor der Machtübernahme des IS habe er als Redakteur für eine lokale Zeitschrift gearbeitet. Nach dem Einmarsch der Terrormiliz seien mehrere seiner Arbeitskollegen hingerichtet worden.

Er selbst habe sich den Dschihadisten erst gestellt, nachdem seine Ehefrau festgenommen und gefoltert worden sei. Die Machtinhaber hätten gedroht, seine Kinder zu töten, falls er sich nicht innerhalb einer Woche ergebe. Nach mehreren Verhören und unter Androhung der Todesstrafe sei ihm die Ausbildung von IS-Mitgliedern im Bereich Journalismus aufgezwungen worden. Er habe daraufhin etwa zwei Monate lang 28 Personen geschult. Sämtliche Handlungen seien ausschließlich erfolgt, um das Leben seiner Familie zu retten. Weitere Informationen zu juristischen Verfahren finden Sie in unserer Rubrik Blaulicht.

Hintergrund: Der Staatsschutzsenat am OLG Jena

Das Thüringer Oberlandesgericht in Jena ist als einziges Gericht im Freistaat Thüringen für Staatsschutzverfahren zuständig. Hier werden erstinstanzlich schwere Straftaten gegen die innere und äußere Sicherheit des Staates verhandelt, wozu auch die Mitgliedschaft oder Unterstützung ausländischer Terrororganisationsstrukturen gehört. Die Staatsschutzsenate urteilen dabei im Auftrag des Bundesgerichtshofes.


Quelle:

Prozess gegen mutmaßliches IS-Mitglied in Jena begonnen

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Update zum Prozessauftakt am OLG Jena: OLG Jena: IS-Prozess gegen ehemaligen Redakteur beginnt