Jena, 29. Juli 2026 – Die Ernst-Abbe-Hochschule Jena (EAH) schreibt Hochschulgeschichte: Als erste Fachhochschule in Thüringen erhält die Einrichtung das eigenständige Promotionsrecht. Ab dem 1. Oktober 2026 kann die Hochschule eigenständig Doktorgrade im interdisziplinären Forschungsfeld „Technologien für Industrie, Gesundheit und Gesellschaft“ verleihen.
- Ereignis: Vergabe des ersten eigenständigen Promotionsrechts an eine Thüringer Fachhochschule
- Institution: Ernst-Abbe-Hochschule Jena (EAH)
- Gültigkeit: Ab 1. Oktober 2026 für zunächst acht Jahre
- Schwerpunkte: Medizintechnik, Photonik, Digitalisierung und moderne Energiesysteme
- Ergebnis der Thüringer Hochschulen: Jena erhält die Genehmigung direkt, Schmalkalden mit Auflagen; Nordhausen und Erfurt wurden vorerst abgelehnt
Ein historischer Meilenstein für die EAH Jena
Die Entscheidung des Thüringer Wissenschaftsministeriums markiert einen Wendepunkt in der Entwicklung der Fachhochschulen des Freistaats. Bislang konnten Promotionen an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) nur in Kooperation mit einer Universität durchgeführt werden. Nun erhält das neu eingerichtete Promotionszentrum an der EAH Jena für zunächst acht Jahre die Befugnis, Doktoranden anzunehmen, Gutachter zu bestellen und die akademischen Titel eigenständig zu verleihen.
Kristin Mitte, vorläufige Leiterin und Vizepräsidentin für Forschung und Entwicklung der EAH Jena, ordnete die Entscheidung historisch ein: „Dies ist ein Meilenstein in der Geschichte unserer Hochschule.“ Die Auszeichnung unterstreicht die gewachsene Forschungsstärke der Ernst-Abbe-Hochschule und setzt ein klares Signal für den Standort Jena, wo wissenschaftliche Tradition und modernste Technologie hand in hand gehen. Wer sich intensiver mit der Entwicklung des Standorts beschäftigen möchte, kann bei einer Stadtführung in Jena Historie und Hightech erleben.
Ausrichtung auf hochrelevante wissenschaftliche Zukunftsfelder
Das Promotionszentrum konzentriert sich gezielt auf Anwendungsfelder mit hohem gesellschaftlichem und wirtschaftlichem Innovationsbedarf. Unter dem Dach des Schwerpunkts „Technologien für Industrie, Gesundheit und Gesellschaft“ bündelt die EAH Jena Forschungsleistungen in zentralen Zukunftsfeldern:
- Medizintechnik: Entwicklung innovativer Diagnostik- und Therapieverfahren.
- Photonik: Optische Technologien und Sensorik im traditionell starken Jenaer Verbund.
- Digitalisierung: Vernetzung, Datenanalyse und smarte Systeme für die Industrie.
- Moderne Energiesysteme: Lösungen für die Energiewende und nachhaltige Infrastrukturen.
Durch die Möglichkeit zur eigenständigen Promotion erhöht die EAH Jena ihre Attraktivität für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler aus dem In- und Ausland erheblich.
Auswahlverfahren: Die unterschiedliche Ausgangslage der vier Hochschulen
Im landesweiten Auswahlverfahren um die Einrichtung von Promotionszentren bewarben sich insgesamt vier Thüringer HAWs. Die Ergebnisse der Begutachtungskommission fielen dabei sehr unterschiedlich aus:
Ernst-Abbe-Hochschule Jena: Erhielt das grüne Licht uneingeschränkt und stellt damit den Vorreiter im Freistaat dar.
Hochschule Schmalkalden: Erhielt ebenfalls grundsätzlich eine Zusage, muss jedoch eine Nachforderung erfüllen. Wie Präsident Gundolf Baier mitteilte, müssen zwei zusätzliche Lehrende bereitgestellt werden. Sobald diese Voraussetzung nachgewiesen ist, wird das Promotionsrecht ohne erneute Begutachtung erteilt.
Hochschule Nordhausen: Erlebte eine deutliche Enttäuschung. Die Begutachtungskommission befand, dass die formalen Voraussetzungen aktuell noch nicht erfüllt sind. Forschungs-Vizepräsident Viktor Wesselak bezeichnete die Absage als „richtigen Tiefschlag“, nachdem die Hochschule rund 15 Jahre auf dieses Ziel hingearbeitet hatte. Rund zehn Promotionsinteressierte waren bereits vorgemerkt.
Fachhochschule Erfurt: Erhielt vorerst ebenfalls keine Genehmigung. Die Hochschulleitung kündigte an, das vorliegende Gutachten detailliert zu analysieren. Sowohl Erfurt als auch Nordhausen haben die Möglichkeit, zu einem späteren Zeitpunkt einen erneuten Antrag einzureichen.
Hintergrund: Die Reform des Promotionsrechts an Fachhochschulen
Über Jahrzehnte hinweg war das Recht zur Verleihung von Doktorgraden in Deutschland ausschließlich den Universitäten vorbehalten. Mit der schrittweisen Reform der Hochschulgesetze in verschiedenen Bundesländern erhalten forschungsstarke Fachhochschulen und Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) nun die Möglichkeit, eigene Promotionszentren einzurichten. Bedingung hierfür ist der Nachweis besonderer Forschungsstärke der beteiligten Professorinnen und Professoren in den jeweiligen Fachdisziplinen. Thüringen schließt mit diesem Schritt zu anderen Bundesländern auf und stärkt die praxisnahe Spitzenforschung.
Quelle:
Promotion an der FH: Jenaer Abbe-Hochschule darf Doktortitel verleihen
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