Jena / Magdeburg, 06.05.2026. Ein Forschungsteam der Universität Magdeburg und des Universitätsklinikums Jena hat einen neuartigen Ansatz zur Behandlung schwerer Lungeninfektionen vorgestellt. Statt Bakterien mit klassischen Antibiotika abzutöten, setzen die Wissenschaftler auf maßgeschneiderte künstliche Moleküle, welche die zerstörerischen Zellgifte der Erreger gezielt neutralisieren.
- Wer: Forscherteam um Jun.-Prof. Adrian Press (Uniklinikum Jena) und Prof. Dieter Schinzer (Uni Magdeburg).
- Was: Neue „pathoblockierende Strategie“ gegen invasive Pneumokokken-Infektionen.
- Mechanismus: Künstliche Köder-Moleküle fangen das Bakteriengift Pneumolysin ab, bevor es menschliche Zellen zerstören kann.
- Vorteil: Kein evolutionärer Druck auf Bakterien, wodurch drohende Antibiotika-Resistenzen vermieden werden.
- Status: Machbarkeit in Zellmodellen ist bewiesen. Tests an Tiermodellen starten, das Endziel ist ein therapeutisches Lungen-Spray.
Bakterielle „Bohrer“ unschädlich machen
Invasive Lungeninfektionen stellen die moderne Intensivmedizin weltweit vor wachsende Herausforderungen, insbesondere durch die massiv zunehmenden Antibiotikaresistenzen. Bei schweren Verläufen sorgen Bakterien, sogenannte Pneumokokken, für weitreichende Gewebeschäden. Die Erreger sondern das Zellgift Pneumolysin ab. Wie der Magdeburger Chemie-Professor Dieter Schinzer erklärt, wirkt dieses Toxin wie ein molekularer Bohrer: Es bindet an das Cholesterin in menschlichen Zellmembranen, stanzt Poren in die Hülle und zerstört die Zellen systematisch. Die Folgen sind gravierend und münden oft in einer lebensgefährlichen Sepsis (Blutvergiftung).
Anstatt die Bakterien selbst abzutöten, verfolgt das Forscherteam nun den innovativen Ansatz, diese gefährlichen bakteriellen Werkzeuge unschädlich zu machen. Die Wissenschaftler entwickelten künstlich veränderte Sterole, die dem natürlichen Cholesterin exakt nachempfunden sind. Diese Wirkstoffe werden in winzige Fettbläschen, sogenannte Liposomen, verpackt und dienen im Körper als molekulare Köder. Das Bakteriengift dockt an diese künstlichen Teilchen an und wird sofort neutralisiert, noch bevor es das echte menschliche Lungengewebe erreicht.
Doppelter Schutz für die Zelle
Die ersten Laborergebnisse bewerten die Forscher als großen Erfolg. In aufwendigen Zellmodellen demonstrierten die künstlich erzeugten Sterole einen doppelten Wirkmechanismus: Sie binden nicht nur das aggressive Gift direkt, sondern stabilisieren offenbar gleichzeitig die menschliche Zellmembran. Dadurch werden Lungenepithel- und Leberzellen deutlich widerstandsfähiger gegen äußere Angriffe, was dem Körper hilft, den Heilungsprozess selbst voranzutreiben.
Der entscheidende medizinische Vorteil dieses Ansatzes liegt jedoch in der Vermeidung neuer Resistenzen. Weil die Bakterien nicht angegriffen oder in ihrem Wachstum gehemmt werden, entsteht kein evolutionärer Überlebensdruck, der die Bildung noch gefährlicherer Keime auslösen könnte. Das Verfahren wurde bereits international zum Patent angemeldet. In der nun folgenden Forschungsstufe werden die Mechanismen an Tiermodellen validiert.
Hintergrund: Infektionsforschung in Jena-Lobeda
Das Universitätsklinikum Jena (UKJ), dessen Hauptstandort sich im Stadtteil Lobeda befindet, ist in Thüringen das entscheidende Zentrum für die Erforschung komplexer Infektionskrankheiten. Besonders die Bekämpfung von Sepsis (Blutvergiftung) hat hier durch das integrierte Center for Sepsis Control and Care (CSCC) einen bundesweit einmaligen Forschungsschwerpunkt. Pneumokokken-Infektionen, gegen die die neue Strategie konzipiert ist, zählen zu den häufigsten Auslösern schwerer Lungenentzündungen im Alltag. Sie sind besonders für Kleinkinder, Senioren und Menschen mit geschwächtem Immunsystem lebensgefährlich. Um sich präventiv zu schützen, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) diesen Risikogruppen eine routinemäßige Pneumokokken-Schutzimpfung, die beim Hausarzt durchgeführt werden kann.
Details zur Forschungsarbeit finden Interessierte in der offiziellen Pressemitteilung der Universität Magdeburg.
Quelle:
Neue Strategie gegen tödliche Lungeninfektionen: Bakteriengifte ausschalten
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