Jena, 04. September 2026 – Das Uniklinikum Jena (UKJ) hat gemeinsam mit der Techniker Krankenkasse (TK) ein wegweisendes Modellprojekt gestartet, um Mangelernährung bei schwerkranken Patienten gezielt zu bekämpfen. Im Mittelpunkt steht ein neu eingeführter Qualitätsvertrag, der eine lückenlose Diagnostik sowie individuell abgestimmte Ernährungspläne ermöglicht.
- Thema: Modellprojekt zur Bekämpfung von Mangelernährung
- Akteure: Universitätsklinikum Jena & Techniker Krankenkasse Thüringen
- Zielgruppen: Patienten mit Krebserkrankungen (u.a. multiples Myelom), Magen-Darm-Leiden und in der Geriatrie
- Maßnahmen: Umfassende Bestandsaufnahme, klinische Ernährungsberatung und Nachsorge für zu Hause
Teufelskreis aus Therapie und Gewichtsverlust
Während Behandlungen wie Chemotherapien lebensrettend sind, führen sie bei vielen Betroffenen zu starken Nebenwirkungen wie Schluckbeschwerden, Übelkeit und Appetitlosigkeit. Der daraus resultierende Gewichtsverlust schwächt das Immunsystem und verlangsamt die Wundheilung. Hier setzt das neue Projekt an, indem es die Ernährungstherapie fest mit der medizinischen Spitzenversorgung verknüpft.
Der TK-Landeschef in Thüringen, Guido Dressel, betont die medizinische Notwendigkeit dieses Schritts: Bisher sei man oft nicht ausreichend in der Lage gewesen, Krebskranke parallel zur Therapie mit einer unterstützenden, auf die Krankheit ausgerichteten Ernährung zu versorgen. Der neue Qualitätsvertrag soll diese Versorgungslücke schließen.
Hintergrund: Bedeutung von Qualitätsverträgen im Gesundheitswesen
Nach Erhebungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin entstehen durch krankheitsbedingte Mangelernährung bundesweit Kosten von bis zu 8,6 Milliarden Euro pro Jahr. Mit dem Uniklinikum Jena haben bislang bundesweit erst 28 Krankenhäuser solche sektorenübergreifenden Qualitätsverträge abgeschlossen. Das Projekt wird im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses wissenschaftlich evaluiert, um langfristig die Standards in der gesamten deutschen Gesundheitsversorgung zu verbessern.
Konkreter Nutzen für Patienten in Thüringen
Betroffene wie die 59-jährige Jenaer Patientin Beate Kuhn, die an einem multiplen Myelom leidet, erhalten durch das Programm eine professionelle und bedarfsgerechte Begleitung. Die maßgeschneiderte, eiweißreiche Kost hilft dabei, den Körper zu stärken und den Muskelabbau während der Krebstherapie zu minimieren. Das Angebot schließt auch die Zeit nach dem Klinikaufenthalt ein und gibt Patienten konkrete Handlungsoptionen für den Alltag an die Hand.
Quelle:
Krebs: Wie die Klinik Jena und die Krankenkasse die Behandlung in Thüringen verbessern wollen
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