Jena, 14. Juli 2026 – Der Gastronom und Einzelhändler Swen Gottschalk setzt mit seinen Projekten maßgebliche Impulse für die Jenaer Innenstadt. Durch die gezielte Verknüpfung von gastronomischer Qualität und sozialem Raum sowie innovative Pop-up-Konzepte gelingt es ihm, dem drohenden Leerstand in der City entgegenzuwirken.
- Akteur: Swen Gottschalk (Gastronom, Einzelhändler und Vorstand der Initiative Innenstadt)
- Projekte in Jena: Paradiescafé, Café und Store „Del Corazon“, temporäre Pop-up-Stores
- Konzept: Verbindung von Gastronomie, Design und sozialem Austausch; Zwischennutzung von Leerständen
- Wichtige Kooperation: Zusammenarbeit mit der Jenaer Wirtschaftsförderung (u. a. ehemalige Ratszeise / StadtLab)
Die Jenaer Innenstadt befindet sich im Wandel. Während der klassische Einzelhandel bundesweit unter dem Druck des Onlinehandels leitet, zeigen lokale Akteure in Jena, wie lebendige Stadtzentren der Zukunft aussehen können. Als einer der prägenden Impulsgeber gilt der 42-jährige Unternehmer Swen Gottschalk. Seit rund zwei Jahrzehnten entwickelt er Konzepte, die weit über den reinen Verkauf von Waren hinausgehen und stattdessen den sozialen Raum in den Mittelpunkt stellen.
Vom Concept-Store zum sozialen Treffpunkt: Die Philosophie von „Del Corazon“
Gottschalks Weg als Unternehmer begann vor 20 Jahren, als er im Alter von 21 Jahren am Jenaer Markt das Geschäft „Del Corazon“ (spanisch für „von Herzen“) gründete. Was als klassischer Laden für Textilien und Geschenkideen begann, passte sich kontinuierlich den Marktveränderungen an. Um der zunehmenden Digitalisierung des Handels zu begegnen, integrierte Gottschalk eine Gastronomie in das Geschäft. Heute vereint das Konzept einen Fashion- und Designstore mit einem Café.
Dabei verfolgt Gottschalk einen klaren gestalterischen und sozialen Ansatz: In den Räumlichkeiten präsentieren rund 40 Designerinnen und Designer ihre handgefertigten Produkte wie Keramik, Schmuck und Illustrationen. Die gezielte Verbindung von gastronomischer Qualität und sozialem Raum wird durch bewusste Einrichtungsentscheidungen wie große Gemeinschaftstische gefördert, die den Austausch zwischen Gästen anregen sollen. Gottschalk versteht seine Läden nicht als reine Verkaufsflächen, sondern als lebendige Begegnungsorte.
Das Paradiescafé: Renaissance eines historischen Ausflugsziels
Seit einem Jahr führt Gottschalk dieses Konzept auch im traditionsreichen Paradiescafé fort. Das fast 90 Jahre alte Gebäude im Jenaer Paradiespark lag zuvor in einem längeren Dornröschenschlaf. Nach der Übernahme investierte der Unternehmer fünf Monate in eine umfassende Sanierung. Neben einem neuen Lichtkonzept wurden bestehende Möbel aufgearbeitet und recycelt, um den Charakter des Hauses zu bewahren und gleichzeitig eine moderne, einladende Atmosphäre zu schaffen.
Das Paradiescafé ist funktional vielseitig aufgestellt: Neben dem klassischen Cafébetrieb und einem Kaminzimmer gehören ein denkmalgeschützter Veranstaltungssaal, ein Biergarten direkt an der Saale sowie ein Kiosk für Parkbesucher zum Angebot. Mit Veranstaltungen wie Quizabenden, Musik-Bingo und Familienfeiern spricht das Haus eine breite Zielgruppe an. Damit knüpft das Konzept an andere erfolgreiche Kultur- und Begegnungsorte in Jena an, wie etwa die Filmbühne im Kulturschlachthof, die ebenfalls auf ein vielseitiges Programm setzen.
Innovative Leerstandsnutzung durch Pop-up-Konzepte
Ein zentraler Baustein von Gottschalks Engagement für die Stadtentwicklung ist der kreative Umgang mit ungenutzten Ladenflächen. Gemeinsam mit einem Partner organisiert er seit mehreren Jahren temporäre Pop-up-Stores in der Innenstadt. Regionale Manufakturen, Designer und kleine Hersteller erhalten so die Gelegenheit, ihre Produkte wochenweise in bester Innenstadtlage zu präsentieren.
Dieses Konzept dient als Testfeld für neue Geschäftsideen und belebt gleichzeitig das Straßenbild. Ein prominentes Beispiel für den Erfolg dieser Strategie ist die ehemalige „Ratszeise“. Nach der dauerhaften Schließung des Traditionslokals öffnete Gottschalk dort mit Pop-up-Stores neue Perspektiven. Diese Zwischennutzung ebnete in enger Zusammenarbeit mit der Jenaer Wirtschaftsförderung schließlich den Weg für das dauerhafte Projekt „StadtLab“.
Gottschalk plädiert dafür, Leerstand grundsätzlich neu zu denken. Seiner Ansicht nach müssten Schaufenster nicht leer stehen, sondern könnten für Ausstellungen regionaler Vereine oder kreative Präsentationen genutzt werden, um die Attraktivität der Innenstadt zu wahren. Für die Zukunft wünscht er sich vermehrt multifunktionale Konzepte wie Markthallen, die den Einkauf direkt mit sozialem Austausch verknüpfen.
🏛️ Historische Begegnungsorte in Jena
Das Paradiescafé blickt auf eine fast 90-jährige Geschichte zurück und ist eng mit der Entwicklung des Jenaer Paradieses verbunden. Der zentrale Volkspark entlang der Saale dient den Bürgerinnen und Bürgern der Universitätsstadt seit Generationen als Naherholungsgebiet. Historische Ausflugslokale wie das Paradiescafé spielten dabei schon immer eine Doppelrolle: Sie waren nicht nur gastronomische Versorgungsstationen, sondern wichtige soziale Ankerpunkte für die Stadtgemeinschaft. Die denkmalpflegerische Sanierung und die Integration zeitgemäßer Konzepte tragen dazu bei, diese historische Funktion im 21. Jahrhundert zu bewahren und den städtischen Raum für die Zukunft zu sichern.
Quelle:
Jena: Wie Swen Gottschalk mit Cafés und Pop-up-Stores die Innenstadt stärkt
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