Wissenschaft aus Jena: Max-Planck-Forscher rekonstruieren den Duft der Pharaonen

Das Wichtigste in Kürze:

  • Forschungserfolg: Ein Team des Max-Planck-Instituts für Geoanthropologie in Jena hat 3.500 Jahre alte Duftstoffe analysiert.
  • Historischer Kontext: Untersucht wurden die Kanopenkrüge der ägyptischen Adligen Senetnay (ca. 1450 v. Chr.).
  • Ergebnis: Statt Verwesungsgeruch enthüllte die Analyse eine komplexe Mischung aus Bienenwachs, Pflanzenölen und exotischen Harzen.
  • Anwendung: Der rekonstruierte „Duft des Jenseits“ wird nun in Museen eingesetzt, um Geschichte sensorisch erfahrbar zu machen.

Jena. Wenn wir an das alte Ägypten und Mumien denken, haben wir oft den staubigen Geruch alter Bibliotheken oder die gruseligen Assoziationen aus Hollywood-Filmen in der Nase. Doch die Realität im Tal der Könige roch gänzlich anders – nämlich überraschend wohlriechend und komplex. Diesen Beweis hat nun eine Forschungsgruppe unter der Leitung der Archäochemikerin Barbara Huber vom Max-Planck-Institut für Geoanthropologie in Jena erbracht. Durch modernste biomolekulare Analysen ist es gelungen, die „Essenz der Ewigkeit“ einer ägyptischen Adligen wiederzubeleben.

Vom Labor in die Nase: Hightech-Archäologie am Beutenberg

Die Arbeit der Jenaer Wissenschaftler gleicht einer detektivischen Meisterleistung. Im Fokus der Untersuchung standen zwei unscheinbare Kanopenkrüge aus dem Museum August Kestner in Hannover. Diese Gefäße beinhalteten einst die Lunge und die Leber der Senetnay, einer hochrangigen Amme des Pharaos Amenophis II., die um 1450 vor unserer Zeitrechnung lebte. Dass sie im Tal der Könige bestattet wurde, zeugt von ihrem außergewöhnlichen Status.

Das Team um Barbara Huber nutzte fortschrittliche Analysemethoden, um flüchtige organische Verbindungen aus den porösen Wänden der Jahrtausende alten Keramikgefäße zu extrahieren. Was sie fanden, war eine chemische Sensation, die weit über bloßes Konservierungsmittel hinausgeht.

Globale Handelswege der Antike entschlüsselt

Die Analyse in Jena förderte eine Liste von Inhaltsstoffen zutage, die nicht nur für Archäologen, sondern auch für Historiker von großer Bedeutung ist. Neben lokal verfügbaren Zutaten wie Bienenwachs, Pflanzenölen und Bitumen identifizierten die Forscher Harze von Pinien, Lärchen und Pistazien. Besonders bemerkenswert war jedoch der Nachweis von Dammar-Harz.

Dieser Fund ist ein Indiz für weitreichende globale Handelsbeziehungen schon in der Bronzezeit. Dammar-Harz stammt von Bäumen, die in den tropischen Wäldern Südostasiens heimisch sind. Dass dieses Material seinen Weg bis in eine ägyptische Einbalsamierungswerkstatt fand, belegt komplexe Handelsnetzwerke, die Tausende von Kilometern umspannten. Die Jenaer Forschung korrigiert damit unser Bild der antiken Weltwirtschaft.

Ein olfaktorisches Erlebnis statt Gruselklischees

Doch die Forschung blieb nicht bei den chemischen Formeln stehen. In Zusammenarbeit mit der Parfümeurin Carole Calvez und der Museologin Sofia Collette Ehrich wurde aus den Daten ein erfahrbares Parfüm kreiert: der "Scent of the Afterlife" (Duft des Jenseits).

Für Museen eröffnet dies völlig neue Wege der Vermittlung. Besucher in Hannover oder im dänischen Aarhus blicken nun nicht mehr nur durch Glas auf stumme Artefakte, sondern können die Geschichte buchstäblich einatmen. Der Duft wird als warme, harzige Note beschrieben, die eher an Wellness als an Grabkammern erinnert. Dieser Ansatz bricht nicht nur mit alten Vorurteilen über den "Gestank des Todes", sondern leistet auch einen wichtigen Beitrag zur Inklusion: Für sehbehinderte Menschen wird der Museumsbesuch durch solche sensorischen Stationen zu einem deutlich intensiveren Erlebnis.

Fazit: Wissenschaft, die berührt

Das Projekt des Max-Planck-Instituts für Geoanthropologie zeigt eindrucksvoll, wie moderne Wissenschaft in Jena dazu beiträgt, die Vergangenheit lebendig zu machen. Es geht nicht mehr nur um das Betrachten von Objekten, sondern um das Verstehen der kulturellen und sensorischen Welten unserer Vorfahren. Die Entschlüsselung des Balsamierungsrezepts der Senetnay ist ein Paradebeispiel dafür, wie Chemie und Geschichte verschmelzen, um uns die Antike näherzubringen – und das im wahrsten Sinne des Wortes "immer der Nase nach".

Weitere Ergebnisse dieser faszinierenden Arbeit werden sicherlich auch zukünftige Ausstellungen in Thüringen und darüber hinaus bereichern.


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