Jena, 27. Mai 2026. Vor dem Gebäude an der Kahlaischen Straße 1 erinnert ab sofort eine neue Gedenktafel an die historische Mitverantwortung der Friedrich-Schiller-Universität Jena für die NS-Rassenpolitik. Die Tafel beleuchtet das Schicksal der jüdischen Voreigentümer sowie die pseudowissenschaftliche Arbeit, die während des Nationalsozialismus in den Räumen des Hauses betrieben wurde.
- Ereignis: Einweihung einer Gedenktafel zur NS-Rassenlehre
- Ort: Kahlaische Straße 1, 07745 Jena (Auf Google Maps anzeigen)
- Datum: Mittwoch, 27. Mai 2026
- Projektpartner: Schülerinnen und Schüler der Schule UniverSaale, apl. Prof. Uwe Hoßfeld (FSU Jena)
Gedenken an Familie Behrendt und Aufklärung über Uni-Vergangenheit
Das Gebäude in der Kahlaischen Straße befand sich seit dem Jahr 1912 im Besitz der jüdischen Kaufmannsfamilie Behrendt. Im Zuge der nationalsozialistischen Diktatur und der damit einhergehenden systematischen Ausgrenzung und Enteignung jüdischer Bürger verlor die Familie ihr Eigentum. In der Folgezeit bezogen mehrere Universitätsinstitute das Gebäude, die eine zentrale Rolle in der Rassenforschung und Rassenpolitik des NS-Regimes einnahmen. Unter dem Deckmantel der Wissenschaft wurden hier pseudowissenschaftliche Theorien erarbeitet, die zur Legitimation der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik beitrugen.
Schüler-Engagement beim „Klang der Stolpersteine“
Die Realisierung dieses Erinnerungszeichens geht maßgeblich auf die Initiative von Schülerinnen und Schülern der Jenaer Schule UniverSaale zurück. Im Rahmen des städtischen Gedenkprojekts „Klang der Stolpersteine“ haben sich die Jugendlichen intensiv mit der Geschichte des Hauses auseinandergesetzt und den Text der Tafel erarbeitet. Wissenschaftlich unterstützt und begleitet wurde das Schulprojekt von apl. Prof. Uwe Hoßfeld von der Arbeitsgruppe Biologiedidaktik der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
Mit der feierlichen Enthüllung am Mittwoch wurde ein weiterer Baustein gelegt, um die historische Bildungsarbeit fest im öffentlichen Raum der Stadt Jena zu verankern. Die Tafel soll Passanten im Alltag dazu anregen, sich kritisch mit der historischen Verantwortung der Wissenschaft und den Verbrechen des Nationalsozialismus auseinanderzusetzen.
🏛️ Historie & Gebäude: Die NS-Rassenforschung in Jena
Die Friedrich-Schiller-Universität Jena nahm in der Zeit des Nationalsozialismus eine unrühmliche Vorreiterrolle bei der Etablierung der NS-Rassenhygiene ein. Bereits 1930 wurde hier das weltweit erste Institut für „Menschliche Erblichkeitslehre und Rassenhygiene“ unter der Leitung des späteren Rektors und überzeugten Nationalsozialisten Karl Astel gegründet. Das Projekt „Klang der Stolpersteine“, das in Jena seit vielen Jahren durch bürgerschaftliches Engagement getragen wird, verknüpft historische Aufarbeitung mit kulturellem Gedenken. Jedes Jahr im November und durch dauerhafte Bildungsinitiativen regt es dazu an, die Spuren jüdischen Lebens in der Stadt sichtbar zu machen und die Täterstrukturen kritisch zu hinterfragen.
Quelle:
Gedenktafel erinnert an NS-Rassenlehre
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