Forschung an der FSU Jena: Wie das RNA-Molekül „CisR“ das Cholera-Toxin ausbremst

Jena, 04.06.2026 – Einem Forschungsteam der Friedrich-Schiller-Universität Jena ist ein bedeutender Durchbruch in der Infektionsbiologie gelungen. Die Wissenschaftler haben entschlüsselt, wie Cholera-Bakterien sich mithilfe eines kleinen RNA-Moleküls gegen die unkontrollierte Vermehrung gefährlicher Viren schützen, die das Gift des Erregers in sich tragen.

  • Thema: Entdeckung eines neuen bakteriellen Abwehrmehansismus
  • Forschungseinrichtung: Friedrich-Schiller-Universität Jena (FSU)
  • Wissenschaftliche Publikation: Fachjournal „PNAS“ (Juni 2026)
  • Hauptbeteiligte: Team um Studienleiter Prof. Kai Papenfort

Ein biologischer Trojaner im Cholera-Erreger

Das gefährliche Cholera-Toxin, das beim Menschen schweren Brechdurchfall auslösen kann, wird ursprünglich gar nicht vom Bakterium selbst hergestellt. Es stammt von einem sogenannten Phagen – einem winzigen Virus namens CTXϕ, das die Bakterien infiziert und seine eigenen Gene in deren Erbgut einschleust. Das Bakterium wird dadurch unfreiwillig zum Produzenten des tödlichen Gifts und neuer Viren.

Das Molekül „CisR“ als molekulare Notbremse

Die Forschenden aus Jena haben nun herausgefunden, dass das Cholera-Bakterium dieser Übernahme nicht schutzlos ausgeliefert ist. Es besitzt ein kleines, regulatorisches RNA-Molekül mit dem Namen „CisR“.

Sobald das Bakterium unter Stress gerät – etwa durch Nährstoffmangel oder eine extrem hohe Dichte an bakteriellen Nachbarn –, wird CisR aktiv. Das Molekül fungiert als präziser Kontrollmechanismus und blockiert die Vermehrung des Virus. Es sorgt dafür, dass keine neuen Viruspartikel gebildet werden, und dämmt so die Ausbreitung des Cholera-Toxins ein. „Unsere Ergebnisse zeigen erstmals, dass kleine regulatorische RNAs direkt die Vermehrung eines krankheitsrelevanten Phagen kontrollieren können“, erklärt Studienleiter Kai Papenfort.

Neue Perspektiven für die Medizin

Die Entdeckung der FSU Jena wirft ein neues Licht auf das komplexe Zusammenspiel zwischen Viren und Bakterien. Bisher ging die Wissenschaft meist davon aus, dass Bakterien vor allem durch grobe Abwehrsysteme wie das bekannte CRISPR-System gegen Viren vorgehen. Die filigrane Steuerung über das RNA-Molekül CisR zeigt, wie anpassungsfähig die Mikroorganismen sind. Langfristig könnten diese Erkenntnisse genutzt werden, um neue, zielgerichtete antimikrobielle Therapien zu entwickeln, die ohne klassische Antibiotika auskommen.

🎭 Exzellente Forschung in der Lichtstadt

Die Friedrich-Schiller-Universität Jena gehört im Bereich der Mikrobiologie und Infektionsbiologie zu den führenden deutschen Standorten. Mit dem ansässigen Exzellenzcluster „Balance of the Microverse“ erforscht die Universität die Interaktionen von Mikroorganismen in verschiedenen Lebensräumen. Die aktuelle Publikation im renommierten Fachjournal „PNAS“ unterstreicht erneut die internationale Tragweite der Jenaer Spitzenforschung.


Quelle:

Forschung aus Jena entschlüsselt neue Form bakterieller Virusabwehr


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