Wohnungsbau in Jena: Stadtverwaltung „zähmt“ den Bauturbo-Paragrafen

Das Wichtigste in Kürze:

  • Ziel: 5.000 neue Wohnungen bis 2035 geplant.
  • Ist-Zustand: Im vergangenen Jahr wurden nur rund 230 Einheiten fertiggestellt.
  • Strategie: Anwendung des Bundes-„Bauturbos“ nur unter strengen städtischen Leitlinien.
  • Fokus: Nachverdichtung und Aufstockung statt unregulierter Neubaugebiete.

Jena (20.02.2026) – Der Wohnungsmarkt in der Saalestadt bleibt angespannt. Die geografische Kessellage und der anhaltende Zuzug stellen Stadtplaner seit Jahren vor Herausforderungen. Das erklärte Ziel der Stadtverwaltung ist ambitioniert: Bis zum Jahr 2035 sollen 5.000 neue Wohnungen entstehen, um den Bedarf zu decken und die Mieten zu stabilisieren. Doch zwischen Plan und Realität klafft eine Lücke. Im vergangenen Jahr wurden lediglich rund 230 neue Wohneinheiten fertiggestellt – deutlich zu wenig, um das Langzeitziel im geplanten Tempo zu erreichen.

Der „Bauturbo“ und die Jenaer Skepsis

Um deutschlandweit den Wohnungsbau anzukurbeln, hat die Bundesregierung den sogenannten „Bauturbo“ (§ 246e BauGB) ins Leben gerufen. Dieses Gesetz soll es Kommunen ermöglichen, Bauvorhaben schneller zu genehmigen, indem zeitaufwendige Bebauungsplanverfahren unter bestimmten Umständen umgangen werden können. Was in der Theorie nach einer schnellen Lösung klingt, stößt im Jenaer Stadtentwicklungsdezernat auf Zurückhaltung.

Die Stadtverwaltung hat sich dazu entschieden, das Bundesinstrument nicht ungeprüft zu übernehmen, sondern es gewissermaßen zu „zähmen“. Der Bauturbo soll in Jena nur mit angezogener Handbremse und unter Anwendung eigener, städtischer Leitlinien zum Einsatz kommen. Die Sorge der Verantwortlichen: Ein unregulierter Bauboom könnte städtebauliche Qualitäten opfern und langfristig mehr Probleme schaffen als lösen.

Klasse statt Masse: Lücken füllen statt Flächen versiegeln

Jena setzt dabei auf eine Strategie der kleinen Schritte. Statt riesige neue Areale ohne detaillierte Vorplanung auszuweisen, liegt der Fokus auf kleineren Projekten. Das Zauberwort heißt Nachverdichtung. Konkret bedeutet das:

  • Baulücken schließen: Brachliegende Grundstücke im Bestand sollen bebaut werden.
  • Aufstockung: Bestehende Gebäude könnten zusätzliche Etagen erhalten, wo dies statisch und optisch vertretbar ist.
  • Umnutzung: Nicht mehr benötigte Gewerbeflächen könnten in Wohnraum umgewandelt werden.

Diese Herangehensweise hat triftige Gründe. In der engen Tallage von Jena sind Freiflächen ein kostbares Gut. Insbesondere die Frischluftschneisen, die für das Stadtklima essenziell sind, dürfen nicht rücksichtslos zugebaut werden. Auch das architektonische Stadtbild soll durch Schnellschüsse nicht leiden. Die Stadtverwaltung möchte verhindern, dass Investoren den „Bauturbo“ nutzen, um Projekte durchzudrücken, die sich nicht harmonisch in die bestehenden Quartiere einfügen.

Ausblick: Ein Spagat zwischen Bedarf und Behutsamkeit

Für Bauherren und Investoren bedeutet der Jenaer Weg, dass trotz der theoretischen Beschleunigungsmöglichkeiten des Bundesgesetzes weiterhin strenge Maßstäbe in der Saalestadt gelten. Die Verwaltung signalisiert damit deutlich: Wohnraum schaffen ja, aber nicht um jeden Preis. Ob durch die Fokussierung auf kleinteilige Projekte die Marke von 5.000 neuen Wohnungen bis 2035 tatsächlich erreicht werden kann, bleibt abzuwarten. Es ist ein Balanceakt zwischen dem dringenden sozialen Bedarf an Wohnraum und dem Erhalt der Lebensqualität in einer landschaftlich begrenzten Stadt.

Die Stadtverwaltung bleibt gefordert, diesen Prozess transparent zu moderieren, um sowohl den Wohnungssuchenden als auch den Anwohnern gerecht zu werden.


Quelle:

Turbo für den Wohnungsbau: Jena setzt auf kleine Projekte statt große Pläne


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