- Was: Theater-Adaption des Films „La Haine“ (Hass)
- Wo: Verortung im Stadtteil Jena-Lobeda
- Wer: Theaterhaus Jena
- Original: Kultfilm von Mathieu Kassovitz (1995)
Jena (30.01.2026). Es ist ein gewagtes und zugleich spannendes künstlerisches Experiment, das derzeit die Aufmerksamkeit der Jenaer Kulturszene auf sich zieht: Das Theaterhaus Jena hat sich den französischen Kultfilm „La Haine“ (Der Hass) vorgenommen und wagt einen radikalen Ortswechsel. Statt in den tristen Banlieues von Paris spielt die Adaption im hier und heute – mitten im Jenaer Stadtteil Lobeda.
Ein Klassiker der 90er Jahre im neuen Gewand
Mathieu Kassovitz schuf 1995 mit „La Haine“ ein düsteres Meisterwerk in Schwarz-Weiß, das bis heute nichts von seiner Wucht verloren hat. Der Film erzählt 24 Stunden im Leben dreier Jugendlicher in einer französischen Trabantenstadt, geprägt von Langeweile, Ausgrenzung und der ständigen Eskalationsgefahr im Konflikt mit der Polizei. Das Zitat „Dies ist die Geschichte von einem Mann, der aus dem 50. Stockwerk fällt“, ist längst Filmgeschichte.
Dass das Theaterhaus Jena diesen Stoff nun aufgreift, zeugt von dem Anspruch der Bühne, gesellschaftlich relevante Themen dort zu verhandeln, wo es vielleicht auch mal wehtut oder zumindest Reibungsfläche bietet. Die Entscheidung, die Handlung explizit nach Lobeda zu übertragen, ist dabei der entscheidende dramaturgische Kniff.
Lobeda als Kulisse: Mehr als nur Beton?
Die architektonischen Parallelen sind auf den ersten Blick offensichtlich. Wie die französischen Banlieues ist auch Lobeda geprägt durch den Großsiedlungsbau, die sogenannte „Platte“. Doch der Transfer des Stoffes wirft spannende Fragen auf: Lassen sich die sozialen Brennpunkte Frankreichs der 90er Jahre mit dem Lebensgefühl im Lobeda des Jahres 2026 vergleichen? Sicherlich nicht eins zu eins, und genau hier dürfte die Spannung der Inszenierung liegen.
Lobeda ist heute ein Stadtteil im Wandel, mit moderner Infrastruktur und sanierten Wohnungen, kämpft aber teils immer noch mit Stigmatisierung. Indem das Theaterhaus den Stoff hier verortet, untersucht es Mechanismen von Jugendkultur, Perspektivlosigkeit, aber auch Gemeinschaft in Großsiedlungen unter ostdeutschen Vorzeichen. Es geht um die Frage, was „Hass“ in unserer heutigen Gesellschaft nährt und wie sich soziale Räume auf das Miteinander auswirken.
Kulturelle Auseinandersetzung vor der Haustür
Für das Jenaer Publikum bietet diese Adaption die Chance, den eigenen Stadtraum durch eine fiktionale, dramatische Linse neu zu betrachten. Das Theaterhaus ist bekannt dafür, überregionale Stoffe lokal zu erden und so eine unmittelbare Dringlichkeit zu erzeugen. Die Geschichte von Vinz, Saïd und Hubert – den Protagonisten des Originals – wird somit zu einer universellen Parabel über das Erwachsenwerden in einer Welt, die oft wenig Platz für Zwischentöne lässt.
Es bleibt abzuwarten, wie das Jenaer Publikum auf diese Spiegelung reagiert und welche Debatten über Stadtentwicklung, Jugend und soziale Gerechtigkeit dadurch angestoßen werden.
Bleiben Sie neugierig auf die kulturellen Impulse unserer Stadt.
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