Das Wichtigste in Kürze
- Ort: Stadtkirche St. Michael, Jena Zentrum
- Maßnahme: Freilegung der historischen Gewölbekappen
- Nächster Schritt: Kran-Aufstellung am Dienstag (10.02.2026) auf dem Kirchplatz
- Hintergrund: Notsicherung nach Putz-Absturz im Juni 2025
- Spendenstand: Über 65.000 Euro eingegangen
Jena (09.02.2026). Es ist das Wahrzeichen der Jenaer Innenstadt und ein Ort, der Identität stiftet: Die Stadtkirche St. Michael. Wer in diesen Tagen am Kirchplatz vorbeigeht, bemerkt die Betriebsamkeit rund um das historische Gotteshaus. Ein entscheidender Meilenstein in der laufenden Sanierung ist nun erreicht – doch bevor die Experten Entwarnung geben können, muss schweres Gerät anrücken.
Altlasten unter dem Kirchendach entfernt
Wie die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland (EKM) mitteilt, wurden in den vergangenen Tagen im ersten Bauabschnitt die sogenannten Gewölbekappen freigelegt. Über Jahrhunderte – und insbesondere während verschiedener Baumaßnahmen der Vergangenheit – hatte sich auf der Oberseite des Gewölbes im Dachstuhl einiges an Material angesammelt. Diese Auflagen wurden nun mühsam entfernt, um den freien Blick auf die historische Bausubstanz zu ermöglichen.
Das abgetragene Material, bei dem es sich laut Kirchengemeinde größtenteils um Reste früherer Sanierungs- und Bauarbeiten handelt, wurde nicht einfach entsorgt. Es lagert derzeit in großen, strapazierfähigen Transportsäcken, sogenannten „Bigbags“, direkt unter dem Dach. Doch wie bekommt man diese Last sicher aus dem historischen Gebälk?
Kran-Einsatz auf dem Kirchplatz am Dienstag
Für den Abtransport ist Präzision gefragt. Am morgigen Dienstag soll auf dem Kirchplatz ein Kran installiert werden. Dieser wird die gefüllten Bigbags kontrolliert vom Dachgeschoss nach unten befördern. Passanten und Anwohner sollten sich auf entsprechende Bewegungen auf dem Platz einstellen. Sobald die Lasten entfernt sind, planen die Experten, die Oberseiten der Gewölbe zusätzlich abzusaugen. Erst dann ist eine millimetergenaue Begutachtung der Bausubstanz möglich, die für die weitere Planung unerlässlich ist.
Archäologen der Universität Jena suchen nach Geschichte
Bei einem Bauwerk, dessen Geschichte bis ins Mittelalter reicht, ist Bauschutt oft mehr als nur Abfall. Der gesamte Prozess wird daher engmaschig vom Denkmalamt begleitet. Besonders spannend: Auch die Wissenschaft ist involviert. Mitarbeitende der Ur- und Frühgeschichtlichen Archäologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena sind in das Projekt eingebunden.
Ihre Aufgabe ist es, das abgetragene Füllmaterial genau zu sichten. Es besteht die berechtigte Hoffnung, dass sich zwischen Mörtelresten und Gesteinssplittern historische Gegenstände befinden, die Rückschlüsse auf frühere Bautechniken oder das Leben in Jena in vergangenen Jahrhunderten zulassen. Jeder Fund würde fachgerecht eingeordnet und dokumentiert werden.
Rostende Eisenstifte als Auslöser der Sanierung
Die aktuellen Maßnahmen sind keine reine Kosmetik, sondern dringend notwendig geworden. Auslöser war ein Vorfall im Juni 2025, als ein handtellergroßes Stück Putz aus dem Gewölbe in das Kirchenschiff stürzte. Glücklicherweise wurde niemand verletzt, doch der Schreck saß tief.
Untersuchungen brachten die Ursache ans Licht: Sünden der Vergangenheit. Bei Reparaturen in den 1950er Jahren wurden Eisenstifte verwendet, um den Putz zu stabilisieren. Was damals als gute Lösung erschien, rächt sich heute. Das Eisen korrodierte über die Jahrzehnte. Da Rost ein größeres Volumen einnimmt als das ursprüngliche Metall, entstanden Spannungen im Material, die den Putz schließlich absprengten – ein physikalischer Prozess, der in der Denkmalpflege als „Rostsprengung“ gefürchtet ist.
Solidarität der Jenaer ist groß
Die Sanierung der „guten Stube“ Jenas ist ein finanzieller Kraftakt. Umso erfreulicher ist die Nachricht der Kirchengemeinde, dass die Spendenbereitschaft ungebrochen ist. Bislang sind bereits mehr als 65.000 Euro auf dem Spendenkonto eingegangen. Dieses Geld fließt direkt in den Erhalt des Bauwerks, damit St. Michael auch für kommende Generationen als Ort der Begegnung, der Kultur und des Glaubens sicher offenstehen kann.
Wenn am Dienstag der Kran die schweren Säcke vom Dach hebt, ist das also nicht nur eine bauliche Notwendigkeit, sondern auch ein sichtbares Zeichen dafür, dass Jena sich um sein historisches Erbe kümmert.
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