Jena, 09.07.2026 – Das Theaterhaus Jena hat am Mittwochabend sein diesjähriges Sommerspektakel „Kassandra: coming of age at the end of the world“ vor ausverkauftem Haus uraufgeführt. Unter der Regie von Azeret Koua wurde die antike Tragödie zu einer dreistündigen, hochaktuellen Gesellschaftskritik umgedeutet, die das Jenaer Publikum begeisterte.
- Was: Sommerspektakel „Kassandra: coming of age at the end of the world“
- Wo: Theaterhaus Jena, Schillergäßchen 1, 07745 Jena
- Wann: Uraufführung am 8. Juli 2026, weitere Spieltermine im Sommer 2026
- Dauer: Ca. 2 Stunden 40 Minuten (inklusive einer Pause)
- Beteiligte: Regie: Azeret Koua; Fassung: Marion Hélène Weber & Azeret Koua; Ensemble des Theaterhauses, FLINTA-Chor, Liveband und Zirkusartisten
Antiker Mythos im Spiegel der Gegenwart
Die Figur der Kassandra aus der griechischen Mythologie ist die Prophetin, der niemand glaubt. Bestraft vom Gott Apollon, sieht sie das Unheil kommen, doch ihre Warnungen verhallen ungehört. Die Inszenierung im Theaterhaus Jena zieht hier eine direkte, unmissverständliche Parallele zur heutigen Zeit: In Zeiten der voranschreitenden Klimakrise wirken die Kassandrarufe von Wissenschaftlern und Aktivisten oft ähnlich wirkungslos gegenüber den Herrschenden. Wenn auf der Bühne Sätze fallen wie „Mamas Garten ist Asche“ oder der Blick auf einen scheinbar unaufhaltsam zerstörten Birkenwald fällt, wird die ökologische Dringlichkeit der Gegenwart im antiken Gewand spürbar.
Die Auseinandersetzung mit dem Patriarchat
Ein zentraler roter Faden des Abends ist die fundierte Kritik an patriarchalen Strukturen, in denen Kassandra zeitlebens gefangen ist. Ihr Weg vom Mädchen zur Frau – das titelgebende „Coming of Age“ – wird als fortlaufender Kampf gegen familiäre Traumata und gesellschaftliche Zwänge inszeniert. Schon bei ihrer Geburt beklagt König Priamos, dass das Neugeborene „nur ein Mädchen“ sei. Die Ohnmacht der Frau in einer von Männern dominierten Welt gipfelt im Trojanischen Krieg und Kassandras eigenem Schicksal.
Das Regieteam stellt dieser Ohnmacht jedoch eine starke kollektive Energie entgegen. Ein 30-köpfiger FLINTA-Chor (Frauen, Lesben, intersexuelle, nicht-binäre, trans- und agender Personen) untermalt das Geschehen stimmgewaltig und fordert unter anderem mit Slogans wie „Burn the system“ das Aufbrechen veralteter Machtstrukturen.
Aufwendige Produktion mit Live-Band und Akrobatik
Das Sommerspektakel zeichnet sich durch ein hohes Maß an Interdisziplinarität aus. Neben dem Schauspielensemble und dem Chor sind zwei Zirkusartisten beteiligt. Eine auf der Bühne installierte Slackline und ein hoher Mast werden für akrobatische Einlagen genutzt, die das Streben der Protagonistin nach Autonomie physisch greifbar machen. Das vielseitige Bühnenbild von Elizaweta Veprinskaya arbeitet mit symbolträchtigen Vorhängen und einem echten Feuer in der Theaterpause, während eine Liveband das Stück mit atmosphärischen Soundcollagen und Popsongs untermalt.
Großer Publikumserfolg in Jena
Trotz der thematisch schweren Kost bewies das Theaterhaus Jena ein glückliches Händchen: Die Premiere war vollständig ausverkauft. Die Mischung aus inhaltlicher Tiefe, spektakulärer Inszenierung und der lebendigen Atmosphäre im Theatergarten traf den Nerv des lokalen Publikums. Neben dem Sommerspektakel bietet die Jenaer Kulturszene in den kommenden Monaten weitere Höhepunkte für Theaterbegeisterte, wie etwa das angekündigte Gastspiel Loriot im Volkshaus Jena im Bereich der gehobenen Unterhaltung.
Weitere Informationen und Tickets für die kommenden Aufführungen der laufenden Spielzeit finden Interessierte direkt auf der Website des Theaterhauses Jena sowie in unserer Rubrik für Events & Kultur.
🎭 Kultur & Stadtleben: Das Sommerspektakel in Jena
Das Sommerspektakel des Theaterhauses Jena ist eine feste Institution im städtischen Kulturkalender. Jedes Jahr im Sommer verwandelt sich das Areal rund um das Theaterhaus in eine Open-Air-Bühne für unkonventionelle, oft interdisziplinäre Inszenierungen. Diese Produktionen zeichnen sich traditionell durch die enge Verwebung von professionellem Schauspiel, lokalen Laienchören, Live-Musik und artistischen Elementen aus. Das Format zieht regelmäßig ein breites, auch überregionales Publikum an und gilt als wichtiger Identifikationspunkt für die Kulturszene im Saaletal.
Quelle:
Kassandra: coming of age at the end of the world – Theaterhaus Jena – Azeret Koua erzählt aus dem Leben der verachteten Prophetin Kassandra
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