Musik gegen das Vergessen: Jenaer Forscher entwickeln App für Demenzkranke

Jena, 26. Juni 2026 – Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena haben eine neue Musik-App entwickelt, die Menschen mit Demenz therapeutisch unterstützen soll. Das innovative Projekt nutzt die beruhigende Wirkung individueller Lieblingslieder, um den Pflegealltag zu erleichtern.

  • Initiator: Friedrich-Schiller-Universität Jena (Institut für Psychologie)
  • Projektleitung: Prof. Dr. Gabriele Wilz
  • Zielgruppe: Demenzpatienten, pflegende Angehörige und Pflegekräfte
  • Anwendung: Personalisierte Musiktherapie via Smartphone-App

Therapeutischer Nutzen im Fokus der Jenaer Forschung

Das Thüringer Forschungsprojekt mit dem Titel „Individualisierte Musik für Menschen mit Demenz“ wird von Professorin Gabriele Wilz geleitet, die an der Universität Jena die Abteilung für Klinisch-psychologische Intervention führt. Im Kern der wissenschaftlichen Arbeit steht die Erkenntnis, dass das gezielte Abspielen von vertrauter Lieblingsmusik signifikante positive Effekte auf das Wohlbefinden von Demenzpatienten hat.

Die eigens entwickelte App ermöglicht es Angehörigen und Pflegekräften, maßgeschneiderte Wiedergabelisten zu erstellen, die auf die Biografie und die Vorlieben des Erkrankten abgestimmt sind. In der Praxis zeigt sich, dass diese vertrauten Klänge Patientinnen und Patienten spürbar entspannen, Unruhezustände reduzieren und somit auch den psychischen Stress der Pflegenden mindern. Angesichts der Tatsache, dass die Jenaer Pflege künftig vor großen personellen Herausforderungen steht, bieten digitale und therapeutische Hilfsmittel wie diese App eine wertvolle und dringend benötigte Entlastung im Alltag.

Erfolgreiche Praxis und bundesweite Expansion

Erste wissenschaftliche Praxistests wurden unter anderem im Weimarer Marie-Seebach-Stift durchgeführt – einer geschichtsträchtigen Einrichtung, die für ihr reges Kulturleben bekannt ist. Nach den positiven Ergebnissen der Thüringer Pilotphase soll das Projekt nun auf Pflegeheime und häusliche Pflegeumgebungen in ganz Deutschland ausgeweitet werden, um den therapeutischen Nutzen der App auf einer breiteren Datenbasis zu validieren.

🧠 Musikgedächtnis und Demenz: Warum Lieder den Geist wecken

Das Musikgedächtnis gehört zu den erstaunlichsten Phänomenen der modernen Hirnforschung. Während bei einer Demenzerkrankung kognitive Fähigkeiten, das Kurzzeitgedächtnis und persönliche Orientierungspunkte nach und nach verloren gehen, bleibt das emotionale Gedächtnis für Musik oft bis in die späten Krankheitsphasen hinein intakt. Die dafür zuständigen Gehirnareale sind meist deutlich weniger von den typischen demenziellen Abbauprozessen betroffen. Erklingt ein vertrautes Lied aus der Jugend, kann dies tief verankerte Emotionen wecken, Blockaden lösen und den Betroffenen für kurze Zeit ein Stück ihrer eigenen Identität und Ausdruckskraft zurückgeben.

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Quelle: MDR.de


Quelle:

Uni Jena: Neue Musik-App soll Menschen mit Demenz helfen


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