Jena, 30. Juni 2026 – Forschenden des Jenaer Leibniz-Instituts für Alternsforschung (FLI) ist ein bedeutender Durchbruch gelungen: Sie identifizierten ein Schlüsselmolekül, das gealterte Mitochondrien wieder verjüngen kann.
- Thema: Zellverjüngung durch Wiederherstellung der Mitochondrien-Struktur
- Institut: Leibniz-Institut für Alternsforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI) Jena
- Forschungsergebnis: Das Lipid Phosphatidylcholin (PC) verhindert den Verfall der zellulären Energienetze
- Veröffentlichung: Fachjournal Nature Communications
Das zelluläre Stromnetz: Wie Phosphatidylcholin wirkt
Mitochondrien gelten als die Kraftwerke unserer Zellen. Mit zunehmendem Alter lässt ihre Leistungsfähigkeit nach: Sie produzieren weniger Energie und hinterlassen vermehrt zellulären Müll. Ein Forschungsteam um Maria Ermolaeva am Leibniz-Institut für Alternsforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI) in Jena hat nun herausgefunden, woran das liegt. Die Studie zeigt: Im Alter sinkt die körpereigene Produktion des Lipids Phosphatidylcholin (PC) drastisch.
Dieses Fettmolekül ist entscheidend für die Elastizität der mitochondrialen Membranen. Fehlt es, können die einzelnen Mitochondrien nicht mehr miteinander verschmelzen, um ein flexibles, leitfähiges Netzwerk zu bilden. Die Folge ist ein Zusammenbruch des zellulären Energienetzes – vergleichbar mit einem maroden Stromnetz, in dem der Fluss blockiert ist. Durch die gezielte Gabe von Phosphatidylcholin oder dessen Vorläufer Cholin gelang es den Forschenden jedoch, die mitochondriale Struktur bei Fadenwürmern und in menschlichen Zellkulturen innerhalb von nur zwei Tagen spürbar in einen jüngeren Zustand zurückzuversetzen, wie das Team in einer Pressemitteilung des Instituts erklärte.
Geschlechtsspezifische Unterschiede und Alltagsrelevanz
Besonders auffällig sind die geschlechtsspezifischen Ergebnisse der Studie. Während der Phosphatidylcholin-Spiegel bei Männern im Laufe des Lebens nur allmählich sinkt, bricht er bei Frauen in den Wechseljahren schlagartig ein. Dies korreliert häufig mit dem in dieser Lebensphase oft beschriebenen Abfall des Energieniveaus und anhaltender Müdigkeit. Ein niedriger PC-Spiegel steht zudem in engem Zusammenhang mit altersbedingten Erkrankungen wie Diabetes, Übergewicht sowie neurodegenerativen Prozessen.
Die Entdeckung reiht sich ein in die jüngsten Bemühungen, das biologische Altern als einen formbaren und beeinflussbaren Prozess zu verstehen. Ähnlich wie das Deutsches Zentrum für Psychische Gesundheit (DZPG) die Erforschung mentaler Prozesse im Alter vorantreibt, leistet das FLI Pionierarbeit auf zellulärer Ebene.
🏛️ Spitzenforschung auf dem Beutenberg-Campus
Das Leibniz-Institut für Alternsforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI) ist die erste nationale Forschungseinrichtung in Deutschland, die sich der biomedizinischen Alternsforschung widmet. Am Jenaer Beutenberg-Campus untersuchen Wissenschaftler aus über 40 Nationen die molekularen Ursachen des Alterns. Die Institution genießt weltweites Renommee und trägt maßgeblich dazu bei, Jena als international führendes Spitzenzentrum für Lebenswissenschaften und Altersforschung zu etablieren.
Quelle:
Mitochondrien-Rätsel gelöst: Wie Forscher aus Jena Zellen verjüngen
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