Jena, 25. Mai 2026. Ein Forschungsteam des Jenaer Leibniz-Instituts für Alternsforschung (FLI) hat eine wesentliche Ursache für den altersbedingten Energieverlust von Zellen entschlüsselt. Die Entdeckung zeigt nicht nur, warum unsere zellulären Kraftwerke im Alter versagen, sondern liefert auch einen konkreten Ansatz zur Regeneration durch gezielte Nahrungsergänzung.
- Forschungseinrichtung: Leibniz-Institut für Alternsforschung – Fritz-Lipmann-Institut (FLI) Jena
- Forschungsleitung: Dr. Maria Ermolaeva
- Schlüsselerkenntnis: Mangel an dem Membranlipid Phosphatidylcholin führt zum Kollaps der zellulären Energienetzwerke
- Therapieansatz: Verabreichung von Cholin oder Phosphatidylcholin zur Regeneration
Mitochondrien: Die Kraftwerke unserer Zellen im Fokus
Mitochondrien arbeiten in jeder unserer Zellen wie winzige Kraftwerke. Sie wandeln Nahrung in nutzbare Energie um, die für Bewegung, Wachstum und sämtliche Reparaturprozesse im Körper unverzichtbar ist. Darüber hinaus fungieren sie als dynamische Kontrollzentren, die die zelluläre Kommunikation steuern. Doch im Laufe des Alterungsprozesses nimmt ihre Leistungsfähigkeit rapide ab.
Wissenschaftler des Jenaer FLI unter der Leitung von Maria Ermolaeva haben nun herausgefunden, dass dieser Verfall nicht an den Genen der Mitochondrien selbst liegt. Stattdessen verändert sich die Zusammensetzung ihrer äußeren Hülle. Es fehlt im Alter zunehmend an einem bestimmten Fettmolekül, dem sogenannten Phosphatidylcholin.
Wie der Mangel an Fettmolekülen das Zellnetzwerk stört
Dieses spezielle Membranlipid sorgt normalerweise dafür, dass die Hüllen der Mitochondrien elastisch bleiben. Diese Flexibilität ist notwendig, damit sich die einzelnen Kraftwerke zu großen, effizienten Netzwerken zusammenschließen können. Fehlt das Lipid, zersplittern die Mitochondrien und arbeiten fehlerhaft.
Das fein verzweigte „Stromnetz“ der Zelle bricht zusammen. Die Energie wird ungleichmäßig verteilt, und die Zellen verlieren ihre metabolische Plastizität – also die Fähigkeit, flexibel auf schwankenden Energiebedarf zu reagieren. Dies gilt als ein zentraler Treiber des biologischen Alterns und begünstigt altersbedingte Krankheiten wie Diabetes.
Einfache Regeneration durch gezielte Nährstoffe
Die Jenaer Forschergruppe liefert jedoch auch eine vielversprechende Lösung: Der Prozess ist keine Einbahnstraße. In Versuchen mit Fadenwürmern reichten bereits zwei Tage einer Fütterung mit Phosphatidylcholin oder dessen Vorläufer Cholin aus, um die zellulären Kraftwerke vollständig zu regenerieren. Die Zellen erlangten ihre jugendliche Dynamik zurück und produzierten wieder effizient Energie.
Da diese Mechanismen auch in menschlichen Zellkulturen und klinischen Datenbanken nachgewiesen werden konnten, bietet der Ansatz großes Potenzial für zukünftige Therapien oder präventive Nahrungsergänzungsmittel beim Menschen.
🏛️ Historie & Gebäude: Das Leibniz-Institut für Alternsforschung (FLI)
Das Fritz-Lipmann-Institut (FLI) auf dem Beutenberg-Campus in Jena gehört zu den führenden Forschungseinrichtungen Deutschlands. Seit seiner Neuausrichtung im Jahr 2004 widmet sich das Institut der biomedizinischen Alternsforschung. Ziel der Wissenschaftler ist es, die molekularen Mechanismen des Alterns zu verstehen, um altersbedingte Krankheiten zu verzögern und gesundes Altern zu ermöglichen. Der Beutenberg-Campus vereint zahlreiche renommierte Institute im Bereich der Lebenswissenschaften und stärkt Jenas Ruf als internationale Wissenschaftsstadt.
Quelle:
Warum wir im Alter Energie verlieren – und was Forschung aus Jena dagegen tun kann
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