Zeiss-Planetarium Jena: Bauarbeiten enthüllen historisches „Bombenloch“ aus dem Zweiten Weltkrieg

Kurz & Kompakt: Der Fund im Überblick

  • Ort: Zeiss-Planetarium Jena (Damenviertel)
  • Entdeckung: Bei aktuellen Demontagearbeiten der Innenkuppel
  • Historischer Ursprung: Luftangriff am 19. März 1945
  • Objekt: Einschlagstelle einer Brandbombe, provisorisch mit Holz verschlossen
  • Besonderheit: Von außen nur bei Schneefall als Kontur erkennbar

Jena (04.02.2026) – Es sind Momente, in denen die Geschichte der Stadt Jena plötzlich greifbar wird. Mitten in den laufenden Sanierungsarbeiten am weltbekannten Zeiss-Planetarium sind Arbeiter auf ein Detail gestoßen, das jahrzehntelang im Verborgenen lag. Ein sogenanntes „Bombenloch“ in der Kuppelkonstruktion erzählt von den dramatischen letzten Kriegstagen im Jahr 1945.

Eigentlich geht es um die Zukunft des Planetariums, doch aktuell richtet sich der Blick weit in die Vergangenheit. Im Zuge der Demontage der Innenkuppel und der Entfernung alter Dämmmaterialien wie Glasfaserwolle kam eine provisorische Reparaturstelle zum Vorschein, die fast 81 Jahre überdauert hat.

Ein stummer Zeuge des 19. März 1945

Wie das Planetarium bestätigt, handelt es sich bei dem Fund um die Einschlagstelle einer Brandbombe. Historiker und Stadtkenner wissen um die Bedeutung des Datums: Am 19. März 1945 erlebte Jena einen der schwersten Luftangriffe des Zweiten Weltkriegs. Während weite Teile der Innenstadt zerstört wurden, hatte das Planetarium im Damenviertel großes Glück im Unglück.

Die Brandbombe durchschlug zwar das Dach der Kuppel, zündete jedoch nicht. Wäre der Zündmechanismus damals intakt gewesen, hätte dies vermutlich das Ende für das 1926 eröffnete Bauwerk bedeutet. So blieb es bei einem Loch in der Außenhülle. Nach Kriegsende, in einer Zeit des Materialmangels, wurde die Stelle von den damaligen Mitarbeitern pragmatisch von innen mit Brettern verschalt. Diese Holzverkleidung wurde nun, bei den aktuellen Arbeiten, wieder sichtbar.

Ein Phänomen, das der Schnee verrät

Die Entdeckung ist nicht nur bauhistorisch interessant, sie erklärt auch ein Phänomen, das aufmerksamen Beobachtern in Jena vielleicht schon einmal aufgefallen ist – oder auch nicht. Denn das „Bombenloch“ ist ein Meister der Tarnung.

Wie das Planetariumsteam erläutert, ist die Stelle von außen unter normalen Umständen nicht zu erkennen. Lediglich im Winter, wenn Schnee auf der Kuppel liegt, zeichnet sich die Kontur der alten Einschlagstelle kurzzeitig ab. Es wirkt dann, so beschreibt es das Planetarium selbst, „wie ein flüchtiger Abdruck der Geschichte“. Durch die unterschiedliche Wärmeleitung oder die leichte Vertiefung der damaligen Reparatur schmilzt oder liegt der Schnee an dieser Stelle anders als auf dem restlichen Beton der Kuppel.

Sanierung mit Fingerspitzengefühl

Der Fund unterstreicht die Sensibilität, mit der bei der Sanierung solch historischer Bausubstanz vorgegangen werden muss. Das Zeiss-Planetarium Jena ist nicht nur das dienstälteste Projektionsplanetarium der Welt, sondern auch ein architektonisches Wahrzeichen der Stadt. Jeder Eingriff in die Bausubstanz fördert Schicht für Schicht die Biografie des Gebäudes zutage.

Dass der Betrieb damals nach dem Bombenfund nur für wenige Tage unterbrochen werden musste, wirkt aus heutiger Sicht fast unglaublich. Heute sorgt die Stelle erneut für Staunen – nicht wegen der Sterne, die sonst an die Kuppel projiziert werden, sondern wegen der Geschichte, die in den Wänden selbst steckt. Für die Denkmalpflege und die Stadtgeschichte ist die Dokumentation solcher Schäden essenziell, um die Narben der Stadt auch für künftige Generationen verständlich zu machen.

Die Arbeiten am Planetarium gehen weiter, doch dieser Fund wird sicherlich als eines der spannendsten Kapitel der aktuellen Sanierungsphase in Erinnerung bleiben.


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