- Ort: Zeiss-Planetarium Jena (Kuppel)
- Entdeckung: Historischer Bombenschaden aus dem Jahr 1945
- Ursache: Blindgänger (Brandbombe) vom 19. März 1945
- Sichtbarkeit: Wurde bei Demontage der Innenkuppel freigelegt
Jena (03.02.2026) – Es sind oft die zufälligen Momente bei Bauarbeiten, die längst vergessene Geschichten wieder an das Tageslicht befördern. Im Zeiss-Planetarium Jena, dem ältesten betriebenen Projektionsplanetarium der Welt, sorgte nun eine Sanierungsmaßnahme für einen solchen Gänsehaut-Moment. Arbeiter stießen auf ein Relikt aus den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs, das Jahrzehnte im Verborgenen lag.
Ein stiller Zeuge unter Glasfaserwolle
Jena ist stolz auf sein Planetarium, das seit fast 100 Jahren die Skyline der Stadt prägt. Doch selbst Kenner des Gebäudes hatten dieses Detail wohl nicht mehr auf dem Schirm. Im Zuge aktueller Bauarbeiten, bei denen die Innenkuppel demontiert und alte Glasfaserwolle entfernt wurde, kam plötzlich eine provisorische Konstruktion zum Vorschein. Unter den Schichten der Dämmung verbarg sich eine schlichte Verkleidung aus Brettern.
Wie sich herausstellte, markiert diese hölzerne Abdeckung eine Narbe des Gebäudes: ein sogenanntes „Bombenloch“. Nach Angaben des Planetariums, die über soziale Medien geteilt wurden, handelt es sich um einen Schaden, der direkt auf die Angriffe im März 1945 zurückzuführen ist. Nach Kriegsende hatten Mitarbeiter die beschädigte Stelle von innen notdürftig verschalt, bevor sie bei späteren Modernisierungen unter Dämmmaterial verschwand.
Der 19. März 1945: Glück im Unglück
Die Geschichte hinter dem Loch ist dramatisch und zeugt von großem Glück. Am 19. März 1945, kurz vor Kriegsende, war Jena schweren Luftangriffen ausgesetzt. Eine Brandbombe durchschlug an diesem Tag das Dach der Kuppel und landete im Inneren des Gebäudes. Wäre sie explodiert, wäre das architektonische Wahrzeichen Jenas vermutlich schwer beschädigt oder zerstört worden. Doch der Zündmechanismus versagte.
Das Gebäude blieb in seiner Substanz erhalten, und der Betrieb konnte – nach einer nur kurzen Unterbrechung für Reparaturen – fortgesetzt werden. Dass heute überhaupt noch Sterne unter der historischen Kuppel projiziert werden können, ist auch diesem glücklichen Umstand zu verdanken.
Ein Phänomen, das nur der Schnee zeigt
Besonders faszinierend ist ein Detail, das die Mitarbeiter des Planetariums in diesem Zusammenhang erläuterten: Das Bombenloch ist zwar von innen verkleidet und lange Zeit unsichtbar gewesen, doch von außen gibt es Momente, in denen sich die Geschichte kurzzeitig offenbart.
Wenn Schnee auf der Kuppel liegt, zeichnet sich die Kontur der einstigen Einschlagstelle ab. Durch die unterschiedliche thermische Leitfähigkeit oder die leichte Vertiefung bleibt der Schnee dort anders haften oder schmilzt anders ab. Das Planetarium selbst bezeichnet dies poetisch als „einen flüchtigen Abdruck der Geschichte“. Es ist ein Detail, das vielen Spaziergängern im Paradies-Park oder im Damenviertel vermutlich noch nie aufgefallen ist, nun aber mit ganz anderen Augen betrachtet werden dürfte.
Bedeutung für die Stadtgeschichte
Der Fund ordnet sich in die bewegte Geschichte der Lichtstadt Jena ein. Während weite teile der Innenstadt 1945 in Schutt und Asche gelegt wurden, blieben einige markante Gebäude wie das Planetarium weitestgehend verschont. Die Wiederentdeckung solcher Schäden bei Sanierungen mahnt an die Zerstörungskraft des Krieges, zeigt aber auch den Pragmatismus der Nachkriegsjahre, in denen Schäden mit einfachen Mitteln – wie Brettern – behoben wurden, um den Kulturbetrieb schnellstmöglich wieder aufzunehmen.
Ob und wie die Stelle nach Abschluss der aktuellen Arbeiten sichtbar bleiben wird oder ob sie erneut unter moderner Technik verschwindet, ist Teil der laufenden baulichen Maßnahmen. Sicher ist jedoch: Die Geschichte des Zeiss-Planetariums ist um ein greifbares Kapitel reicher geworden.
Wir halten Sie über den Fortgang der Bauarbeiten und weitere spannende Entdeckungen in Jena auf dem Laufenden.
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