Ansturm in Isserstedt: Zeiss informiert über Baufortschritt des milliardenschweren High-Tech-Campus

Die Planungen für den neuen, gigantischen Zeiss-Campus im Westen Jenas schreiten voran, und das öffentliche Interesse ist entsprechend hoch. Am oder kurz vor dem 29. Januar 2025 fand in Jena-Isserstedt eine zentrale Informationsveranstaltung statt, die einen regelrechten Ansturm erlebte. Anwohner und interessierte Bürger füllten die Räumlichkeiten bis auf den letzten Platz, um direkt von Vertretern des Optikriesen und der Stadtverwaltung Details zum Bauvorhaben zu erfahren.

Das ‚volle Haus‘ bei der Versammlung unterstreicht die enorme Bedeutung des Projekts für die gesamte Region, aber auch die konkreten Sorgen der umliegenden Stadtteile. Im Zentrum der Diskussion standen weniger die technologischen Details des Campus selbst, sondern vielmehr die drängenden Fragen der lokalen Infrastruktur und der erwarteten Beeinträchtigungen durch das Milliardenprojekt.

Hintergrund: Der größte Bau der Zeiss-Geschichte in Jena

Das Vorhaben in Jena-Isserstedt, oft als ‚Science Hub‘ bezeichnet, markiert die größte Einzelinvestition in der über 175-jährigen Geschichte von Carl Zeiss in der Lichtstadt. Ziel ist die Bündelung der über Jena verteilten Geschäftsbereiche, Forschung und Entwicklung an einem zentralen, hochmodernen Standort, um die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern. Der gewählte Standort nahe der Autobahn A4 und im Technologiekorridor Göschwitz ist strategisch optimal für die logistische Anbindung des global agierenden Unternehmens, stellt jedoch die Stadtplaner vor immense Herausforderungen.

Seit der ersten Bekanntgabe ist klar, dass der Neubau zehntausende Quadratmeter Büro- und Laborfläche umfassen und letztlich Tausende von Mitarbeitern anziehen wird. Für Jena bedeutet dies eine nachhaltige Stärkung als Hochtechnologiestandort. Gleichzeitig wissen die Anwohner von Isserstedt und den benachbarten Ortsteilen, dass ein Projekt dieser Größenordnung unweigerlich massive temporäre und permanente Veränderungen mit sich bringt.

Hauptsorge Verkehr: Wie Isserstedt entlastet werden soll

Die größte Besorgnis der Bürger bei der Informationsveranstaltung drehte sich erwartungsgemäß um das Thema Verkehr. Mit der Ansiedlung von bis zu 2.500 Mitarbeitern in der ersten Phase und der enormen Logistik während der jahrelangen Bauzeit befürchten die Anwohner eine Überlastung der Zufahrtsstraßen, insbesondere der B7 und der lokalen Verbindungswege, die Isserstedt durchqueren. Fragen nach dem Lkw-Aufkommen, dem Management des Pendlerverkehrs und der Parkplatzsituation dominierten die Fragerunde.

Vertreter der Zeiss-Bauleitung präsentierten die geplanten Maßnahmen, darunter die genaue Koordination der Anlieferzeiten und die Bevorzugung von Verkehrswegen abseits der Wohngebiete, wo immer dies möglich ist. Auch die Stadtplanung stellte dar, wie der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) und die Schaffung neuer Fahrradwege die Zahl der Pkw-Fahrten minimieren sollen. Dennoch blieb bei vielen Bürgern die Skepsis, ob diese Entlastungsmaßnahmen ausreichen werden, um einen Verkehrskollaps während der Hauptverkehrszeiten zu verhindern.

Lärmschutz und Infrastrukturelle Anpassungen

Neben dem Verkehr spielten auch Lärmschutz und Umweltaspekte eine Rolle. Die Planer versicherten, dass hohe Standards beim Schallschutz während und nach der Bauphase eingehalten würden. Der Bau ist komplex, da er in einem ökologisch sensiblen Umfeld stattfindet. Die Anwesenheit von Hunderten Bürgern zeigte, dass die Akzeptanz des Projekts maßgeblich davon abhängen wird, wie transparent und wirksam Zeiss und die Stadt die Beeinträchtigungen managen. Die Anwohner fordern regelmäßige Updates und schnelle Reaktionswege bei auftretenden Problemen.

Ausblick: Die Nagelprobe steht bevor

Die erfolgreiche Informationsveranstaltung signalisiert den Start in die heiße Phase der Umsetzung. Während die wirtschaftliche Bedeutung des neuen Zeiss-Campus für Jena unbestritten ist, hat die Versammlung klar aufgezeigt, dass die lokalen Herausforderungen und die Integration in die bestehenden Strukturen der Stadtteile nun im Vordergrund stehen müssen. Die versprochenen Infrastrukturmaßnahmen und die Einhaltung der Lärmschutzvorgaben werden in den kommenden Jahren die Nagelprobe für das größte Bauprojekt der jüngeren Jenaer Geschichte sein.