Jena, 18. März 2026. Hohe Mieten und ein extrem knapper Wohnungsmarkt setzen die Universitätsstadt zunehmend unter Druck. Um Bauvorhaben künftig deutlich schneller genehmigen und umsetzen zu können, macht die Stadtverwaltung nun weitreichenden Gebrauch vom sogenannten „Bauturbo“.
- Das Thema: Einsatz des „Bauturbos“ zur Beschleunigung von Bauvorhaben in Jena
- Die Ausgangslage: Nur 1,8 Prozent Leerstand auf dem Jenaer Wohnungsmarkt; Mietpreise bei Neubauten oft bei 15 Euro pro Quadratmeter
- Die Maßnahme: Nutzung der Baugesetzbuch-Änderung (Oktober 2025) zum Bürokratieabbau
- Verantwortlich: Dirk Lange, Dezernent für Stadtentwicklung und Umwelt
Jena kämpft mit dem Titel „München des Ostens“
Jena ist jung, wächst und bleibt als Universitäts- und Technologiestandort hochgradig attraktiv. Doch diese Anziehungskraft hat ihren Preis: Der Wohnungsmarkt ist nahezu leergefegt, die Leerstandsquote liegt bei besorgniserregenden 1,8 Prozent. Das spüren vor allem Bürger, die auf der Suche nach bezahlbarem Wohnraum sind.
Wie Dirk Lange, Jenas Dezernent für Stadtentwicklung und Umwelt, bedauernd feststellt, habe die Stadt schlichtweg zu wenig sozialen Wohnraum. Wer heute baut oder Erstbezug mietet, lande schnell bei Preisen um die 15 Euro pro Quadratmeter. Für Studierende, Familien oder Menschen mit kleinerem und mittlerem Einkommen wird die Luft in der Saalestadt demnach zusehends dünn. Nicht umsonst werde Jena häufig als das „München des Ostens“ bezeichnet – ein Etikett, das die angespannte Lage treffend zusammenfasst.
Der „Bauturbo“ als neues Beschleunigungsinstrument
Um diesem Abwärtstrend beim bezahlbaren Wohnraum etwas entgegenzusetzen, wagt Jena nun einen Vorstoß. Als eine von wenigen Kommunen hat sich die Stadt laut Lange frühzeitig mit dem „Bauturbo“ auseinandergesetzt und nutzt diesen nun intensiv, während andere Städte noch abwarten.
Hintergrund sind die im Oktober 2025 beschlossenen Änderungen am Baugesetzbuch. Dieser vom Bund als „neues und mutiges Instrument“ beworbene Mechanismus erlaubt es den Kommunen, in Gebieten mit stark angespanntem Wohnungsmarkt schneller als bisher Baurecht zu schaffen. Erklärte Ziele des Bauturbos sind die Aushebelung langwieriger Planungsverfahren und die Nachverdichtung bereits bebauter Areale. Für die konkrete Umsetzung hat sich die Stadt Jena nun verbindliche Leitlinien gegeben, nach denen neue Bauvorhaben bewertet und zügiger genehmigt werden können.
Hintergrund: Wohnungsbau und Topografie in Jena
Die angespannte Wohnraumsituation in Jena ist maßgeblich durch die geografische Lage bedingt. Eingebettet in das tief eingeschnittene Saaletal und flankiert von den Muschelkalkhängen, sind die natürlichen Ausdehnungsmöglichkeiten der Stadt streng limitiert. Um den massiven Bevölkerungszuwachs der florierenden Optik- und Glasindustrie im 20. Jahrhundert abzufangen, wurden in den 1960er und 70er Jahren Großwohnsiedlungen wie Lobeda und Winzerla hochgezogen.
Heute, da die Stadt kaum noch neue Flächen an den Rändern erschließen kann, konzentriert sich die Stadtentwicklung primär auf die sogenannte Nachverdichtung. Darunter versteht man das Bebauen von Baulücken, das Aufstocken bestehender Gebäude oder die Umwandlung ehemaliger Gewerbebrachen. Gerade für solche oft komplexen innerstädtischen Projekte soll der „Bauturbo“ den planungsrechtlichen Weg erleichtern.
Quelle:
So setzen Kommunen den Bauturbo konkret um
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