Vogelgrippe in der Antarktis: Jenaer Forscher in Sorge um Pinguine

Das Wichtigste in Kürze

  • Entdeckung: Team der Friedrich-Schiller-Universität Jena weist H5N1 auf King George Island nach.
  • Betroffene Tiere: Hauptsächlich Raubmöwen (Skuas), aber auch Riesensturmvögel.
  • Gefahr: Hohes Risiko für Pinguinkolonien durch enge Sozialstrukturen.
  • Hintergrund: Das Virus breitet sich weiter in südliche Polarregionen aus.

Jena (Thüringen). Es sind Nachrichten, die Naturschützer und Wissenschaftler weltweit aufschrecken lassen – und sie kommen direkt aus Jena. Ein Forschungsteam der Friedrich-Schiller-Universität hat bei aktuellen Untersuchungen in der Antarktis alarmierende Entdeckungen gemacht. Das hochpathogene Vogelgrippevirus H5N1 breitet sich offenbar weiter in einer der letzten fast unberührten Regionen der Erde aus.

Spurensuche im ewigen Eis

Während die Corona-Pandemie für die meisten Menschen mittlerweile Geschichte ist, kämpft die Tierwelt weiterhin mit einer anderen globalen Seuche: der Vogelgrippe. Christina Braun vom Institut für Biodiversität, Ökologie und Evolution der Universität Jena berichtete nun von beunruhigenden Funden auf King George Island, nahe der Nordküste des antarktischen Festlands.

Im Rahmen einer Forschungsreise zu Beginn des Jahres stieß das Team auf insgesamt 52 tote Vögel. „Irgendwas passiert dort“, fasst Braun die Situation vor Ort zusammen. Zwar stünden noch nicht alle Laborergebnisse aus, doch bei den getesteten Tieren wurde das Virus H5N1 eindeutig nachgewiesen. Betroffen waren vor allem Raubmöwen, auch Skuas genannt. Aber auch bei südlichen Riesensturmvögeln und Antarktisseeschwalben wurden Infektionen festgestellt.

Warum Pinguine besonders gefährdet sind

Die Dunkelziffer der verendeten Tiere dürfte weitaus höher liegen. Markus Bernhardt-Römermann, Kollege von Christina Braun an der Universität Jena, weist auf die schwierige Datenlage hin: „Man kann davon ausgehen, dass sehr viel mehr Individuen betroffen sind, als gefunden worden sind.“ Der Grund ist die Nahrungskette vor Ort: Zahlreiche Aasfresser sorgen dafür, dass Tierkadaver oft schnell gefressen oder verschleppt werden, bevor sie von Forschern registriert werden können.

Besondere Sorge bereitet den Jenaer Experten jedoch eine andere Tierart: die Pinguine. Diese Vögel leben bekanntermaßen in riesigen Kolonien, in denen sie dicht gedrängt stehen, um sich gegenseitig vor der extremen Kälte zu schützen. Genau dieses Verhalten könnte ihnen nun zum Verhängnis werden. Da die Ansteckung ähnlich wie bei der menschlichen Grippe über Speichel und Ausscheidungen erfolgt, hätte das Virus in einer Pinguinkolonie leichtes Spiel.

Globale Zusammenhänge und lokale Folgen

Die Ausbreitung des Virus in die Antarktis ist ein relativ neues Phänomen. Erst im Oktober 2023 wurde H5N1 erstmals in dieser Region nachgewiesen. Dass nun Forscher aus Thüringen an vorderster Front die Auswirkungen dokumentieren, unterstreicht die Bedeutung des Wissenschaftsstandorts Jena im Bereich der Biodiversitätsforschung.

Die Wissenschaftler erklären die Verbreitungswege auch mit den Zugvögeln. Viele Arten, die in der Antarktis brüten, überwintern im Norden und können sich dort an den Küsten Südamerikas infizieren. Bernhardt-Römermann vermutet daher, dass die größten Massensterben womöglich gar nicht direkt im tiefen Eis, sondern bereits an den südamerikanischen Küsten stattfinden, wo der Kontakt mit dem Virus wahrscheinlicher ist.

Fazit: Wachsamkeit ist geboten

Die Folgen für das empfindliche Ökosystem der Antarktis sind derzeit „extrem schwer abzuschätzen“, so die Experten. Zwar gäbe es Hinweise darauf, dass einige Raubmöwen bereits eine Immunität entwickelt haben, doch das Risiko, dass lokale Populationen komplett aussterben, bleibt bestehen. Die Arbeit der Jenaer Forscher wird daher in den kommenden Monaten essenziell sein, um die Entwicklung zu überwachen und die Mechanismen der Ausbreitung besser zu verstehen.


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