Das Wichtigste in Kürze
- Entdeckung: Jenaer Forscher weisen Vogelgrippe (H5N1) auf King George Island nach.
- Fund: 52 tote Tiere, vorwiegend Raubmöwen, wurden während einer Expedition entdeckt.
- Gefahr: Experten befürchten ein Übergreifen auf dicht lebende Pinguin-Kolonien.
- Institution: Institut für Biodiversität, Ökologie und Evolution der Uni Jena.
Jena / King George Island (08.02.2026) – Während in Jena der Alltag seinen Lauf nimmt, erreichen uns besorgniserregende Nachrichten aus einer der entlegensten Regionen der Welt. Ein Team der Friedrich-Schiller-Universität Jena hat im ewigen Eis Beobachtungen gemacht, die Biologen und Tierschützer weltweit alarmieren. Das hochpathogene Vogelgrippevirus H5N1 breitet sich nun auch in der Antarktis aus.
Jenaer Expedition stößt auf tote Raubmöwen
Die Idylle der Antarktis trügt. Bei einer Forschungsreise zu Beginn dieses Jahres machten Wissenschaftler der Universität Jena eine grausige Entdeckung. Auf King George Island, gelegen nahe der Nordküste des antarktischen Festlands, stieß das Team auf zahlreiche Tierkadaver. Insgesamt 52 tote Vögel wurden registriert. Wie Christina Braun vom Institut für Biodiversität, Ökologie und Evolution der Friedrich-Schiller-Universität berichtet, handelt es sich dabei vorwiegend um Skuas, also Raubmöwen. Aber auch südliche Riesensturmvögel und Antarktisseeschwalben waren unter den Funden.
Laboruntersuchungen bestätigten den Verdacht: Das Vogelgrippevirus H5N1 ist die Ursache. Zwar war das Virus bereits im Oktober 2023 erstmals in der weiteren antarktischen Region nachgewiesen worden, doch die aktuellen Erkenntnisse der Jenaer Forscher deuten auf eine dynamische Ausbreitung hin. „Irgendwas passiert dort“, fasst Braun die unübersichtliche Lage zusammen. Die Dunkelziffer dürfte zudem deutlich höher liegen.
Hohe Dunkelziffer und Gefahr für das Ökosystem
Markus Bernhardt-Römermann, Kollege von Christina Braun an der Universität Jena, warnt davor, die Situation zu unterschätzen. „Man kann davon ausgehen, dass sehr viel mehr Individuen betroffen sind, als gefunden worden sind“, so der Experte. Das raue Ökosystem der Antarktis sorgt dafür, dass Beweise schnell verschwinden: Zahlreiche Aasfresser in der Region beseitigen Kadaver oft innerhalb kurzer Zeit oder zerren sie weg, was eine genaue Zählung der Opfer fast unmöglich macht.
Besonders kritisch sehen die Jenaer Wissenschaftler die Rolle der Raubmöwen. Einige dieser Tiere scheinen bereits eine Immunität aufgebaut zu haben, was bedeutet, dass sie das Virus überleben und weitertragen können, ohne selbst sofort zu sterben. Dies macht sie zu effektiven Vektoren für die Krankheit in einem Gebiet, das bisher als weitgehend isoliert von solchen Erregern galt.
Bedrohung für Pinguine: „Lokal aussterben“
Die größte Sorge der Forscher gilt jedoch den Ikonen der Antarktis: den Pinguinen. Diese Tiere leben und brüten bekanntermaßen in riesigen Kolonien, dicht an dicht gedrängt, um sich vor der extremen Kälte zu schützen. Was für den Wärmehaushalt überlebenswichtig ist, könnte im Falle einer Epidemie zum Verhängnis werden. Da die Ansteckung ähnlich wie bei der menschlichen Grippe über Tröpfcheninfektion und Speichel erfolgt, hätte das Virus in einer Pinguinkolonie leichtes Spiel.
„Es kann sein, dass es durchschlägt und eine Population lokal ausstirbt“, zeichnet Bernhardt-Römermann ein düsteres Szenario. Da nur etwa zwei Prozent der Fläche in der Antarktis eisfrei sind, konzentrieren sich viele Vogelarten auf denselben begrenzten Raum. Dieser Platzmangel erhöht den Infektionsdruck massiv.
Wie das Virus in den Süden kam
Die Experten gehen davon aus, dass Zugvögel das Virus aus dem Norden eingeschleppt haben. Viele Arten überwintern in nördlichen Gefilden, wo sie mit dem Erreger in Kontakt kommen, und tragen ihn dann zurück in den Süden. Bernhardt-Römermann vermutet, dass die größten Sterbeereignisse wahrscheinlich eher an den Küsten Südamerikas stattfinden, wo die Vögel auf ihrem Weg rasten. Dennoch zeigt der Nachweis auf King George Island, dass auch die abgelegensten Orte nicht vor globalen Tierseuchen sicher sind.
Die Arbeit der Jenaer Forscher ist in diesem Zusammenhang essenziell, um die Ausbreitungswege zu verstehen und die internationalen Schutzbemühungen für die antarktische Fauna mit Daten zu untermauern.
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