Vogelgrippe in der Antarktis: Jenaer Forscher warnen vor Ausbreitung

Das Wichtigste in Kürze:

  • Entdeckung: Ein Forschungsteam der Universität Jena hat das Vogelgrippevirus H5N1 auf King George Island (Antarktis) nachgewiesen.
  • Betroffene Tiere: Es wurden 52 tote Tiere gefunden, hauptsächlich Raubmöwen (Skuas), aber auch Riesensturmvögel.
  • Die Gefahr: Experten befürchten ein Übergreifen auf Pinguin-Kolonien, was verheerende Folgen haben könnte.
  • Hintergrund: Die Übertragung erfolgt ähnlich wie bei der menschlichen Grippe über Tröpfcheninfektion oder Aasfresser.

Jena. Während in Thüringen der Alltag seinen Lauf nimmt, richten Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena ihren besorgten Blick ans andere Ende der Welt. Ein Team des Instituts für Biodiversität, Ökologie und Evolution ist mit alarmierenden Erkenntnissen von einer Forschungsreise aus der Antarktis zurückgekehrt. Das Thema, das die Experten umtreibt, ist ein alter Bekannter, der nun neues Terrain erobert: die Vogelgrippe.

Spurensuche im ewigen Eis

Die unberührte Natur der Antarktis gilt oft als letztes Rückzugsgebiet für viele Arten, doch Viren machen vor geografischen Grenzen keinen Halt. Wie Christina Braun von der Universität Jena berichtet, wurde auf King George Island nahe der Nordküste des antarktischen Festlands das hochpathogene Vogelgrippevirus H5N1 nachgewiesen. Bereits im Oktober 2023 gab es erste Hinweise in der Region, doch die aktuellen Beobachtungen der Jenaer Biologen bestätigen eine besorgniserregende Entwicklung.

Während ihrer Expedition stießen die Forscher auf insgesamt 52 verendete Tiere. „Irgendwas passiert dort“, fasst Braun die Situation vor Ort zusammen. Unter den toten Vögeln befanden sich vor allem Skuas – also Raubmöwen –, aber auch südliche Riesensturmvögel und Antarktisseeschwalben. Zwar stehen noch nicht für alle Kadaver die endgültigen Laborergebnisse aus, doch die hohe Sterblichkeit ist für die Wissenschaftler ein deutliches Indiz für das Wüten des Virus.

Ein unsichtbarer Feind für Pinguine

Die Dunkelziffer der verendeten Tiere dürfte weitaus höher liegen, als es die Funde vermuten lassen. Markus Bernhardt-Römermann, Kollege von Braun an der Universität Jena, weist auf die Nahrungskette im Ökosystem hin: Viele Aasfresser beseitigen Kadaver oft sehr schnell, bevor diese von Forschern registriert oder beprobt werden können. Diese Aasfresser wiederum können sich beim Fressen der infizierten Tiere selbst anstecken, was die Verbreitung des Virus beschleunigt.

Besonders groß ist die Sorge um die symbolträchtigsten Bewohner der Antarktis: die Pinguine. Diese Tiere leben und brüten in riesigen Kolonien, in denen sie oft dicht gedrängt stehen, um sich gegenseitig vor der extremen Kälte zu schützen. Was für den Wärmehaushalt überlebenswichtig ist, könnte im Falle eines Ausbruchs zum Verhängnis werden. Da die Ansteckung ähnlich wie beim Menschen über Speichel und Tröpfcheninfektion erfolgt, hätte das Virus in einer solch dichten Population leichtes Spiel.

Globale Zusammenhänge verstehen

Die Erkenntnisse der Jenaer Forscher verdeutlichen, wie vernetzt globale Ökosysteme sind. Da nur etwa zwei Prozent der antarktischen Fläche eisfrei sind, konzentriert sich das Leben der Vögel auf relativ begrenztem Raum. Viele der dortigen Arten sind Zugvögel, die in nördlicheren Gefilden überwintern – etwa an den südamerikanischen Küsten. Dort ist die Wahrscheinlichkeit, mit dem H5N1-Virus in Kontakt zu kommen, deutlich höher.

Obwohl einige Raubmöwen bereits eine Immunität gegen das Virus entwickelt zu haben scheinen, warnen die Experten vor Optimismus. „Es kann auch sein, dass es durchschlägt und eine Population lokal ausstirbt“, so die düstere Prognose von Bernhardt-Römermann. Die Arbeit der Jenaer Universität leistet hier einen wichtigen Beitrag, um diese Dynamiken zu verstehen und die weltweite Ausbreitung von Tierseuchen zu überwachen.

Die Universität Jena unterstreicht mit diesem Projekt erneut ihre Bedeutung als Standort für internationale Biodiversitätsforschung, auch wenn die Nachrichten, die aus dem ewigen Eis kommen, diesmal Anlass zur Sorge geben.


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