Uniklinikum Jena startet Langzeitstudie: Früherkennung von ADHS und LRS bei Vorschulkindern

Das Wichtigste in Kürze:

  • Wer: Universitätsklinikum Jena (UKJ) und Uniklinik Magdeburg.
  • Was: Langzeitstudie zur Früherkennung von ADHS und LRS.
  • Zielgruppe: Vorschulkinder vor dem Schuleintritt.
  • Ziel: Identifikation von Vorzeichen für Entwicklungsstörungen, bevor schulische Probleme entstehen.

Jena. Der Schuleintritt ist für jedes Kind ein großer Schritt. Doch für einige Schüler verwandelt sich die Vorfreude schnell in Frust, wenn Buchstaben einfach keinen Sinn ergeben wollen oder das Stillsitzen zur Qual wird. ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) und LRS (Lese-Rechtschreib-Schwäche) gehören zu den häufigsten Entwicklungsstörungen im Kindesalter. Das Problem bisher: Meist werden sie erst diagnostiziert, wenn das Kind in der Schule bereits gescheitert ist oder unter massivem Leidensdruck steht. Eine neue, groß angelegte Studie in Thüringen und Sachsen-Anhalt will diesen Kreislauf nun durchbrechen.

Forschungsprojekt in Jena und Magdeburg

Die Universitätskliniken in Jena und Magdeburg haben am heutigen Montag den Startschuss für eine umfassende Langzeitstudie gegeben. Das Ziel der Wissenschaftler ist ambitioniert: Sie wollen herausfinden, ob sich ADHS und LRS bereits im Vorschulalter verlässlich vorhersagen lassen. Bislang fehlen oft klare Indikatoren, um betroffene Kinder sicher zu identifizieren, bevor sie die ersten Hürden im Klassenzimmer nehmen müssen.

Für die Studie suchen die Kliniken nun aktiv nach Teilnehmern. Angesprochen sind Eltern von Vorschulkindern. Durch gezielte Tests und Beobachtungen wollen die Forscher Daten sammeln, die Aufschluss darüber geben, welche frühen Entwicklungsmerkmale mit späteren Lern- oder Konzentrationsschwierigkeiten korrelieren. Jena positioniert sich damit erneut als wichtiger Standort für kinder- und jugendpsychiatrische Forschung in Mitteldeutschland.

Warum die Früherkennung so wichtig ist

Die Bedeutung dieser Forschung kann kaum überschätzt werden. Kinder, die unerkannt an einer Lese-Rechtschreib-Schwäche oder einer Aufmerksamkeitsstörung leiden, entwickeln oft sekundäre psychische Probleme. Dazu gehören Schulangst, ein vermindertes Selbstwertgefühl und soziale Isolation. Wenn Eltern und Lehrer das Verhalten des Kindes als „Faulheit“ oder „Störenfried“ missinterpretieren, beginnt oft ein langer Leidensweg für die gesamte Familie.

Würde es gelingen, Risikokinder bereits im Kindergartenalter zu erkennen, könnten Fördermaßnahmen greifen, noch bevor das Kind den ersten Diktatblock aufschlägt. Spielerische Trainings zur phonologischen Bewusstheit oder Konzentrationsübungen könnten präventiv wirken und den Start in die Schullaufbahn deutlich erleichtern.

Hintergrund: ADHS und LRS

Sowohl ADHS als auch LRS sind neurobiologisch verankerte Störungen, die nichts mit mangelnder Intelligenz zu tun haben.

  • LRS: Betroffene haben massive Probleme, gesprochene Sprache in Schrift umzusetzen und umgekehrt. Das Lesen ist stockend, das Schreiben fehlerhaft. In Jena gibt es zwar spezialisierte Förderangebote, doch der Weg zur Diagnose ist oft langwierig.
  • ADHS: Diese Störung ist gekennzeichnet durch die Trias aus Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität. Sie betrifft nicht nur den Schulunterricht, sondern das gesamte soziale Gefüge des Kindes.

Die Studie der Unikliniken setzt genau hier an: Statt Symptome zu verwalten, sollen Ursachen und frühe Warnsignale erforscht werden. Eltern in Jena und Umgebung, die Interesse an einer Teilnahme haben, können sich direkt an das Universitätsklinikum wenden, um ihren Beitrag zur Wissenschaft zu leisten und gleichzeitig die Entwicklung ihres Kindes professionell begleiten zu lassen.

Fazit

Mit dieser Langzeitstudie leisten Jena und Magdeburg Pionierarbeit. Gelingt die Früherkennung, könnte dies das Schulsystem und die pädagogische Arbeit in Kitas langfristig verändern – weg von der Defizitorientierung hin zur präventiven Stärkung der Kinder.


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