Das Wichtigste in Kürze
- Wer: Interdisziplinäres Team der Friedrich-Schiller-Universität Jena.
- Wo: Saale-Elster-Sandsteinplatte-Observatorium (südlich von Jena).
- Was: Untersuchung der Filterwirkung von Waldbodenpflanzen.
- Ergebnis: Moose verhindern effektiv, dass überschüssiger Stickstoff ins Grundwasser gelangt.
Jena (09.02.2026) – Wer durch die Wälder rund um Jena spaziert, genießt meist das Rauschen der Blätter und die majestätischen Baumwipfel. Doch die wahre Arbeit für ein gesundes Ökosystem und sauberes Wasser findet oft unbemerkt eine Etage tiefer statt. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena lenken mit neuen Forschungsergebnissen den Blick nun auf den Waldboden – und liefern überzeugende Argumente, warum wir Moosen mehr Beachtung schenken sollten.
Kleine Pflanzen, große Wirkung
Stickstoff ist ein zweischneidiges Schwert: Für das Wachstum von Pflanzen ist er unverzichtbar, doch ein Überschuss kann gravierende Folgen für die Umwelt haben. Gelangt zu viel Stickstoff durch den Boden in tiefere Erdschichten, droht eine Belastung des Grundwassers und angrenzender Gewässer. Genau hier setzt die aktuelle Studie der Jenaer Forschenden an.
Das Team fand heraus, dass die unscheinbare Kraut- und Moosschicht eines Waldes als leistungsfähiger Wächter fungiert. An 93 Messpunkten in verschiedenen Waldtypen – von Buchen- über Fichten- bis hin zu Kiefernwäldern – wurden Sensoren installiert. Diese zeichneten über ein ganzes Jahr hinweg auf, welche Nährstoffe durch die oberste Bodenschicht sickerten. Das Ergebnis ist eindeutig: Dort, wo der Waldboden dicht bewachsen ist, gelangt signifikant weniger Stickstoff in den Untergrund.
Das Labor vor der Haustür: Forschung auf der Saale-Elster-Platte
Für ihre Erhebungen nutzten die Wissenschaftler das sogenannte Saale-Elster-Sandsteinplatte-Observatorium südlich von Jena. Diese Region bietet ideale Bedingungen, um verschiedene Waldtypen unter realen Bedingungen zu vergleichen. Dabei kristallisierten sich Moose als besonders effektive „Stickstofffilter“ heraus. Im Gegensatz zu schnell wachsenden krautigen Pflanzen, die Stickstoff zwar rasch aufnehmen, ihn aber ebenso schnell wieder abgeben, halten Moose die Nährstoffe länger im System fest. Sie verhindern so, dass der Stoff ungenutzt versickert und potenziell das Trinkwasser belastet.
Diese Erkenntnis ist besonders relevant für Thüringen, wo der Wald nicht nur Erholungsraum, sondern auch ein wichtiger Faktor für die Wasserwirtschaft ist. Obwohl der Einfluss der Bäume auf Nährstoffkreisläufe bereits gut erforscht ist, galt der Unterwuchs lange als wissenschaftliches Randgebiet – zu Unrecht, wie sich nun zeigt.
Neue Impulse für die Forstwirtschaft
Die Studie der Universität Jena ist mehr als nur reine Grundlagenforschung; sie liefert konkrete Handlungsansätze für eine moderne, nachhaltige Forstwirtschaft. Die Ergebnisse legen nahe, dass bei der Pflege und Bewirtschaftung von Wäldern künftig stärker auf die Erhaltung und Förderung der Bodenvegetation geachtet werden sollte.
„Es lohnt sich, häufiger nach unten zu schauen“, so das Fazit aus der Universität. Wenn Förster gezielt das Wachstum von Moosen und kleinen Pflanzen fördern, stärken sie die natürliche Filterwirkung des Waldes. Dies könnte bedeuten, dass zukünftige Waldstrategien nicht nur auf den Holzertrag oder die Baumartenwahl fokussieren, sondern das Ökosystem ganzheitlich vom Boden bis zur Krone betrachten müssen.
Für die Naturfreunde in Jena bedeutet das: Beim nächsten Waldspaziergang im Mühltal oder auf dem Forst vielleicht einmal kurz innehalten und die weichen Moospolster nicht nur als Dekoration, sondern als fleißige Umweltschützer betrachten.
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