Jena/Thüringen (17. Juli 2025) – Es ist ein Albtraum, der für viele Senioren zur bitteren Realität wird, doch die Summe in diesem aktuellen Fall macht sprachlos: Ein Rentner aus Thüringen ist Opfer einer besonders perfiden Betrugsmasche geworden und hat Bargeld in Höhe von 71.000 Euro buchstäblich aus dem Fenster geworfen. Der Fall, der sich am Donnerstag ereignete, zeigt einmal mehr, mit welcher Skrupellosigkeit Kriminelle vorgehen, um an die Ersparnisse älterer Menschen zu gelangen.
Die Masche mit dem Schockmoment
Nach Informationen des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) tappte der Senior in die Falle sogenannter Schockanrufer. Das Vorgehen der Täter ist dabei fast immer identisch und psychologisch perfide durchgeplant: Das Telefon klingelt, und am anderen Ende meldet sich eine weinerliche Stimme oder ein vermeintlicher Polizeibeamter. Dem Opfer wird suggeriert, dass ein naher Angehöriger – oft die Tochter oder der Enkel – einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht habe. Um eine sofortige Untersuchungshaft zu abzuwenden, sei die Zahlung einer hohen Kautionssumme nötig.
Im aktuellen Fall bauten die Betrüger offenbar einen so immensen psychischen Druck auf, dass der Rentner keinen anderen Ausweg sah, als sein Vermögen zu opfern. Die Anweisung der Täter, das Geld aus dem Fenster zu werfen, dient dabei meist dazu, einen direkten Sichtkontakt an der Wohnungstür zu vermeiden und eine schnelle Flucht der Abholer zu ermöglichen. Dass tatsächlich 71.000 Euro – eine Summe, für die viele Menschen jahrzehntelang arbeiten müssen – in einem Beutel oder Umschlag im Nichts verschwanden, macht die Tragweite dieses Verbrechens deutlich.
Polizei warnt: Jena und Umland im Visier
Auch wenn der genaue Tatort aus Opferschutzgründen oft vage gehalten wird, ist bekannt, dass solche Wellen von Schockanrufen regelmäßig über Jena und das Saale-Holzland schwappen. Die Landespolizeiinspektion Jena warnt immer wieder eindringlich vor diesen Anrufen. Die Täter agieren oft aus Callcentern im Ausland, während vor Ort Komplizen als „Läufer“ eingesetzt werden, um die Beute einzusammeln.
„Die Täter spielen gezielt mit der Angst und der Hilfsbereitschaft der Senioren“, erklären Kriminalisten immer wieder. Oft werden technische Tricks genutzt (Call-ID-Spoofing), sodass im Display tatsächlich die Nummer 110 oder die einer lokalen Behörde erscheint. Dies wiegt die Opfer in falscher Sicherheit.
Wie Sie sich und Angehörige schützen
Angesichts dieses dramatischen Verlustes appellieren Sicherheitsbehörden an jüngere Familienmitglieder, ihre Eltern und Großeltern zu sensibilisieren. Vereinbaren Sie familiäre Codewörter oder sprechen Sie offen über Vermögenswerte, um solche Taten zu verhindern. Die Polizei gibt folgende Ratschläge:
- Seien Sie misstrauisch: Die Polizei fordert niemals Bargeld, Schmuck oder Überweisungen am Telefon.
- Auflegen ist nicht unhöflich: Wenn Sie unter Druck gesetzt werden, legen Sie sofort auf. Wählen Sie selbst die 110 (ohne Wahlwiederholungstaste).
- Rückversicherung: Rufen Sie den angeblich betroffenen Angehörigen unter der Ihnen bekannten Nummer an.
- Keine Wurfsendungen: Werfen Sie niemals Geld oder Wertsachen aus dem Fenster und übergeben Sie nichts an Unbekannte an der Haustür.
Der aktuelle Fall aus Thüringen dient als trauriges Mahnmal. Für den betroffenen Rentner ist der finanzielle Schaden immens, doch auch der seelische Schmerz, auf eine solche Lüge hereingefallen zu sein, wiegt oft schwer. Die Ermittlungen laufen, doch die Aufklärungsquote bei diesen international organisierten Banden ist oft schwierig.