- Ort: Jena, Lobeda-Ost (REWE-Markt)
- Maßnahme: Einführung der „Stillen Stunde“
- Änderungen: Verzicht auf Musik, gedimmtes Licht, keine Durchsagen
- Zielgruppe: Menschen mit Autismus, ADHS, Hochsensibilität und Senioren
Jena. Der Wocheneinkauf gehört für die meisten Menschen zur Routine, doch für manche ist er eine enorme psychische Belastung. Grelles Neonlicht, ständige Musikbeschallung, piepende Kassen und Lautsprecherdurchsagen erzeugen einen Geräuschpegel, der schnell zur Reizüberflutung führen kann. In Jena-Lobeda steuert nun erstmals ein Einzelhändler gegen diesen Trend: Ein Supermarkt testet das Konzept der „Stillen Stunde“, um eine inklusivere Einkaufsumgebung zu schaffen.
Ruheoase statt Reizüberflutung in Lobeda-Ost
Der REWE-Markt in Lobeda-Ost ist der Vorreiter in der Saalestadt. Während moderne Supermarkt-Konzepte oft darauf ausgelegt sind, durch Musik und Beleuchtung Kaufanreize zu schaffen, geht man hier nun zeitweise den entgegengesetzten Weg. In der „Stillen Stunde“ werden die sensorischen Reize im Markt bewusst reduziert.
Das bedeutet konkret: Das Radio bleibt aus, die Beleuchtung wird – wo technisch möglich – gedimmt, und auf unnötige Durchsagen wird verzichtet. Auch das Personal ist in dieser Zeit besonders sensibilisiert, um eine ruhige Atmosphäre zu gewährleisten. Ziel ist es, den Stressfaktor beim Einkaufen massiv zu senken. Für Kunden bedeutet dies, dass sie ihre Besorgungen in einer Umgebung erledigen können, die nicht von ständiger akustischer und visueller Unruhe geprägt ist.
Hintergrund: Warum Stille notwendig ist
Was für den Durchschnittskunden vielleicht nur als „angenehm ruhig“ empfunden wird, ist für andere eine Notwendigkeit zur gesellschaftlichen Teilhabe. Menschen im Autismus-Spektrum, Personen mit ADHS oder Hochsensibilität (HSP) verfügen oft über eine andere Reizverarbeitung. Filtermechanismen im Gehirn, die unwichtige Hintergrundgeräusche ausblenden, funktionieren bei ihnen anders oder gar nicht.
Ein gewöhnlicher Supermarktbesuch kann so schnell zu einer physischen und psychischen Überlastung führen, die in Panikattacken oder völliger Erschöpfung endet (sogenannte „Meltdowns“). Auch für Menschen mit Migräne, Epilepsie oder für Senioren, die sich im hektischen Treiben unwohl fühlen, bietet das reizreduzierte Einkaufen eine erhebliche Erleichterung. Das Konzept stammt ursprünglich aus Neuseeland und hat sich über Großbritannien mittlerweile auch in Deutschland verbreitet.
Jena als Vorreiter für inklusives Stadtleben
Die Einführung im stationären Einzelhandel ist ein Novum für Jena, doch das Konzept an sich ist in der Lichtstadt nicht unbekannt. Die Stadtverwaltung und lokale Akteure haben bereits in der Vergangenheit Sensibilität für das Thema bewiesen. So gab es bereits auf dem Jenaer Altstadtfest sowie auf dem Weihnachtsmarkt ähnliche Phasen der Reizreduzierung.
Dass nun die Privatwirtschaft in Form des Marktes in Lobeda nachzieht, ist ein wichtiges Signal. Es zeigt, dass Inklusion nicht nur bei städtischen Veranstaltungen, sondern auch im alltäglichen Leben ankommt. Lobeda-Ost, als dichter besiedelter Stadtteil mit einer heterogenen Bevölkerungsstruktur, eignet sich ideal für diesen Vorstoß. Wenn das Angebot gut angenommen wird, könnten andere Filialen und Ketten im Stadtgebiet dem Beispiel folgen.
Fazit
Die „Stille Stunde“ ist mehr als nur eine Zeit ohne Musik. Sie ist ein Zeichen der Rücksichtnahme in einer immer lauter werdenden Welt. Für die Betroffenen bedeutet sie ein Stück mehr Selbstständigkeit und Lebensqualität mitten in Jena.
Quellen:
Original
Transparenz-Hinweis: Dieser Artikel wurde automatisiert erstellt, redaktionell geprüft und mit KI-Unterstützung erweitert.