Schulamt stoppt freie Schulwahl in Jena: Wohnort künftig wichtiger als pädagogisches Konzept

Jena, 31. März 2026. Das Staatliche Schulamt Ostthüringen hat das bisherige Aufnahmeverfahren mit freier Schulwahl in Jena gestoppt. Künftig soll die Vergabe von Schulplätzen stärker nach dem Wohnort erfolgen, was bei Eltern und Stadtpolitikern für große Besorgnis sorgt.

  • Betroffen: Zukünftige Schulanmeldungen in Jena
  • Maßnahme: Aufhebung der Allgemeinverfügung von 2023 zur freien Schulwahl
  • Neues Kriterium: Vergabe der Schulplätze primär nach Wohnort statt nach pädagogischem Konzept
  • Frist: Neue Regelung muss bis spätestens Mai 2026 für das Schuljahr 2027/28 stehen

Ende der konzeptbasierten Platzvergabe

Bislang existierten in Jena keine festen Schulbezirke. Eine Allgemeinverfügung aus dem Jahr 2023 ermöglichte es, Schulplätze gezielt nach dem Profil und dem pädagogischen Konzept der Einrichtungen zu vergeben. Diese Regelung wurde nun vom Schulamt mit Verweis auf einzelne Gerichtsentscheidungen aufgehoben. Damit droht eine Rückkehr zur klassischen Vergabe nach dem Wohnortprinzip, die nach Ansicht der Stadtverwaltung nicht zur Jenaer Schullandschaft passt.

Kritik von Eltern und Stadtpolitik

Die Entscheidung stößt in Jena auf breiten Widerstand. Bildungsdezernent Johannes Schleußner (SPD) warnt, dass damit ein wichtiger Standortfaktor verloren gehen könnte, da die Schulen bisher das Lernen über Stadtteilgrenzen hinweg bewusst gefördert haben. Rosa Maria Haschke (CDU), Vorsitzende des Schulausschusses, betonte zudem, dass das Thüringer Schulgesetz ausdrücklich Ausnahmen zulasse, die Jena bislang erfolgreich genutzt habe.

Auch bei den Familien wächst die Unsicherheit. Berengar Lehr, Schulelternsprecher der Gemeinschaftsschule Wenigenjena, berichtet von besorgten Eltern. Im schlimmsten Fall könnten Geschwisterkinder bei einem Umzug auf verschiedene Schulen verteilt werden oder Schüler an Einrichtungen lernen müssen, deren pädagogisches Konzept nicht zu ihren Bedürfnissen passt.

Zeitdruck bei der Suche nach Alternativen

Die Stadtverwaltung steht nun unter Zugzwang und drängt auf eine schnelle Einigung mit dem Land und dem zuständigen Schulamt. Bereits im Herbst 2024 hatte Jena eine überarbeitete Fassung der Vergaberegeln vorgelegt. Ein diesbezüglicher Brief an Bildungsminister Christian Tischner (CDU) im November 2025 blieb laut Angaben der Stadt unbeantwortet. Bis spätestens Mai muss eine rechtssichere Lösung gefunden werden, um das Aufnahmeverfahren für das kommende Schuljahr abzusichern.

Hintergrund: Die Jenaer Schullandschaft

Jena zeichnet sich thüringenweit durch eine besonders vielfältige Schullandschaft aus. Neben traditionellen Gymnasien und Regelschulen haben sich zahlreiche Gemeinschaftsschulen und Einrichtungen mit alternativen pädagogischen Konzepten (wie Jenaplan oder Montessori) etabliert. Das bisherige System ohne feste Schulbezirke förderte die Durchmischung der Schülerschaft aus verschiedenen Stadtteilen und verhinderte eine Segregation nach reinen Wohnlagen. In vielen anderen Regionen Thüringens ist die strikte Zuweisung nach Wohnort (Schulsprengel) vor allem bei Grundschulen hingegen der Standard.


Quelle:

Schulamt stoppt freie Schulwahl in Jena – Eltern in Sorge


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