Kritik vom Fahrgastverband: Bahnhöfe Paradies und West fallen im Thüringen-Vergleich durch

Jena, 28.02.2026. Während die großen Hauptbahnhöfe in Thüringen laut dem Fahrgastverband Pro Bahn gut aufgestellt sind, fallen die Innenstadtbahnhöfe in Jena im landesweiten Vergleich negativ auf. Besonders fehlende sanitäre Anlagen und ein Mangel an Schließfächern werden kritisiert.

  • Betroffene Standorte: Jena Paradies und Jena West
  • Kritikpunkte: Fehlende Toiletten in den Gebäuden, keine Schließfächer (Westbahnhof), eingeschränkte Gastronomie
  • Positives Beispiel: Jena-Göschwitz (privater Ausbau zu Hotel mit Wartebereich und WC)
  • Hintergrund: Nur noch elf Empfangsgebäude in Thüringen gehören der Bahn-Tochter DB InfraGO.

„Kein der Bedeutung der Stadt angemessenes Bild“

Olaf Behr, Vorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn Thüringen, findet deutliche Worte für die zweitgrößte Stadt des Freistaats. Im Gegensatz zu den Hauptbahnhöfen in Erfurt, Weimar, Gera und Eisenach, die überwiegend intakt, sauber und mit Personal besetzt seien, weisen die Jenaer Stationen erhebliche Defizite auf. „Die Innenstadtbahnhöfe Paradies und West bieten kein der Bedeutung der Stadt angemessenes Bild“, fasst Behr die Situation zusammen.

Konkret bemängelt der Verband das Fehlen von öffentlichen Toiletten in den Bahnhofsgebäuden. Zudem gebe es am Westbahnhof keine Gepäckschließfächer für Reisende. An beiden Standorten seien die Versorgungsmöglichkeiten und Snack-Angebote stark eingeschränkt.

Lichtblick in Jena-Göschwitz

Dass es auch anders gehen kann, zeigt der Bahnhof im Süden der Stadt. Wie Pro Bahn hervorhebt, habe in Jena-Göschwitz eine Privatperson das dortige Empfangsgebäude erworben und erfolgreich revitalisiert. Entstanden ist ein Hotel, das den Reisenden zugleich einen Imbiss, einen Fahrkartenverkauf, einen Warteraum und öffentliche Toiletten bietet.

Dieser Erfolg ist jedoch laut Verband eher die Ausnahme. In der Vergangenheit – insbesondere während der Amtszeit des ehemaligen Bahn-Chefs Hartmut Mehdorn – wurden zahlreiche Empfangsgebäude verkauft. Viele fielen an Spekulanten, es wurde nicht investiert. Das stellt heute bei der Revitalisierung vieler Standorte eine kaum überwindbare Hürde dar.

Forderung nach „Zukunftsbahnhöfen“

Die gemeinwohlorientierte Bahn-Tochter DB InfraGO betreibt in ganz Thüringen aktuell nur noch elf Bahnhofsgebäude mit Empfangsgebäuden, wie Bahn-Sprecher Jörg Bönisch erklärt. Zwar gebe es vom Bund Fördermittel für den Bau von Toilettenanlagen, für den laufenden Betrieb fehle jedoch oft die öffentliche Finanzierung. Gerade an kleineren Standorten sei ein wirtschaftlicher Betrieb schwierig, weshalb man gemeinsam mit Kommunen und Ländern nach tragfähigen Konzepten suche.

Der Fahrgastverband pocht nun auf das bundesweite Konzept „Zukunftsbahnhöfe“. Der Bund als Eigentümer der DB InfraGO müsse klar definieren, welche Standards an welchen Bahnhöfen vorgehalten werden müssen. Nur durch eine grundsätzliche Lösung auf Bundesebene ließe sich die Situation für Reisende und Pendler langfristig verbessern.

Hintergrund: Das Jenaer Bahnhofsnetz

Jena verfügt über keinen klassischen Hauptbahnhof, was historisch durch die Kreuzung zweier unabhängiger Bahnstrecken bedingt ist:

  • Jena Paradies: Gelegen an der Nord-Süd-Achse (Saalebahn) und Haltepunkt für den Fernverkehr. Der alte Bahnhof wurde Anfang der 2000er Jahre abgerissen und durch die heutige, offene Bahnsteigüberdachung ersetzt.
  • Jena West: Wichtiger Knotenpunkt an der Mitte-Deutschland-Verbindung (Ost-West-Achse) in Richtung Erfurt, Weimar und Chemnitz. Das historische Empfangsgebäude wird stark von Ein- und Auspendlern frequentiert.
  • Jena-Göschwitz: Der Turmbahnhof im Süden Jenas verknüpft beide Strecken miteinander und ist der wichtigste Umsteigepunkt der Stadt.

Die strukturelle Aufteilung auf mehrere Bahnhöfe stellt Stadtplanung und Reisende seit jeher vor besondere logistische Herausforderungen, weshalb die Aufenthaltsqualität und Grundversorgung an den einzelnen Standorten von zentraler Bedeutung sind.


Quelle:

Zwischen Zukunftsbahnhof und Sanierungsfall


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