Jena (19.02.) – Es ist eine Nachricht, die auf den ersten Blick für Verwunderung, vielleicht sogar für ein Schmunzeln sorgt, bei genauerer Betrachtung jedoch einen ernsten taktischen Hintergrund offenbart. Wie der MDR berichtet, haben Polizeibeamte im Vorfeld eines Thüringen-Derbys gezielt Fanartikel beider rivalisierender Lager – also sowohl vom FC Carl Zeiss Jena als auch vom FC Rot-Weiß Erfurt – käuflich erworben. Ein Vorgang, der Fragen aufwirft: Verstoßen die Beamten hier gegen das Neutralitätsgebot? Oder steckt eine ausgeklügelte Strategie der Einsatzkräfte dahinter?
Tarnung im Fanblock: Die Arbeit der Szenekundigen Beamten
Wer die Brisanz der Begegnungen zwischen Jena und Erfurt kennt, weiß, dass diese Spiele für die Thüringer Polizei stets einen enormen Kraftakt bedeuten. Das Thüringen-Derby gilt traditionell als Hochrisikospiel. Um die Sicherheit im Stadion und im Umfeld zu gewährleisten, setzt die Polizei nicht nur auf sichtbare Präsenz durch Hundertschaften und Reiterstaffeln, sondern auch auf verdeckte Aufklärung. Hier kommen die sogenannten „Szenekundigen Beamten“ (SKB) ins Spiel.
Obwohl der MDR-Bericht keine operativen Details verrät, ist es in der polizeilichen Praxis durchaus üblich, dass Zivilkräfte versuchen, sich unauffällig in der Nähe der Fanblöcke aufzuhalten, um Stimmungen frühzeitig zu erkennen oder potenzielle Straftäter zu identifizieren. Ein Beamter in voller Uniform würde inmitten der Ultras sofort auffallen und könnte kaum Informationen sammeln. Das Tragen von fanspezifischer Kleidung – sei es ein Schal oder eine Mütze – dient in solchen Szenarien der Tarnung, um im „Graubereich“ des Stadions nicht sofort als Fremdkörper wahrgenommen zu werden.
Sicherheit im Ernst-Abbe-Sportfeld hat Priorität
Die Rivalität zwischen dem FCC und RWE gehört zu den intensivsten im deutschen Fußball. Für die Stadt Jena und die Einsatzleitung bedeutet jedes Aufeinandertreffen eine logistische und sicherheitstechnische Herausforderung. Die strikte Trennung der Fanlager beginnt oft schon bei der Anreise am Bahnhof in Jena-Göschwitz oder im Paradies und zieht sich bis in die Kurven des Stadions. Dass die Polizei dabei auf Ausrüstung beider Vereine zurückgreift, unterstreicht den Anspruch, in beiden Lagern präsent und handlungsfähig zu sein.
- Einsatztaktik: Mischung aus offener Präsenz und verdeckter Aufklärung.
- Ziel: Frühzeitige Identifikation von Gewalttätern und Deeskalation.
- Neutralität: Der Kauf von Artikeln beider Vereine wahrt zumindest symbolisch die Balance.
Ein schmaler Grat
Natürlich birgt das Vorgehen auch Risiken. Sollten Zivilbeamte enttarnt werden, kann die Stimmung in einem ohnehin aufgeheizten Block schnell kippen. Der Erwerb der Fanartikel, der nun öffentlich wurde, zeigt jedoch, wie detailliert sich die Behörden auf diese Großlagen vorbereiten. Es geht nicht um Fanliebe der Beamten, sondern um nüchterne Polizeiarbeit in einem emotional extrem aufgeladenen Umfeld. Für die Fans bleibt zu hoffen, dass bei künftigen Derbys – ob im neuen Ernst-Abbe-Sportfeld oder in Erfurt – vor allem der sportliche Wettkampf im Mittelpunkt steht und taktische Manöver der Polizei im Hintergrund bleiben können.