ÖPNV-Streik legt Jena lahm: OB Nitzsche warnt vor Millionen-Mehrkosten

Jena, 11. März 2026. Die wiederkehrenden Warnstreiks im öffentlichen Personennahverkehr bringen Jena an seine finanziellen und strukturellen Grenzen. Oberbürgermeister Dr. Thomas Nitzsche warnt in einem Schreiben an den Kommunalen Arbeitgeberverband vor den massiven Auswirkungen der aktuellen Gewerkschaftsforderungen auf die Stadt.

  • Was: Auswirkungen der ÖPNV-Warnstreiks (TV-N) in Jena
  • Akteure: Stadt Jena, Gewerkschaft Verdi, Kommunaler Arbeitgeberverband
  • Kalkulierte Mehrkosten: ca. 4,2 Millionen Euro pro Jahr (+17 Prozent)
  • Personalbedarf: 20 neue Vollzeitstellen allein im Fahrdienst notwendig
  • Mögliche Konsequenz: Dauerhafte Leistungskürzungen im Fahrplan

Kostenexplosion und Personalmangel befürchtet

Die Gewerkschaft Verdi fordert im Rahmen des Tarifvertrags Nahverkehr (TV-N) unter anderem eine Absenkung der Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich. Laut Oberbürgermeister Dr. Thomas Nitzsche wären diese Forderungen für den Jenaer Nahverkehr finanziell nicht zu bewältigen. Die Kosten würden nach Berechnungen der städtischen Verkehrsbetriebe um rund 17 Prozent steigen, was einer jährlichen Mehrbelastung von 4,2 Millionen Euro entspricht.

Ein weiteres Problem stellt der regionale Arbeitsmarkt dar. Um den Betrieb bei reduzierter Arbeitszeit aufrechtzuerhalten, müssten allein im Fahrdienst etwa 20 zusätzliche Vollzeitstellen geschaffen werden. Angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels sei es laut Nitzsche äußerst schwierig, entsprechend qualifiziertes Personal in der Region zu finden.

Finanzlage der Stadt unter enormem Druck

Auch Jenas Finanzdezernent Benjamin Koppe blickt mit großer Sorge auf die Verhandlungen. Er verweist auf die ohnehin angespannte Haushaltslage der Kommune. Ein drastisch erhöhter Zuschussbedarf für den Nahverkehr müsste letztlich durch die Stadtwerke-Gruppe oder direkt aus dem städtischen Haushalt ausgeglichen werden. Beide Wege seien laut Koppe dauerhaft nicht tragbar.

Zudem befürchtet die Stadtverwaltung ein Ungleichgewicht in der internen Vergütungsstruktur, sollten sich die Gehälter im Nahverkehr deutlich von denen der restlichen Stadtverwaltung und den anderen städtischen Eigenbetrieben abkoppeln.

Drohende Leistungskürzungen im Bus- und Bahnnetz

Sollten die Kosten in der prognostizierten Größenordnung steigen, sieht die Stadt den Fahrplan selbst in Gefahr. Dauerhafte Ausgabensteigerungen ohne entsprechende finanzielle Deckung würden unweigerlich zu Anpassungen des Verkehrsangebots führen. Koppe verweist hierbei auch auf den Deutschen Städtetag, der seit Monaten vor wachsenden Defiziten in den kommunalen Haushalten warnt.

Leistungskürzungen würden vor allem Pendler, Studierende sowie die Anwohner der ländlichen Ortsteile treffen. Die Stadtverwaltung betont, dass dies dem Ziel eines bestmöglichen öffentlichen Nahverkehrsangebots fundamental widerspreche.

Hintergrund: Der ÖPNV in Jena

Der öffentliche Nahverkehr ist das Rückgrat der städtischen Mobilität in Jena. Mit einer komplexen Topografie im Saaletal sind besonders hochgelegene und dicht besiedelte Stadtteile wie Lobeda und Winzerla stark auf eine verlässliche Anbindung durch Straßenbahnen angewiesen. Warnstreiks im TV-N betreffen in Jena zehntausende Fahrgäste, darunter einen hohen Anteil an Studierenden der Friedrich-Schiller-Universität sowie Schülerinnen und Schüler. Eine Ausdünnung der Fahrpläne würde die Verkehrswende vor Ort massiv bremsen und zu einer stärkeren Belastung der Hauptverkehrsachsen (wie der B88) durch den motorisierten Individualverkehr führen.


Quelle:

Streik legt Jena lahm: OB platzt die Hutschnur – „Nicht zu bewältigen“


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