Eisschicht erzwingt Absage: Traditionelles Neujahrsschwimmen in Jena fällt aus

Jena (29.12.) – Es ist für viele Hartgesottene in der Saalestadt ein festes Ritual, um den inneren Schweinehund zu besiegen und frisch in das neue Jahr zu starten: das traditionelle Neujahrsschwimmen. Doch wer geplant hatte, das Jahr 2026 mit einem waghalsigen Sprung ins eisige Wasser zu begrüßen, muss seine Badehose vorerst im Schrank lassen. Wie am Montag bekannt wurde, macht die winterliche Witterung den unerschrockenen Wasserratten einen Strich durch die Rechnung. Eine geschlossene Eisschicht auf dem Gewässer verhindert die Durchführung der beliebten Veranstaltung, wie der MDR berichtete.

Sicherheit geht vor Tradition

Die Entscheidung zur Absage fiel nicht leicht, ist aber aus Sicherheitsgründen unumgänglich. Während das „Eisbaden“ dem Namen nach zwar Kälte impliziert, stellt eine massive, geschlossene Eisschicht ein erhebliches Verletzungsrisiko dar. Die scharfen Kanten des aufgebrochenen Eises könnten den Schwimmern gefährliche Schnittwunden zufügen. Zudem besteht bei einer geschlossenen Eisdecke immer die Gefahr, dass Schwimmer unter das Eis geraten und die Orientierung verlieren – ein Szenario, das selbst für erfahrene Winterschwimmer lebensbedrohlich sein kann.

Für die Organisatoren und die Rettungskräfte, die solche Events in Jena üblicherweise absichern, hat die Unversehrtheit der Teilnehmer oberste Priorität. Ein kontrolliertes Anbaden ist unter diesen geologischen Bedingungen schlichtweg nicht durchführbar.

Der Schleichersee im Winterschlaf

Üblicherweise versammeln sich zu Jahresbeginn zahlreiche Schaulustige, oft dick eingepackt in Wintermäntel und Schals, am Ufer des Jenaer Südbads – im Volksmund liebevoll „Schleichersee“ genannt –, um die mutigen Schwimmer anzufeuern. Der See, der im Sommer ein Magnet für Sonnenanbeter und Familien ist, bietet im Winter eine malerische, aber eben auch klirrend kalte Kulisse vor den Kernbergen.

In den vergangenen Jahren war das Event oft ein gesellschaftliches Highlight, bei dem der Spaß und die Überwindung im Vordergrund standen. Ob im Neoprenanzug oder ganz klassisch in Badebekleidung: Der Sprung ins kalte Nass gilt als ultimativer Wachmacher und soll die Abwehrkräfte stärken. Dass der See nun von einer Eisschicht bedeckt ist, zeugt von den anhaltend tiefen Temperaturen in Thüringen in den letzten Tagen des Jahres 2025.

Gesundheitsaspekt muss warten

Fans des Winterschwimmens schwören auf die gesundheitsfördernde Wirkung des Kältereizes. Die kurze, extreme Kälte soll das Immunsystem stimulieren und die Durchblutung anregen. Doch Experten warnen stets: Dies gilt nur unter kontrollierten Bedingungen und bei guter körperlicher Verfassung. Ohne die entsprechende organisatorische Absicherung und bei den aktuellen Eisverhältnissen wäre das Risiko für Leib und Leben unverhältnismäßig hoch.

Ob es einen Ersatztermin geben wird, sobald das Eis taut, oder ob die Jenaer nun bis zum nächsten Jahreswechsel warten müssen, bleibt abzuwarten. Fest steht vorerst nur: Der Schleichersee bleibt zum Jahresstart 2026 den Enten und Schwänen überlassen – und der Stille des Winters.