Jena (02.01.) – Es ist ein kulturpolitisches Ereignis mit Signalwirkung für die Saalestadt: Die Kunstsammlung Jena hat sich einem Kapitel der eigenen Bestände zugewandt, das über drei Jahrzehnte lang im Depot ruhte oder nur in Fragmenten sichtbar war. Wie der Mitteldeutsche Rundfunk berichtete, präsentiert das städtische Museum erstmals seit dem Wendejahr 1989 wieder eine umfassende Schau mit Kunstwerken, die in der DDR entstanden sind. Dieser Schritt markiert eine wichtige Zäsur im Umgang mit dem kulturellen Erbe Ostdeutschlands in Jena.
Rückblick und Neubewertung
Die Entscheidung, diese Werke wieder in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, kommt nicht von ungefähr. In den Jahren nach der Friedlichen Revolution und der Wiedervereinigung war der Blick auf die Kunst, die zwischen 1949 und 1989 im Osten Deutschlands entstand, oft von politischen Debatten überlagert. Vieles galt pauschal als „Staatskunst“ oder war ideologisch vorbelastet. In der Universitätsstadt Jena, die traditionell ein Zentrum für Geisteswissenschaften und kritischen Diskurs ist, scheint nun die Zeit reif für eine differenzierte Betrachtung.
Die Ausstellung, die am 23. August 2025 eröffnet wurde, ermöglicht den Besuchern, die ästhetischen Qualitäten und die zeitgeschichtlichen Aussagen der Werke neu zu entdecken. Dabei geht es nicht um eine unkritische Ostalgie, sondern um eine kunsthistorische Einordnung. Experten betonen immer wieder, dass Kunst in der DDR weit mehr war als nur Sozialistischer Realismus; sie war auch Nische, Reibungsfläche und Ausdruck individueller Lebenswelten.
Ein Schatz im Herzen der Stadt
Die Kunstsammlung Jena, zentral gelegen am Markt im historischen Gebäude der „Göhre“, verfügt über einen beachtlichen Bestand an Malerei, Grafik und Plastik aus dem 20. Jahrhundert. Dass nun spezifisch der Teil der Sammlung, der die DDR-Ära repräsentiert, kuratorisch neu aufbereitet wurde, schließt eine Lücke in der lokalen Museumslandschaft. Für viele ältere Jenaer dürfte die Schau ein Wiedersehen mit bekannten Handschriften regionaler Künstler sein, während jüngere Generationen und Studenten hier einen authentischen, visuellen Zugang zur Geschichte ihrer Stadt und Region erhalten.
- Historischer Kontext: Erste große Präsentation dieser Art seit 1989.
- Ort: Kunstsammlung Jena (Städtische Museen).
- Fokus: Neubewertung und Sichtbarmachung von Kunst aus der DDR-Zeit.
Mit dieser Ausstellung reiht sich Jena in eine bundesweite Tendenz ein, den „Bilderstreit“ der Nachwendezeit hinter sich zu lassen und einen unverstellten Blick auf die künstlerische Produktion des geteilten Deutschlands zu werfen. Es bleibt zu hoffen, dass diese Initiative auch überregionale Aufmerksamkeit auf die Schätze der Jenaer Sammlung lenkt.