KI-Panne bei Carl Zeiss Jena: Gericht weist Anwaltsschreiben wegen „Halluzinationen“ zurück

Jena (14.08.2025) – In der digitalen Welt verschwimmen zunehmend die Grenzen zwischen menschlicher Expertise und maschineller Unterstützung. Doch wenn künstliche Intelligenz (KI) im Gerichtssaal Einzug hält und dabei die Faktenlage verzehrt, hört der Spaß auf. Ein solcher Fall sorgte am 14. August 2025 für Aufsehen in Jena: Ein Gericht hat ein im Namen des FC Carl Zeiss Jena eingereichtes Schreiben formell zurückgewiesen. Die Begründung der Justiz liest sich wie eine Warnung aus einem Science-Fiction-Roman: Das Dokument enthielt „unverifizierbare KI-Halluzinationen“.

Wenn der Chatbot den Anwalt mimt

Wie der MDR berichtete, stieß das zuständige Gericht bei der Prüfung des eingereichten Schriftsatzes auf Ungereimtheiten, die typisch für die Verwendung von generativer KI wie ChatGPT oder ähnlichen Modellen sind. Unter „KI-Halluzinationen“ verstehen Experten das Phänomen, dass ein Sprachmodell überzeugend klingende, aber faktisch vollkommen frei erfundene Informationen ausgibt. Im juristischen Kontext bedeutet dies oft, dass die KI Präzedenzfälle, Aktenzeichen oder Gesetzestexte zitiert, die in der Realität schlichtweg nicht existieren.

Für den FC Carl Zeiss Jena, das Aushängeschild des Jenaer Fußballs, ist dieser Vorfall zweifellos eine unangenehme Randnotiz abseits des grünen Rasens im Ernst-Abbe-Sportfeld. Zwar werden solche Schreiben in der Regel von externen juristischen Vertretern und nicht vom Verein selbst verfasst, doch der Name des Traditionsclubs steht nun in Verbindung mit diesem modernen juristischen Fauxpas.

Ein Warnschuss für die Justiz und Wirtschaft

Der Vorfall in Jena reiht sich in eine wachsende Zahl internationaler Fälle ein, bei denen Anwälte sich zu sehr auf die vermeintliche Allwissenheit der Technik verlassen haben. Die Ablehnung des Schreibens durch das Gericht ist dabei ein deutliches Signal: Die Sorgfaltspflicht des Menschen darf nicht an Algorithmen delegiert werden.

  • Risiko: KI kann Zusammenhänge erfinden, um eine Anfrage „passend“ zu beantworten.
  • Konsequenz: Verlust der Glaubwürdigkeit vor Gericht und Verfahrensverzögerungen.
  • Lösung: Jeder KI-generierte Text muss zwingend von Fachpersonal auf seinen Wahrheitsgehalt geprüft werden.

Fazit: Technik als Werkzeug, nicht als Ersatz

Während sich die Mannschaft des FCC auf sportliche Herausforderungen konzentriert, zeigt dieser juristische Zwischenfall, dass auch das Umfeld des Profisports nicht vor den Tücken der Digitalisierung gefeit ist. Es bleibt zu hoffen, dass künftige Schriftsätze wieder auf der soliden Basis echter Thüringer Rechtssprechung und verifizierbarer Fakten stehen, statt auf den digitalen Träumen einer Software.