Jena unternimmt einen wichtigen Schritt, um das kulturelle Erbe der Stadt zu stärken und die Bedeutung internationaler Gegenwartskunst hervorzuheben. Wie die Stadtverwaltung in einer Erklärung bekannt gab, sollen die teils umstrittenen Großskulpturen des amerikanischen Künstlers Frank Stella zukünftig stärker gewürdigt werden. Ziel ist es, die öffentlichen Kunstwerke, die im Volksmund oft als „Schrott-Skulpturen“ bezeichnet werden, besser in das Stadtbild zu integrieren und der Bevölkerung ihren künstlerischen Wert näherzubringen. Die Entscheidung zur Aufwertung wurde öffentlichkeitswirksam um Anfang Mai 2025 bekannt gegeben.
Der Künstler und seine monumentalen Werke in Jena
Frank Stella, geboren 1936, gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der Minimal Art und des Post-Painterly Abstraction. Seine Werke zeichnen sich durch geometrische Strenge, den Verzicht auf naturalistische Darstellung und die Konzentration auf Form, Farbe und Materialität aus. Jena ist stolz darauf, mehrere seiner monumentalen Freiplastiken im öffentlichen Raum zu besitzen, welche die Kulturlandschaft der Lichtstadt seit ihrer Installation prägen. Diese Skulpturen, oft aus Aluminium und Stahl gefertigt, fordern den Betrachter durch ihre Komplexität und massive Präsenz heraus.
Gerade diese Abstraktion führte in der Vergangenheit immer wieder zu Diskussionen. Die Werke sind teils in die Jahre gekommen und ohne entsprechende Kontextualisierung werden sie von manchen Bürgern missverstanden oder als ästhetische Störfaktoren empfunden – ein Phänomen, das bei avantgardistischer Kunst im öffentlichen Raum nicht unüblich ist. Die Bezeichnung „Schrott-Skulpturen“ verdeutlicht das Spannungsfeld zwischen Kunstgenuss und kritischer Distanz, das die Stadt nun aktiv entschärfen möchte.
Konkrete Maßnahmen zur Würdigung und Vermittlung
Die Initiative der Stadt Jena konzentriert sich auf mehrere Achsen. Ein zentraler Punkt ist die Verbesserung der kunsthistorischen Vermittlung. Hierzu sollen die Informationstafeln an den Standorten der Stella-Skulpturen erneuert und deutlich informativer gestaltet werden. Ziel ist es, nicht nur den Namen des Werks und des Künstlers zu nennen, sondern auch den Entstehungskontext, die verwendeten Materialien und Stellas künstlerische Intention ausführlich zu erläutern. Dies soll die Hemmschwelle senken und das Verständnis für die abstrakte Formensprache fördern.
Des Weiteren sind Maßnahmen zur langfristigen Konservierung und Pflege der Kunstwerke geplant. Die Witterungseinflüsse haben Spuren hinterlassen, und die Stadt beabsichtigt, in regelmäßige Wartungsarbeiten zu investieren, um den ursprünglichen Zustand der oft farbig gefassten oder polierten Oberflächen zu erhalten. Auch die Integration in den städtischen Kulturtourismus wird vorangetrieben. Die Stella-Skulpturen sollen als Fixpunkte in geführten Kunstspaziergängen und digitalen Stadtführern prominent hervorgehoben werden, um ihre Rolle als moderne Wahrzeichen Jenas zu festigen.
Ausblick: Jena als Standort moderner Kunst
Die Entscheidung, Frank Stellas Werke stärker zu würdigen, sendet ein klares Signal über Jenas Selbstverständnis als Wissenschafts- und Kulturstadt. Sie zeigt das Bekenntnis, auch kontroverse oder herausfordernde Kunstwerke als wertvollen Bestandteil der städtischen Identität zu pflegen. Durch die aktive Auseinandersetzung mit der Öffentlichkeit und die verbesserte kunsthistorische Einordnung hofft die Stadt, nicht nur die Akzeptanz zu steigern, sondern auch die Bildung und das kritische Denken zu fördern. Die Aufwertung der Stella-Skulpturen ist somit ein Investment in die kulturelle Infrastruktur und unterstreicht Jenas Position als wichtiger Standort für die Kunst der Moderne in Mitteldeutschland.