Jena als Studienort: Die finanzielle Hürde für internationale Talente

Jena (05.01.2026) – Die Saalestadt ist stolz auf ihren Ruf als Wissenschaftszentrum. Mit der Friedrich-Schiller-Universität (FSU) und der Ernst-Abbe-Hochschule (EAH) zieht Jena kluge Köpfe aus der ganzen Welt an. Der Campus ist international, die Labore sind es sowieso. Doch abseits der akademischen Exzellenz stehen viele internationale Studierende vor einer ganz pragmatischen, oft existenzbedrohenden Frage: Wie finanziere ich mein Leben in einer der teuersten Städte Ostdeutschlands? Ein aktueller Bericht des MDR hat zu Beginn dieser Woche den Fokus erneut auf die prekäre finanzielle Lage vieler ausländischer Akademiker in spe gelegt.

Hohe Lebenshaltungskosten treffen auf bürokratische Hürden

Wer aus dem Nicht-EU-Ausland nach Thüringen kommt, um zu studieren, muss meist schon vor der Einreise beweisen, dass die Finanzierung gesichert ist. Das sogenannte Sperrkonto, auf das ein hoher vierstelliger oder gar fünfstelliger Betrag eingezahlt werden muss, ist für viele Familien im Ausland eine enorme Belastung. Ist diese Hürde genommen, wartet in Jena die Realität des Mietmarktes.

Jena ist bekannt für seine hohen Mieten, die sich deutlich vom Thüringer Durchschnitt abheben. Ob im Damenviertel, im Zentrum oder selbst in den Plattenbauten von Lobeda und Winzerla: Bezahlbarer Wohnraum ist knapp. Für internationale Studierende, die oft noch keine lokalen Netzwerke haben und teils mit Sprachbarrieren kämpfen, ist die Wohnungssuche besonders schwierig. Die Wohnheime des Studierendenwerks Thüringen sind begehrt, aber die Wartelisten sind oft lang.

Der schwierige Spagat zwischen Hörsaal und Aushilfsjob

Anders als viele deutsche Kommilitonen, die möglicherweise BAföG beziehen oder Unterstützung von den Eltern erhalten, sind internationale Studierende häufig auf Nebenjobs angewiesen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Doch auch hier gibt es Fallstricke:

  • Rechtliche Begrenzungen: Aufenthaltsgenehmigungen limitieren oft die Anzahl der Tage, die im Jahr gearbeitet werden dürfen (oft 120 volle oder 240 halbe Tage).
  • Sprachbarrieren: In der Gastronomie oder im Einzelhandel werden oft gute Deutschkenntnisse vorausgesetzt, die Neuankömmlinge erst noch erwerben müssen.
  • Studienbelastung: MINT-Fächer, für die Jena berühmt ist, sind zeitintensiv. Ein 20-Stunden-Job neben dem Physik- oder Medizinstudium führt schnell an die Belastungsgrenze.

Ohne das finanzielle Sicherheitsnetz, das viele einheimische Studierende haben, wird jeder Monat zur Zitterpartie. Eine unerwartete Nachzahlung der Nebenkosten oder eine Mieterhöhung kann das Budget sprengen und den Studienerfolg gefährden.

Warum Jena diese Studierenden braucht

Die Diskussion, die der MDR-Bericht anstößt, ist für die Stadtentwicklung von zentraler Bedeutung. Jena leidet, wie viele Regionen, unter dem Fachkräftemangel. Internationale Absolventen der FSU und EAH sind genau die Fachkräfte, die lokale High-Tech-Unternehmen wie Zeiss, Jenoptik oder Schott händeringend suchen. Wenn diese Talente jedoch schon während des Studiums an finanziellen Hürden scheitern oder sich in der Stadt aufgrund des ökonomischen Drucks nicht willkommen fühlen, verliert der Standort langfristig an Attraktivität.

Institutionen wie das International Office der Universität oder das Studierendenwerk leisten wichtige Beratungsarbeit. Doch strukturelle Probleme wie das Mietpreisniveau oder die strikten Visaregularien können sie nicht allein lösen. Es bleibt eine Aufgabe für die Stadtgesellschaft und die Politik, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit der Studienort Jena nicht nur akademisch, sondern auch sozial ein leuchtendes Beispiel bleibt.