Historischer Rückblick: Wie der Begriff „Fidschis“ in der DDR zur Waffe wurde

Jena, 14. März 2026. Der Begriff „Fidschis“ ist ein markantes Beispiel für diskriminierende Alltagssprache, die in der DDR entstand und sich in der Nachwendezeit radikalisierte. Ursprünglich auf vietnamesische Vertragsarbeiter gemünzt, zeugt das Wort von Ausgrenzung und historischem Unwissen.

  • Thema: Herkunft und Bedeutungswandel des Begriffs „Fidschis“
  • Ursprung: DDR-Alltagssprache, fälschlicherweise bezogen auf vietnamesische Vertragsarbeiter
  • Entwicklung: Radikalisierung zur rassistischen Parole in den 1990er Jahren (u.a. Rostock-Lichtenhagen 1992)
  • Sprachwissenschaft: Klar als stark diskriminierendes Mittel der Abgrenzung eingestuft

Von der beiläufigen Distanz zur sprachlichen Ausgrenzung

In der späten DDR etablierte sich der Ausdruck zunächst umgangssprachlich. Er richtete sich vor allem gegen vietnamesische Vertragsarbeiter, die in großen Industriebetrieben arbeiteten und häufig in separaten Wohnheimen lebten. Dabei verweist der Begriff eigentlich auf die Fidschi-Inseln im Südpazifik – eine Region ohne jegliche geografische oder kulturelle Verbindung zu den Betroffenen. Menschen asiatischer Herkunft wurden durch diese falsche und vereinfachende Bezeichnung zu einer anonymen Gruppe zusammengefasst, der individuelle Herkunft und Geschichte abgesprochen wurde.

Sprachwissenschaftlich betrachtet diente der Begriff als Mittel der Abgrenzung, um eine Minderheit symbolisch zum „Fremden“ zu erklären. Es entstand ein exotisches Sammelbild des „Anderen“, das die Distanz zwischen der einheimischen Bevölkerung und den Vertragsarbeitern zementierte.

Verzögerte Einordnung und Eskalation nach der Wende

Die gesellschaftliche Brisanz des Wortes spiegelte sich lange Zeit nicht in offiziellen Nachschlagewerken wider. Noch in den 1990er Jahren ordnete der Duden den Ausdruck lediglich als „salopp abwertend“ ein. Eine deutlichere Einstufung als stark diskriminierend erfolgte erst später im Zuge einer wachsenden Sensibilität für Sprache.

Besonders in den frühen 1990er Jahren radikalisierte sich der Gebrauch des Wortes. Während der sogenannten „Baseballschlägerjahre“ wurde der Begriff in rechtsextremen Milieus vereinnahmt und tauchte immer häufiger in aggressiven Parolen auf. Trauriger Höhepunkt dieser offenen Feindseligkeit waren die Ausschreitungen von Rostock-Lichtenhagen im Jahr 1992. Trotz dieser Historie ist der Ausdruck bis heute nicht vollständig verschwunden und findet sich gelegentlich noch in Begriffen wie „Fidschi-Märkte“ – ein sprachliches Relikt einer Zeit massiver gesellschaftlicher Umbrüche.

Historischer Kontext: Vertragsarbeiter in Jena

Auch in Jena waren während der DDR-Zeit zahlreiche ausländische Vertragsarbeiter beschäftigt. Ab den späten 1970er und in den 1980er Jahren kamen viele Menschen unter anderem aus Vietnam, Mosambik und Kuba in die Saalestadt, um den Arbeitskräftemangel auszugleichen. Sie arbeiteten primär in großen Industriebetrieben wie dem VEB Carl Zeiss Jena. Untergebracht waren sie oft isoliert in speziellen Wohnheim-Blöcken, beispielsweise in den in den 70er und 80er Jahren neu errichteten Plattenbaugebieten Lobeda und Winzerla. Diese staatlich gewollte Trennung von Arbeit und Privatleben erschwerte die Integration und begünstigte die Entstehung von Vorurteilen sowie abwertender Alltagssprache in der Bevölkerung.


Quelle:

„Fidschis“ – Wie ein Wort zur Waffe wurde – Cool’is im Osten


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