Grünes Batterie-Recycling: Universität Jena forscht an Graphit-Rückgewinnung

Kurz & Knapp: Das Projekt „USE-G“

  • Projektname: USE-G (Environmentally Friendly and Safe Graphite Extraction for Europe’s Battery Industry)
  • Beteiligte Partner: Friedrich-Schiller-Universität Jena, H.C. Starck Tungsten, Rain Carbon Germany, Northern Graphite Corporation
  • Fokus: Rückgewinnung und Reinigung von Graphit aus Altbatterien (Schwarzmasse)
  • Budget: 1,7 Mio. Euro (davon 1,14 Mio. Euro vom Bundeswirtschaftsministerium)
  • Laufzeit: Bis 31. Dezember 2029

Jena (05.02.2026) – Die Elektromobilität boomt, doch mit der steigenden Zahl an Elektrofahrzeugen wächst auch der Berg an Altbatterien. Ein entscheidender, oft vernachlässigter Rohstoff darin ist Graphit. Die Friedrich-Schiller-Universität Jena ist nun Teil eines wegweisenden Forschungskonsortiums, das diesen wertvollen Stoff zurück in den Wirtschaftskreislauf holen will. Gemeinsam mit Industriepartnern wie H.C. Starck Tungsten soll eine europäische Wertschöpfungskette etabliert werden, die unabhängiger von Importen macht und gleichzeitig die Umwelt schont.

Jenaer Expertise für saubere Batterien

Im Zentrum des neuen Verbundprojekts „USE-G“ steht eine Herausforderung, die die Recyclingbranche schon lange beschäftigt: Wie gewinnt man Graphit aus der sogenannten „Schwarzmasse“ – dem Pulver, das beim Schreddern von Altbatterien entsteht – in einer Qualität zurück, die für neue Batterien taugt? Bislang geht dieser Rohstoff, der bis zu 40 Prozent des aktiven Materials einer Anode ausmacht, in herkömmlichen metallurgischen Prozessen oft verloren oder wird verbrannt.

Hier kommt die Friedrich-Schiller-Universität Jena ins Spiel. Das Team um Professor Martin Oschatz vom renommierten Center for Energy and Environmental Chemistry (CEEC) entwickelt ein spezielles Reinigungsverfahren. Anstatt auf die in der Industrie teilweise übliche, hochgiftige Flusssäure oder extrem energieintensive Hochtemperaturverfahren zu setzen, forschen die Jenaer Chemiker an einer Methode auf Basis von Chlorgas.

„Diese Arbeiten könnten Europa neue Wege eröffnen, um Umweltwirkungen zu reduzieren, ohne die Materialqualität zu beeinträchtigen“, erklärt Prof. Oschatz. Das Ziel ist eine „sauberere Alternative“, die ökologisch vertretbar ist und den CO2-Fußabdruck der Batterieproduktion signifikant senkt. Jena unterstreicht damit erneut seinen Ruf als wichtiger Standort für die Materialforschung und Energietechnologie in Deutschland.

Unabhängigkeit von China im Fokus

Das Projekt hat nicht nur eine ökologische, sondern auch eine enorme wirtschaftspolitische Dimension. Aktuell ist Europa fast vollständig von China abhängig, wenn es um die Veredelung von Graphit für Batterien geht – dies betrifft Reinigung, Beschichtung und Formgebung. Angesichts globaler Lieferkettenrisiken ist der Aufbau eigener Kapazitäten strategisch unverzichtbar.

Das Konsortium deckt dabei die gesamte Kette ab: Während das kanadische Unternehmen Northern Graphite das natürliche Ausgangsmaterial liefert und Vergleichstests durchführt, kümmert sich H.C. Starck Tungsten am Standort Goslar um die Skalierung der Schwarzmasse-Verarbeitung. Dort ist eine Anlage geplant, die jährlich rund 20.000 Tonnen verarbeiten soll. Nach der Reinigung durch die in Jena erforschten Methoden übernimmt Rain Carbon Germany die Veredelung der Partikel, um deren Leistungsfähigkeit in neuen Anoden sicherzustellen.

Ausblick: Vom Labor in die Industrie

Das Projekt, das offiziell zum Jahreswechsel gestartet ist, läuft bis Ende 2029. In den kommenden Jahren werden die Partner prüfen, ob sich primärer Graphit (aus Minen) und sekundärer Graphit (aus dem Recycling) zu einem hochwertigen Anodenmaterial mischen lassen, das den strengen Anforderungen der Automobilindustrie genügt.

Für die Universität Jena bedeutet dies intensive Forschungsjahre, deren Ergebnisse direkten Einfluss auf die Nachhaltigkeit der Verkehrswende haben könnten. Gelingt der Durchbruch, wäre dies ein wichtiger Schritt hin zu einer echten Kreislaufwirtschaft, in der Batterien nicht mehr als Abfall, sondern als wertvolle Rohstoffquelle betrachtet werden.

Wir bleiben an den Entwicklungen am CEEC Jena dran und berichten, sobald erste Ergebnisse aus dem Labor vorliegen.


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