Jena (07.03.) – Gewalt gegen Frauen findet oft im Verborgenen statt, hinter verschlossenen Türen und zugezogenen Vorhängen. Um dieses drängende gesellschaftliche Problem buchstäblich in die Öffentlichkeit zu tragen, hat die Stadt Jena am Freitag ein unübersehbares Symbol eingeweiht: eine rote Bank.
Die Aktion, über die der MDR berichtete, ist Teil einer internationalen Bewegung, die darauf abzielt, das Schweigen zu brechen und Betroffenen zu signalisieren, dass sie nicht allein sind. Die Bank ist dabei weit mehr als eine bloße Sitzgelegenheit im städtischen Raum – sie fungiert als Mahnmal und Hoffnungsschimmer zugleich.
Ein italienisches Vorbild für die Saalestadt
Die Idee der „Panchina Rossa“ (Rote Bank) stammt ursprünglich aus Italien. Dort wurde sie ins Leben gerufen, um an die Frauen zu erinnern, die Opfer von Femiziden wurden, und um jene Plätze symbolisch freizuhalten, die diese Frauen nun nicht mehr einnehmen können. Inzwischen hat sich die Kampagne weltweit verbreitet und auch in Thüringen bereits in mehreren Kommunen Fuß gefasst. Nun reiht sich Jena in die Liste der Städte ein, die Farbe bekennen.
Die Signalfarbe Rot steht dabei nicht nur für die Liebe, sondern in diesem traurigen Kontext vor allem für das vergossene Blut und die Dringlichkeit des Handelns. Für Passanten in Jena soll die Bank ein „Stolperstein“ im Alltag sein – ein Ort, der zum Innehalten und Nachdenken anregt. Sie bricht die gewohnte Ästhetik des Stadtbildes bewusst auf, um Aufmerksamkeit für ein Thema zu generieren, das im hektischen Alltag oft verdrängt wird.
Prävention und Hilfe im Fokus
Neben der symbolischen Kraft hat die Aktion in der Regel auch einen ganz pragmatischen Nutzen. Solche Bänke werden häufig mit Hinweistafeln, QR-Codes oder Telefonnummern von Hilfetelefonen versehen. Dies ermöglicht es Betroffenen oder Zeugen von häuslicher Gewalt, niedrigschwellig und diskret an Kontaktinformationen für Beratungsstellen oder das Frauenhaus zu gelangen.
In Jena gibt es ein etabliertes Netzwerk an Hilfsangeboten, doch die Hemmschwelle, diese in Anspruch zu nehmen, ist für viele Betroffene nach wie vor hoch. Die Platzierung der Bank im öffentlichen Raum unterstreicht, dass Gewalt in Partnerschaften keine Privatsache ist, sondern eine Straftat und ein gesamtgesellschaftliches Problem, das Zivilcourage erfordert.
Ein Zeichen der Solidarität
Mit der Aufstellung der roten Bank sendet Jena eine klare Botschaft an alle Bürgerinnen und Bürger: Schaut nicht weg. Die Saalestadt positioniert sich damit als ein Ort, der Gewalt keinen Raum geben will und Solidarität mit den Opfern übt. Es ist ein Appell an die Nachbarschaft, achtsam zu sein, und ein Versprechen an die Betroffenen, dass Hilfe verfügbar ist.
Gerade in Zeiten, in denen die Fallzahlen häuslicher Gewalt bundesweit auf einem besorgniserregenden Niveau verharren, sind solche sichtbaren Zeichen der Unterstützung im lokalen Umfeld unverzichtbar. Die rote Bank in Jena mag nur ein Stadtmöbel sein, doch ihre Botschaft ist laut und deutlich.