Jena (17.08.) – Es ist ein drastischer Schritt, der in der Jenaer Feuerwehrlandschaft für ein gewaltiges Beben sorgt: Der schwelende Konflikt zwischen der Stadtverwaltung Jena und der Freiwilligen Feuerwehr (FFW) im Ortsteil Isserstedt ist endgültig eskaliert. Wie am Sonntag bekannt wurde, hat die Stadtverwaltung die Reißleine gezogen und die Alarmierung der Kameradinnen und Kameraden aus Isserstedt bis auf Weiteres ausgesetzt. Damit verlieren die ehrenamtlichen Brandschützer vorerst ihre operative Funktion im Sicherheitsgefüge der Saalestadt.
Paukenschlag für das Ehrenamt
Für die Bewohner des Ortsteils Isserstedt, der durch seine Lage an der B7 und die Nähe zu großen Gewerbeflächen wie dem Globus-Markt strategisch nicht unwichtig ist, wirft diese Nachricht Fragen auf. Normalerweise sind die Freiwilligen Feuerwehren in den Jenaer Ortsteilen eine unverzichtbare Stütze der Berufsfeuerwehr. Sie sorgen für kurze Eintreffzeiten bei Bränden oder Unfällen und stellen die sogenannte Tageseinsatzbereitschaft sicher, wenn die hauptamtlichen Kräfte an anderer Stelle gebunden sind.
Dass eine Stadtverwaltung eine komplette Wehr faktisch „vom Netz nimmt“, ist ein äußerst seltener und schwerwiegender Vorgang. Er deutet darauf hin, dass das Vertrauensverhältnis zwischen der Führungsebene der Stadt oder der Berufsfeuerwehr und der lokalen Wehrführung in Isserstedt massiv gestört ist. Über die genauen Hintergründe des Streits dringen derzeit nur wenige Details nach außen, doch die Maßnahme selbst spricht eine deutliche Sprache: Die administrative Ebene sieht offenbar keine Basis mehr für eine verlässliche Zusammenarbeit im Ernstfall.
Sicherheit und Konsequenzen
Die Entscheidung hat unmittelbare taktische Folgen für den Brandschutz in Jena. Einsätze, die bisher von der FFW Isserstedt als Erst- oder Unterstützungseinheit gefahren wurden, müssen nun vollständig von der Berufsfeuerwehr oder benachbarten freiwilligen Einheiten, etwa aus Lützeroda oder Cospeda, kompensiert werden. Dies erhöht den Druck auf die verbleibenden Einsatzkräfte.
Die Aufgaben einer Freiwilligen Feuerwehr sind dabei vielfältig und gehen weit über das bloße Löschen von Bränden hinaus:
- Technische Hilfeleistung: Unterstützung bei Verkehrsunfällen, insbesondere auf den Zufahrtsstraßen.
- Katastrophenschutz: Bereitstellung von Personal und Material bei Großschadenslagen.
- Lokale Sicherheit: Absicherung von Veranstaltungen im Ortsteil.
Wie geht es weiter?
Für die engagierten Mitglieder der FFW Isserstedt dürfte die Nicht-Alarmierung einem Schock gleichkommen. Das Ehrenamt bei der Feuerwehr erfordert viel Zeit für Ausbildung und Übungen – dieses Engagement nun nicht mehr abrufen zu dürfen, sorgt für Frustration. Es bleibt abzuwarten, ob Gespräche zwischen der Stadtspitze, dem zuständigen Dezernat und der Wehrführung den Knoten in naher Zukunft lösen können. Klar ist jedoch: Ein dauerhafter Ausfall einer Ortsteilfeuerwehr wäre eine spürbare Lücke im Sicherheitsnetz der Stadt Jena, die es schnellstmöglich zu schließen gilt.