Deutschland-Monitor 2025: Wie veränderungsmüde ist die Republik wirklich?

Kurz & Knapp: Die Studienergebnisse

  • Thema: Deutschland-Monitor 2025 – Schwerpunkt Veränderungsbereitschaft.
  • Herausgeber: Konsortium u.a. mit dem Institut für Politikwissenschaft der Universität Jena.
  • Kernergebnis: Keine generelle „Veränderungsmüdigkeit“ in der Bevölkerung feststellbar.
  • Ost vs. West: Überraschend hohe Ähnlichkeiten in den Einstellungen.
  • Knackpunkt: Veränderungen werden akzeptiert, wenn sie als fair und sicher empfunden werden – Ausnahme ist das Thema Rente.

Jena (20.02.2026) – In politischen Debatten wird oft das Bild eines statischen Deutschlands gezeichnet, dessen Bürger sich ängstlich an den Status quo klammern. Doch stimmt dieses Narrativ der Veränderungsmüdigkeit überhaupt? Der am heutigen Freitag veröffentlichte Deutschland-Monitor 2025 liefert darauf eine wissenschaftlich fundierte Antwort – und die fällt differenzierter aus, als viele vermuten würden. Maßgeblich an der Studie beteiligt war das Institut für Politikwissenschaft der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Keine pauschale Abwehrhaltung gegen Reformen

Die zentrale Erkenntnis der umfassenden Erhebung lautet: Die Deutschen sind keineswegs so reformscheu, wie oft behauptet wird. Die Wissenschaftler, darunter Expertinnen und Experten der Uni Jena, des Zentrums für Sozialforschung Halle (ZSH) und des GESIS Leibniz-Instituts, fanden heraus, dass es keine generelle Veränderungsmüdigkeit gibt. Vielmehr differenzieren die Bürgerinnen und Bürger sehr genau, worum es geht.

Ob Veränderungen als Chance oder als Bedrohung wahrgenommen werden, hängt stark von zwei Faktoren ab: Sicherheit und Fairness. Wenn die Menschen das Gefühl haben, dass der Wandel gerecht zugeht und sie nicht ins Bodenlose fallen, sind sie bereit, Transformationsprozesse mitzutragen. Ein interessantes Detail der Studie ist jedoch eine klare rote Linie: Beim Thema Rente bewerten die Befragten Einschnitte oder Veränderungen überwiegend nicht als tragbar. Hier scheint das Sicherheitsbedürfnis besonders ausgeprägt zu sein.

Ost und West ticken ähnlicher als gedacht

Ein weiteres spannendes Ergebnis des Monitors 2025 ist der Blick auf die innerdeutsche Einheit. Mehr als drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung zeigen sich in den grundlegenden Einstellungen zur Veränderungsbereitschaft hohe Ähnlichkeiten zwischen Ost- und Westdeutschland. Die oft heraufbeschworene Spaltung in eine veränderungsfreudige westliche und eine skeptische östliche Gesellschaft lässt sich in den Daten so pauschal nicht halten.

Dennoch gibt es regionale Nuancen: Spezifische Prägungen und Unterschiede treten laut der Studie vor allem innerhalb der ostdeutschen Bundesländer auf. Zudem zeigt sich ein psychologisches Phänomen, das auch in anderen Sozialstudien oft beobachtet wird: Das eigene, direkte Umfeld bewerten die Menschen deutlich positiver als die „Gesellschaft insgesamt“. Die Skepsis richtet sich also oft gegen ein abstraktes Ganzes, während man im Privaten zuversichtlicher ist.

Demokratie: Prinzip ja, Praxis naja

Neben der Veränderungsbereitschaft untersucht der Deutschland-Monitor traditionell auch das Verhältnis zur Demokratie. Die gute Nachricht aus Jena: Die Demokratie als Staatsform gilt grundsätzlich als transformationsfähig und genießt hohe Zustimmung. Die Bürger trauen dem System also prinzipiell zu, Wandel zu gestalten.

Die schlechtere Nachricht betrifft die konkrete Umsetzung. Hier zeigt sich ein deutlicher Riss. Viele Befragte sind unzufrieden damit, wie demokratische Prozesse im Alltag ablaufen. Populistische Einstellungen verstärken diese Demokratieskepsis messbar. Wer populistischen Aussagen zustimmt, neigt eher dazu, auch das demokratische System in seiner aktuellen Funktionsweise abzulehnen.

Hintergrund zur Studie

Der Deutschland-Monitor ist keine einfache Meinungsumfrage, sondern eine wissenschaftlich tiefgehende Analyse. Die Befunde für 2025 basieren auf einem Methoden-Mix aus einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung, regionalen Vertiefungsstudien in sowohl strukturstarken als auch strukturschwachen Kreisen sowie qualitativen Fokusgruppendiskussionen. Ansprechpartner an der Universität Jena sind unter anderem Prof. Dr. Marion Reiser und Dr. Jörg Hebenstreit vom Institut für Politikwissenschaft.

Für die Politik in Berlin und Erfurt dürften diese Ergebnisse eine wichtige Handreichung sein: Wer Veränderungen will, muss nicht gegen eine wandelscheue Bevölkerung ankämpfen, sondern vor allem das Gefühl von Gerechtigkeit und Absicherung stärken.


Quelle:

Wie veränderungsbereit ist Deutschland?


Transparenz-Hinweis: Dieser Artikel wurde automatisiert erstellt, redaktionell geprüft und mit KI-Unterstützung erweitert.