- Anlass: Verurteilung von Maja T. in Budapest zu 8 Jahren Haft.
- Ort & Zeit: Jena Innenstadt, Samstag, 07.02.2026.
- Teilnehmer: Polizei schätzt 700, Veranstalter über 1.000.
- Zwischenfälle: Einsatz von Pyrotechnik, Vermummung, vier erfasste Straftaten.
Jena (09.02.2026) – Es war ein lautstarkes Zeichen der Solidarität in der Geburtsstadt der betroffenen Person: Am vergangenen Samstag versammelten sich Hunderte Menschen in der Jenaer Innenstadt, um gegen das Urteil des Budapester Stadtgerichts im Fall Maja T. zu demonstrieren. Wenige Tage zuvor war die 25-jährige non-binäre Person in Ungarn zu einer achtjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Der Fall, der international für Aufsehen sorgt und diplomatische Verstimmungen zwischen Deutschland und Ungarn offenlegt, bewegt besonders in Jena viele Gemüter.
Demonstrationszug durch die Innenstadt
Nach Angaben der Polizeiinspektion Jena nahmen rund 700 Personen an dem Aufzug teil. Die Veranstalter sprachen hingegen von mehr als 1.000 Unterstützerinnen und Unterstützern, die ihren Unmut über das Verfahren und die Haftbedingungen in Ungarn kundtaten. Unter Parolen, die eine sofortige Rückführung von Maja T. nach Deutschland forderten, zog die Menge durch das Stadtzentrum.
Obwohl der Großteil der Demonstration friedlich verlief, verzeichneten die Einsatzkräfte einige Zwischenfälle. Wie ein Polizeisprecher bestätigte, zündeten Teilnehmer mehrfach Pyrotechnik und Rauchkörper. Zudem wurde gegen das geltende Vermummungsverbot verstoßen. In der Bilanz nach Ende der Kundgebung wurden insgesamt vier Straftaten sowie mehrere Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet.
Hintergrund: Der Prozess in Budapest
Das Urteil, das den Protest in Jena auslöste, fiel erst vor wenigen Tagen in der ungarischen Hauptstadt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Maja T. Mitglied einer kriminellen Vereinigung sei und sich an versuchter lebensbedrohlicher Körperverletzung beteiligt habe. Konkret geht es um Angriffe auf vermeintliche Rechtsextremisten rund um den sogenannten „Tag der Ehre“ im Februar 2023 in Budapest. Bei diesen Vorfällen wurden neun Menschen verletzt, einige davon schwer.
Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig; Berufung ist möglich. Dennoch sorgte das Strafmaß und die Härte des Gerichts für Kritik. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert, während die ungarische Staatsanwaltschaft ursprünglich sogar 24 Jahre Haft gefordert hatte. Maja T., die aus Jena stammt, war im Dezember 2023 in Berlin festgenommen und im Juni 2024 nach Ungarn ausgeliefert worden – ein Vorgang, der juristisch hochumstritten war, da eine Intervention des Bundesverfassungsgerichts damals nur knapp zu spät kam.
Politische Reaktionen und Kritik am Verfahren
Der Fall hat längst die Ebene der großen Politik erreicht. Kritiker und Angehörige werfen der ungarischen Justiz unter der Regierung von Viktor Orbán vor, einen politischen Schauprozess zu führen. Katharina König-Preuss, Landtagsabgeordnete der Linken in Thüringen, erneuerte ihre Kritik am Wochenende scharf. Sie betonte, dass Maja T. unrechtmäßig ausgeliefert worden sei und unter gesundheitsschädlichen Bedingungen in Isolationshaft gesessen habe. Die Forderung der Linksfraktion bleibt bestehen: Der sofortige Haftantritt müsse in Deutschland ermöglicht werden, um ein rechtsstaatliches Verfahren zu garantieren.
Auf Bundesebene fallen die Reaktionen gemischt aus. Während Linke und Teile der SPD das Verfahren als politisch motiviert verurteilen, äußerte sich Außenminister Johann Wadephul (CDU) zurückhaltend. Bei einem Besuch in Australien erklärte er, dass man das Urteil eines EU-Landes respektiere, solange es nicht rechtskräftig sei. Gleichzeitig bestätigte er, dass das Auswärtige Amt den Fall konsularisch betreue und das Ersuchen auf Auslieferung nach Deutschland fortbestehe. Deutlich härtere Töne schlug CSU-Politiker Alexander Bundesinnenminister Dobrindt an, der das Urteil angesichts der Schwere der Verletzungen verteidigte.
Bundesweite Protestwelle
Jena ist nicht der einzige Ort des Protests. Bereits am Mittwoch fanden in Berlin, Hamburg, Leipzig, Dresden und weiteren Städten Kundgebungen statt. Die Solidaritätsbewegung fordert nicht nur Freiheit für Maja T., sondern kritisiert generell den Umgang mit antifaschistischem Protest in Europa. Für die Unterstützerszene in Jena bleibt der Fall persönlich: Sie sehen in Maja T. nicht nur eine politische Figur, sondern eine Person aus ihrer Mitte, deren Grundrechte in Gefahr seien.
Das erstinstanzliche Urteil markiert somit nicht das Ende der juristischen Auseinandersetzung, sondern dürfte die Debatte um Auslieferungen innerhalb der EU und den Zustand des ungarischen Rechtsstaats weiter anheizen.
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