Jena (07.01.2026) – Die Diagnose Demenz ist oft ein Einschnitt, der das Leben ganzer Familien auf den Kopf stellt. Während die medizinische Versorgung der Erkrankten meist im Fokus steht, geraten diejenigen, die die Hauptlast der täglichen Fürsorge tragen, oft aus dem Blickfeld: die Angehörigen. Wie in dieser Woche bekannt wurde, steuert ein neues Projekt aus Jena nun gegen diesen Trend und rückt die psychische und physische Gesundheit der pflegenden Familienmitglieder in den Mittelpunkt.
Die „versteckten Patienten“ stärken
Pflegende Angehörige leisten Schwerstarbeit – oft rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. In einer Stadt wie Jena, die zwar über ein exzellentes medizinisches Netzwerk rund um das Universitätsklinikum verfügt, stehen Familien dennoch oft vor der Herausforderung, den Alltag in den eigenen vier Wänden zu meistern. Das vom MDR am Dienstag thematisierte neue Projekt zielt darauf ab, genau diese Gruppe zu stärken.
Experten betonen seit Langem, dass die Begleitung von Menschen mit Demenz nicht nur eine Frage der Pflege, sondern auch der psychischen Widerstandskraft ist. Angehörige leiden häufig unter:
- Chronischer Erschöpfung und Schlafmangel
- Sozialer Isolation, da die Betreuung kaum Freizeit zulässt
- Hoher emotionaler Belastung durch die Wesensveränderung des geliebten Menschen
Das neue Jenaer Vorhaben setzt genau hier an, um Ressourcen zu aktivieren und präventiv gegen Burnout bei den Pflegenden zu wirken.
Jena als Standort für innovative Pflegeansätze
Dass ein solches Projekt gerade in der Saalestadt startet, ist kein Zufall. Jena hat sich in Thüringen als ein Zentrum für innovative Ansätze in der Altersmedizin und Pflegeforschung etabliert. Die demografische Entwicklung in Thüringen zeigt deutlich, dass die Zahl der Pflegebedürftigen in den kommenden Jahren weiter steigen wird. Projekte, die nicht nur den Patienten, sondern das gesamte häusliche System stabilisieren, sind daher von entscheidender Bedeutung für die kommunale Gesundheitsstruktur.
Die Initiative unterstreicht die Notwendigkeit, Pflege nicht isoliert zu betrachten. Wenn Angehörige zusammenbrechen, bricht oft auch die häusliche Versorgung weg, was unweigerlich zu einer früheren Heimunterbringung der Erkrankten führt. Durch gezielte Stärkung und Unterstützung sollen solche Szenarien vermieden und die Lebensqualität aller Beteiligten verbessert werden.
Ein wichtiges Signal für die Region
Mit diesem Vorstoß sendet Jena ein wichtiges Signal in die Region: Niemand soll mit der enormen Aufgabe der Demenzpflege allein gelassen werden. Es bleibt zu hoffen, dass die Erkenntnisse aus diesem Projekt langfristig in feste Strukturen überführt werden, von denen Familien in Lobeda, Winzerla oder dem Zentrum gleichermaßen profitieren können.