Jena (05.05.) – Wenn sich am morgigen Dienstag, dem 6. Mai, wieder hunderte Räder gleichzeitig in Bewegung setzen, wird es auf den Straßen der Saalestadt kurzzeitig eng für den motorisierten Individualverkehr. Die Bewegung „Critical Mass“ ruft erneut zur gemeinsamen Ausfahrt auf, um ein sichtbares Zeichen für den Radverkehr in Jena zu setzen. Was für die einen ein entspanntes Beisammensein auf zwei Rädern ist, bedeutet für Autofahrer oft: Geduld mitbringen.
Gemeinsam fahren, sichtbar bleiben
Das Konzept der Critical Mass ist weltweit bekannt und hat auch in Jena eine feste Tradition. Die Idee dahinter ist so simpel wie effektiv: Radfahrende treffen sich – meist scheinbar zufällig und ohne offiziellen Organisator im klassischen Sinne –, um gemeinsam eine Tour durch die Stadt zu unternehmen. Dabei geht es nicht um Geschwindigkeit oder sportliche Höchstleistungen, sondern um Präsenz. Unter dem Motto „Wir blockieren nicht den Verkehr, wir sind der Verkehr“ fordern die Teilnehmer mehr Platz, Sicherheit und Respekt im Straßenraum.
In einer Stadt wie Jena, in der die topografischen Gegebenheiten im Saaletal den Verkehrsraum ohnehin begrenzen, ist das Thema hochaktuell. Die Diskussionen um Fahrradstraßen, sichere Überholabstände und die Anbindung der Stadtteile wie Lobeda oder Winzerla an das Zentrum beschäftigen Stadtrat und Verwaltung gleichermaßen. Die Critical Mass fungiert hier als monatlicher Reminder, dass das Fahrrad ein gleichberechtigtes Verkehrsmittel ist.
Was Autofahrer wissen müssen
Für Autofahrer kann die Aktion zu kurzzeitigen Verzögerungen führen, insbesondere im Zentrum und auf den Hauptverkehrsachsen. Rechtlich berufen sich die Teilnehmer meist auf den § 27 der Straßenverkehrsordnung (StVO). Dieser besagt, dass mehr als 15 Radfahrende einen geschlossenen Verband bilden dürfen.
- Verbandsregel: Ein solcher Verband gilt verkehrsrechtlich als ein einziges Fahrzeug.
- Ampelphasen: Fährt die Spitze des Verbandes bei Grün über eine Ampel, darf der Rest folgen, auch wenn die Ampel inzwischen auf Rot umgesprungen ist.
- Geschlossenheit: Autofahrer dürfen den Verband nicht unterbrechen.
Die Polizei begleitet solche Aktionen in Jena in der Regel, um die Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten und Kreuzungsbereiche abzusichern.
Ein friedlicher Protest für die Verkehrswende
Die Stimmung bei der Jenaer Critical Mass ist erfahrungsgemäß friedlich und fast schon festlich. Oft wird die Fahrt von Musik aus mobilen Boxen begleitet. Es ist eine Demonstration der Lebensfreude, die jedoch einen ernsten Kern hat: Die Forderung nach einer Verkehrswende, die den Menschen und nicht das Auto in den Mittelpunkt stellt. Wer am Dienstagabend mit dem Auto in der Innenstadt unterwegs ist, sollte etwas mehr Zeit einplanen oder – wenn möglich – die Route entsprechend anpassen.