Das Wichtigste in Kürze:
- Verlust: Carl Zeiss Meditec meldet 4,9 Millionen Euro Minus nach Steuern im ersten Quartal.
- Ursache: Einbruch im China-Geschäft durch geänderte Marktzugangsregeln und Währungseffekte.
- Konsequenz: Prognose gesenkt, verstärkte Verlagerung von Produktion nach China geplant.
- Unsicherheit: Entscheidung über Auswirkungen auf Jenaer Arbeitsplätze steht noch aus (bis Mai).
Jena (Thüringen). Es sind Nachrichten, die man aus dem Jenaer Süden sonst nicht gewohnt ist: Der erfolgsverwöhnte Medizintechnik-Konzern Carl Zeiss Meditec ist in die roten Zahlen gerutscht. Am Mittwochmorgen teilte das im MDAX notierte Unternehmen mit, dass das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres mit einem Verlust abgeschlossen wurde. Für den Wirtschaftsstandort Jena, der sich stolz als „Lichtstadt“ und Zentrum der optischen Industrie präsentiert, ist dies ein Warnsignal, das aufhorchen lässt.
Vom Gewinn in die Verlustzone
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache und stehen im krassen Kontrast zum Vorjahr. Während Carl Zeiss Meditec im gleichen Zeitraum des letzten Jahres noch einen soliden Gewinn von 15,7 Millionen Euro verbuchen konnte, steht nun unter dem Strich ein Minus von 4,9 Millionen Euro. Der Umsatz sank gleichzeitig um 4,8 Prozent auf 467 Millionen Euro. Finanzvorstand Justus Felix Wehmer sprach von einem „schleppenden Start“ in das neue Geschäftsjahr, das bei Zeiss traditionell bereits im Oktober beginnt.
Neben Währungseffekten, die insbesondere das Geschäft in US-Dollar belasteten, liegt das Hauptproblem jedoch im fernen Osten. China, lange Zeit der Wachstumsmotor für die deutsche Exportwirtschaft und auch für die Thüringer Medizintechnik, schwächelt – oder besser gesagt: China ändert die Regeln zu Ungunsten ausländischer Anbieter.
Der Gegenwind aus China wird zum Sturm
Für Carl Zeiss Meditec ist das „Reich der Mitte“ nicht irgendein Absatzmarkt, sondern essenziell. Rund ein Viertel des gesamten Umsatzes erwirtschaftet der Konzern dort. Doch die chinesische Regierung treibt eine Politik voran, die heimische Unternehmen bevorzugt. Das Stichwort lautet „lokale Wertschöpfung“.
Konkret geht es um geänderte Ausschreibungsverfahren im öffentlichen Gesundheitswesen, beispielsweise für künstliche Augenlinsen, die zur Behandlung des Grauen Stars (Katarakt) eingesetzt werden. Chinesische Anbieter erhalten hier zunehmend den Vorzug oder Preisvorteile, was es für Importeure wie Zeiss Meditec massiv erschwert, ihre High-Tech-Produkte am Markt zu platzieren. Die Folge: Der Absatz bricht ein, die Margen geraten unter Druck.
Was bedeutet das für Jena?
Die Reaktion des Konzerns auf diese Marktbewegungen könnte auch für den Stammsitz in Jena spürbare Folgen haben. Um den Zugang zum riesigen chinesischen Augenheilkunde-Markt nicht zu verlieren, sieht sich der Vorstand gezwungen, die Strategie anzupassen: „Local for Local“ heißt die Devise. Das bedeutet, dass Entwicklung und Produktion verstärkt direkt in China stattfinden müssen, um als „lokaler Anbieter“ zu gelten und bei Ausschreibungen berücksichtigt zu werden.
Carl Zeiss Meditec betreibt bereits zwei Produktionsstätten in China. Ob und in welchem Umfang nun Kapazitäten oder zukünftige Investitionen von Deutschland nach Asien verlagert werden, ist der entscheidende Punkt für die Belegschaft in Thüringen. Aktuell ist noch unklar, welche konkreten Auswirkungen diese strategische Neuausrichtung auf die Arbeitsplätze in Jena haben wird.
Bis Mai sollen weitere Entscheidungen getroffen werden. Es ist eine Zitterpartie für die Region, denn Zeiss ist nicht nur ein Arbeitgeber, sondern ein Identifikationsmerkmal der Stadt. Weltweit unterhält das Unternehmen 17 Produktionsstandorte, doch das Herz schlägt traditionell in Thüringen.
Ausblick bleibt verhalten
Aufgrund der aktuellen Entwicklung musste das Unternehmen seine Prognose anpassen. Der Vorstand geht davon aus, dass das ursprünglich angepeilte Umsatzziel von 2,3 Milliarden Euro für das Gesamtjahr nicht mehr zu halten ist. Neben den Problemen in China sorgen allgemeine Marktunsicherheiten und eine weltweite Investitionszurückhaltung im Gesundheitssektor für Bremsspuren.
Die Konzernleitung plant nun eine Neuausrichtung von Forschung und Entwicklung, um effizienter auf die veränderten Marktbedingungen reagieren zu können. Eine aktualisierte Prognose für das Geschäftsjahr, das bis September läuft, soll am 12. Mai veröffentlicht werden. Bis dahin bleibt für Anleger und Angestellte gleichermaßen eine Phase der Ungewissheit.
Wir bleiben für Sie an diesem Thema dran und berichten, sobald es Neuigkeiten zu den Auswirkungen auf den Standort Jena gibt.
Quellen:
Original
Transparenz-Hinweis: Dieser Artikel wurde automatisiert erstellt, redaktionell geprüft und mit KI-Unterstützung erweitert.