- Verlust: Carl Zeiss Meditec meldet ein Minus von 4,9 Millionen Euro im ersten Geschäftsquartal.
- Ursache: Währungseffekte und veränderte Ausschreibungsregeln in China belasten das Geschäft.
- China-Strategie: Um den Marktzugang zu sichern, muss mehr Entwicklung und Produktion nach China verlagert werden.
- Standort Jena: Auswirkungen auf Arbeitsplätze in Deutschland sind noch nicht final entschieden; Klärung bis Mai erwartet.
Jena, 13.02.2026 – Es ist eine Nachricht, die in der Thüringer Wirtschaftszentrale aufhorchen lässt: Der Medizintechnik-Konzern Carl Zeiss Meditec, eines der Aushängeschilder der Lichtstadt Jena, ist in die roten Zahlen gerutscht. Erstmals seit langer Zeit musste das im MDAX notierte Unternehmen einen Quartalsverlust ausweisen. Während im Vorjahreszeitraum noch ein Gewinn von 15,7 Millionen Euro zu Buche stand, klafft nun ein Minus von 4,9 Millionen Euro in der Bilanz.
Ein schleppender Start und Währungsturbulenzen
Finanzvorstand Justus Felix Wehmer sprach von einem „schleppenden Start“ in das neue Geschäftsjahr, das bei Zeiss Meditec traditionell bereits im Oktober beginnt. Neben operativen Herausforderungen drückten vor allem Währungseffekte das Ergebnis. Insbesondere das Geschäft im US-Dollar-Raum entwickelte sich aufgrund der Wechselkurse ungünstiger als erhofft. Doch die eigentliche Herausforderung für das Jenaer Traditionsunternehmen liegt nicht in den USA, sondern in Asien.
Das China-Dilemma: Wenn Spielregeln sich ändern
China ist für Carl Zeiss Meditec von enormer Bedeutung. Rund ein Viertel des gesamten Umsatzes generiert der Spezialist für Augenheilkunde und Mikrochirurgie im „Reich der Mitte“. Doch genau dort weht dem Unternehmen nun ein rauerer Wind entgegen. Die chinesische Regierung hat die Spielregeln für das öffentliche Gesundheitswesen angepasst.
Konkret geht es um das sogenannte „Volume-Based Procurement“ (VBP), ein zentralisiertes Ausschreibungsverfahren. Besonders betroffen sind künstliche Linsen, die zur Behandlung des Grauen Stars (Katarakt) millionenfach benötigt werden. In diesen neuen Ausschreibungsverfahren genießen chinesische Anbieter derzeit massive Vorteile, was internationale Konzerne wie Zeiss unter Druck setzt. Der bisherige Wettbewerbsvorteil durch Qualität „Made in Germany“ greift bei diesen preissensitiven und politisch gesteuerten Vergabeentscheidungen weniger als zuvor.
Sorge um den Standort Jena: Produktion folgt dem Markt
Die Reaktion des Managements auf diese Marktveränderungen ist betriebswirtschaftlich logisch, sorgt aber lokal für Unruhe. Um den Zugang zum weltweit größten Markt für Augenheilkunde langfristig zu sichern, muss Carl Zeiss Meditec stärker auf eine Produktion und Entwicklung direkt vor Ort in China setzen. „Local for Local“ heißt die Devise in der globalen Wirtschaft.
Das Unternehmen betreibt bereits zwei Produktionsstätten in China. Was die geplante Verlagerung oder Ausweitung der Kapazitäten in Asien für den Stammsitz in Jena bedeutet, ist derzeit noch die große Unbekannte. Ob und in welchem Umfang Arbeitsplätze in Deutschland und Thüringen betroffen sein könnten, ist laut Unternehmensführung noch nicht entschieden. Weltweit beschäftigt der Konzern rund 5.800 Mitarbeiter, davon über 2.400 in Deutschland. Bis Mai sollen weitere strategische Entscheidungen fallen, die Klarheit schaffen dürften.
Umsatzrückgang und Prognoseanpassung
Die aktuellen Zahlen spiegeln die Unsicherheit wider: Der Umsatz sank im ersten Quartal um 4,8 Prozent auf 467 Millionen Euro. Bereits im Januar hatte das Thüringer Unternehmen seine Erwartungen an die Realität anpassen müssen. Der Vorstand geht inzwischen davon aus, dass der ursprünglich prognostizierte Konzernumsatz von 2,3 Milliarden Euro für das laufende Geschäftsjahr nicht erreicht wird. Marktunsicherheiten und eine spürbare Zurückhaltung bei Investitionen seitens der Kliniken und Praxen sind die Hauptgründe.
Ausblick
Für den Wirtschaftsstandort Jena bleibt die Entwicklung bei Carl Zeiss Meditec ein zentrales Thema. Am 12. Mai plant das Unternehmen, eine neue, detaillierte Prognose für das bis September laufende Geschäftsjahr bekannt zu geben. Bis dahin bleibt abzuwarten, wie tiefgreifend die geplante Neuausrichtung von Forschung und Entwicklung ausfallen wird und ob der Standort Jena seine zentrale Rolle in der globalen Strategie behaupten kann.
Wir bleiben für Sie an diesem wichtigen Thema dran und berichten, sobald neue Entscheidungen aus der Konzernzentrale vorliegen.
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