Das Wichtigste in Kürze
- Verlust: Carl Zeiss Meditec meldet einen Quartalsverlust von 4,9 Millionen Euro.
- Ursachen: Währungseffekte und veränderte Marktbedingungen in China (Ausschreibungen).
- Umsatz: Rückgang um 4,8 Prozent auf 467 Millionen Euro.
- Konsequenz: Prognose angepasst; mögliche Verlagerung von Produktion nach China wird geprüft.
Jena, 15.02.2026 – Es ist eine Nachricht, die in der Thüringer Wirtschaft aufhorchen lässt: Der Medizintechnik-Riese Carl Zeiss Meditec, eines der Aushängeschilder der Jenaer „Lichtstadt“, ist in die roten Zahlen gerutscht. Erstmals seit langer Zeit muss das im TecDAX notierte Unternehmen einen Verlust ausweisen. Die Gründe dafür liegen tausende Kilometer entfernt, könnten aber direkte Auswirkungen auf den Standort an der Saale haben.
Einbruch nach Jahren des Erfolgs
Die Zahlen, die Finanzvorstand Justus Felix Wehmer präsentierte, zeichnen ein ernstes Bild des aktuellen Geschäftsjahres, das bei Zeiss Meditec traditionell bereits im Oktober beginnt. Während im Vorjahreszeitraum noch ein stattlicher Gewinn von 15,7 Millionen Euro verbucht werden konnte, steht nun unter dem Strich ein Verlust von 4,9 Millionen Euro (nach Steuern). Auch der Umsatz ging im ersten Quartal spürbar zurück: Er sank um 4,8 Prozent auf 467 Millionen Euro.
Für Jena, wo Carl Zeiss nicht nur ein historisches Erbe, sondern einen der wichtigsten gegenwärtigen Wirtschaftsmotoren darstellt, sind dies ungewohnte Töne. Der Konzern galt lange als Garant für stabiles Wachstum, selbst in krisenbehafteten Zeiten. Doch die globale Vernetzung, die den Aufstieg begünstigte, zeigt nun ihre Kehrseite.
China ändert die Spielregeln
Hauptverantwortlich für die Delle in der Bilanz ist neben ungünstigen Währungseffekten im US-Dollar-Raum vor allem die Situation in China. Rund ein Viertel des Gesamtumsatzes generiert der Spezialist für Augenheilkunde im Reich der Mitte. Doch der dortige Markt wandelt sich drastisch.
Die chinesische Regierung setzt im Gesundheitswesen zunehmend auf zentralisierte Ausschreibungsverfahren, insbesondere bei künstlichen Linsen zur Behandlung des Grauen Stars – einem der Kernprodukte von Zeiss Meditec. Bei diesen sogenannten „Volume-based Procurements“ werden oft heimische Anbieter bevorzugt oder drastische Preissenkungen erzwungen. Die Zeiten, in denen westliche Medizintechnik fast automatisch hohe Margen garantierte, scheinen vorbei zu sein. Chinesische Konkurrenten haben aktuell deutliche Wettbewerbsvorteile, was den Thüringer Konzern unter Zugzwang setzt.
Was bedeutet das für den Standort Jena?
Die Reaktion des Managements auf diese protektionistischen Maßnahmen in Asien könnte strukturelle Folgen haben. Um den Zugang zum gigantischen chinesischen Augenheilkunde-Markt nicht zu verlieren, plant Zeiss Meditec, Produktion und Entwicklung stärker direkt nach China zu verlagern. „Local for Local“ – also vor Ort für den dortigen Markt zu produzieren – wird zur Überlebensstrategie im asiatischen Wettbewerb.
Das Unternehmen betreibt bereits zwei Produktionsstätten in China. Welche Teile der Wertschöpfungskette nun zusätzlich verlagert werden könnten, ist laut Vorstand noch nicht final entschieden. Damit bleibt auch vorerst offen, ob und wie stark Arbeitsplätze in Deutschland und speziell am Stammsitz in Jena betroffen sein könnten. Weltweit verfügt der Konzern über 17 Produktionsstandorte. Bis Mai sollen weitere strategische Entscheidungen fallen, wie auf die Marktschwäche reagiert wird.
Ausblick bleibt verhalten
Aufgrund des schleppenden Starts hat das Unternehmen seine Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr bereits im Januar korrigiert. Der ursprünglich anvisierte Konzernumsatz von rund 2,3 Milliarden Euro wird voraussichtlich nicht erreicht werden. Neben der China-Problematik sorgen allgemeine Marktunsicherheiten und eine spürbare Investitionszurückhaltung bei Kliniken und Praxen weltweit für Gegenwind.
Eine Neuausrichtung der Forschungs- und Entwicklungsarbeit ist geplant, um effizienter auf die neuen Marktgegebenheiten reagieren zu können. Eine aktualisierte, detaillierte Prognose für das bis September laufende Geschäftsjahr hat der Vorstand für den 12. Mai angekündigt. Bis dahin blickt die Jenaer Wirtschaft gespannt auf ihren traditionsreichsten Akteur.
Wir bleiben für Sie an dem Thema dran und berichten, sobald es Neuigkeiten zu den Auswirkungen auf den Standort Jena gibt.
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