80 Jahre Nächstenliebe: Caritas Jena feiert bedeutendes Jubiläum

Jena (07.09.) – Es ist ein Jubiläum, das weit mehr bedeutet als nur eine Zahl auf dem Papier. In diesen Tagen blickt der Caritasverband für das Dekanat Jena e.V. auf sein 80-jähriges Bestehen zurück. Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ist die katholische Hilfsorganisation eine unverzichtbare Säule im sozialen Netz der Saalestadt und leistet Dienst am Menschen – unabhängig von Herkunft, Religion oder gesellschaftlichem Status.

Ein Kind der Nachkriegszeit

Die Gründung der Caritas in Jena im Jahr 1945 fiel in eine Zeit größter Not. Unmittelbar nach dem Ende des Krieges lagen Teile der Stadt in Trümmern, und die Versorgungslage war katastrophal. Flüchtlinge und Vertriebene strömten nach Thüringen, viele Familien waren obdachlos oder hatten ihre Väter verloren. In dieser Stunde Null begann die Arbeit der Caritas, damals noch oft improvisiert und auf das Nötigste beschränkt: Hunger lindern, Kleidung verteilen und Trost spenden.

In den darauffolgenden Jahrzehnten, insbesondere während der Zeit der DDR, war die Arbeit der kirchlichen Wohlfahrtsverbände oft ein Balanceakt. Als Teil der katholischen Kirche bot die Caritas nicht nur materielle Hilfe, sondern oft auch einen geschützten Raum abseits der staatlichen Doktrin. Nach der Wiedervereinigung wuchsen die Aufgabenbereiche rasant an. Neue soziale Herausforderungen erforderten professionelle Strukturen, die sich bis heute stetig weiterentwickelt haben.

Breites Spektrum der Hilfe in der Saalestadt

Heute, 80 Jahre nach der Gründung, ist die Caritas aus dem Stadtbild von Jena nicht mehr wegzudenken. Die Angebotspalette ist breit gefächert und orientiert sich an den aktuellen Nöten der Stadtgesellschaft. Zu den Kernaufgaben gehören unter anderem:

  • Soziale Beratung: Unterstützung bei Behördengängen, Schulden oder existentiellen Krisen.
  • Pflege und Gesundheit: Ambulante Pflegedienste, die es Senioren ermöglichen, länger in ihren eigenen vier Wänden in Stadtteilen wie Lobeda oder Winzerla zu bleiben.
  • Migration und Integration: Hilfe für neu angekommene Menschen, ein Feld, das in einer weltoffenen Universitätsstadt wie Jena von zentraler Bedeutung ist.
  • Kinder- und Jugendhilfe: Betreuung und Förderung der jüngsten Generation.

Die Arbeit der haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter findet oft im Stillen statt, ist aber für den sozialen Frieden in der Stadt essenziell. Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und steigender Lebenshaltungskosten wird die Anlaufstelle für viele Bürger zum letzten Rettungsanker.

Blick in die Zukunft

Das 80-jährige Jubiläum ist nicht nur Anlass zum Rückblick, sondern auch eine Mahnung für die Zukunft. Die sozialen Herausforderungen in Jena verändern sich – sei es durch den demografischen Wandel oder den angespannten Wohnungsmarkt. Die Caritas hat in den vergangenen acht Jahrzehnten bewiesen, dass sie wandlungsfähig ist und dort hilft, wo die Not am größten ist. Für die Stadt Jena bleibt zu hoffen, dass dieser Geist der Solidarität auch die kommenden Jahrzehnte prägen wird.