Bürokratie-Posse in Jena: Cannabis-Club scheitert an zwei Metern

Jena (16.09.) – Es klingt wie ein Schildbürgerstreich, ist aber bittere Realität für die Betreiber einer geplanten Cannabis-Abgabestelle in Jena: Der Start verzögert sich auf unbestimmte Zeit. Der Grund könnte deutscher kaum sein – es geht um den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestabstand zu einer Jugendschutzeinrichtung. Wie der MDR berichtet, fehlen an dem vorgesehenen Standort exakt zwei Meter zur vorgeschriebenen Distanz zu einem Spielplatz.

Wenn der Zollstock regiert

Seit der Teillegalisierung von Cannabis in Deutschland stehen sogenannte Anbauvereinigungen (Cannabis Social Clubs) vor hohen administrativen Hürden. Neben Sicherheitskonzepten und Präventionsbeauftragten ist vor allem die Standortsuche in eng bebauten Städten wie Jena eine massive Herausforderung. Das Gesetz schreibt strenge Bannmeilen um Schulen, Kitas, Jugendeinrichtungen und Spielplätze vor. In der Saalestadt, die durch ihre Kessellage ohnehin unter Platzmangel leidet, wird die Suche nach konformen Gewerbeflächen damit zur Nadel im Heuhaufen.

Im aktuellen Fall hatten die Verantwortlichen wohl bereits mit dem Start gerechnet, doch die strikte Auslegung der Behörden macht ihnen einen Strich durch die Rechnung. Dass es am Ende an einer Distanz scheitert, die kaum größer ist als eine durchschnittliche Körperlänge, sorgt in der Stadtgemeinschaft für Kopfschütteln und Diskussionen über die Verhältnismäßigkeit der Bürokratie.

Herausforderung Standortsuche in Jena

Die Situation verdeutlicht ein grundlegendes Problem für die Umsetzung des Cannabis-Gesetzes in Thüringen:

  • Dichte Bebauung: In den zentrumsnahen Vierteln Jenas überschneiden sich die Bannkreise von Schulen und Spielplätzen massiv.
  • Wenig Leerstand: Bezahlbare und geeignete Gewerbeflächen sind in der Universitätsstadt Mangelware.
  • Strenge Auflagen: Behörden haben kaum Ermessensspielraum, da der Jugendschutz im Gesetz oberste Priorität genießt.

Wie geht es weiter?

Für den betroffenen Verein bedeutet die Messung der Behörden einen herben Rückschlag. Es bleibt offen, ob bauliche Veränderungen, eine Verlegung des Eingangs oder nur ein kompletter Standortwechsel das Problem lösen können. Solange die zwei Meter fehlen, bleibt die Tür der Abgabestelle jedenfalls geschlossen. Für Beobachter des Stadtlebens bleibt der Fall ein Lehrstück darüber, wie Theorie aus Berlin und Praxis im Saaletal manchmal – im wahrsten Sinne des Wortes – knapp aneinander vorbeigehen.