Kahlschlag auf der Schiene? Bahn plant angeblich Intercity-Streichungen in Thüringen

Jena/Erfurt (28. Juni) – Es sind Nachrichten, die im Freistaat und besonders im Saaletal für Unruhe sorgen. Wie aus Berichten des MDR hervorgeht, plant die Deutsche Bahn offenbar, den Rotstift im Fernverkehr anzusetzen. Betroffen sein sollen Intercity-Verbindungen, die durch Thüringen führen. Für den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Jena, der seit Jahren um eine adäquate Anbindung an das Fernverkehrsnetz kämpft, könnten diese Pläne gravierende Folgen haben.

Sorge um die Lebensader Saalbahn

Nach Informationen des Mitteldeutschen Rundfunks stehen diverse Verbindungen auf dem Prüfstand. Konkrete Details, welche Fahrten genau dem Sparzwang zum Opfer fallen könnten, wurden zunächst nicht detailliert aufgeschlüsselt, doch allein die Ankündigung lässt in Jena die Alarmglocken schrillen. Seit der Eröffnung der ICE-Schnellfahrstrecke (VDE 8) durch den Thüringer Wald, die Jena weitgehend umgeht, ist die Saalestadt auf die verbliebenen Intercity-Linien angewiesen. Insbesondere die IC-Linie 61 (Karlsruhe – Stuttgart – Nürnberg – Jena – Leipzig) gilt als unverzichtbare Lebensader für die Universitätsstadt.

Für Tausende Pendler, Studierende und Geschäftsreisende ist der Bahnhof Jena Paradies das Tor zur Welt. Eine Ausdünnung des Taktes würde nicht nur den Komfort einschränken, sondern den Standort im Wettbewerb um Fachkräfte und Kongresse empfindlich schwächen. Unternehmen wie Carl Zeiss, Jenoptik oder Schott sind auf eine exzellente Erreichbarkeit angewiesen, ebenso wie die Friedrich-Schiller-Universität und das Universitätsklinikum.

Politik und Wirtschaft gefordert

Es ist davon auszugehen, dass die Pläne der Bahn auf heftigen politischen Widerstand stoßen werden. Jenas Oberbürgermeister Thomas Nitzsche hat in der Vergangenheit immer wieder betont, dass Jena sich nicht aufs Abstellgleis schieben lässt. Das Bündnis für Fernverkehr und lokale Mandatsträger dürften zeitnah Aufklärung von der Konzernspitze fordern. Die Argumentation der Bahn zielt häufig auf die Wirtschaftlichkeit einzelner Strecken ab, doch Kritiker halten dagegen: Ein leistungsfähiger Schienenverkehr ist Daseinsvorsorge.

Rückschlag für die Verkehrswende

Sollten sich die Streichungspläne am Samstag, den 28. Juni, bestätigen, wäre dies auch ein fatales Signal für die angestrebte Verkehrswende. Gerade in Zeiten, in denen der Umstieg vom Auto auf die Bahn gefördert werden soll, wirkt eine Reduzierung des Angebots kontraproduktiv. Thüringen, das zentral in der Mitte Deutschlands liegt, darf nicht zum bloßen Transitland für durchrasende ICE-Sprinter werden, während die Städte in der Fläche abgehängt werden.

Bislang hat die Deutsche Bahn die Meldung in ihrer Gänze noch nicht detailliert kommentiert. Die kommenden Tage werden zeigen, ob es sich um konkrete Beschlüsse oder zunächst um interne Prüfaufträge handelt. Für die Bahnkunden in Jena heißt es nun erst einmal: Bangen um den Anschluss.