Jena (26.08.) – In der Saalestadt sorgt derzeit eine aggressive Form der Kommunikation im öffentlichen Raum für Unmut und Diskussionen. Wie der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) am Dienstag, dem 26. August, berichtete, sind im Stadtgebiet von Jena Aufkleber aufgetaucht, die gezielt einzelne Personen diffamieren. Diese Art der Auseinandersetzung markiert eine neue Stufe der Verrohung im städtischen Miteinander und wirft Fragen zur politischen und gesellschaftlichen Diskussionskultur in der Universitätsstadt auf.
Diffamierung statt Dialog
Jena ist bekannt für eine lebendige politische Szene und eine aktive Zivilgesellschaft. Vom Damenviertel bis Lobeda gehören Sticker an Laternenmasten und Stromkästen fast schon zum gewohnten Stadtbild. Meist handelt es sich dabei um Sympathiebekundungen für den FC Carl Zeiss Jena, politische Parolen oder Werbung für kulturelle Events. Der aktuelle Vorfall, über den der MDR informierte, unterscheidet sich jedoch qualitativ von diesen üblichen Meinungsäußerungen. Laut dem Bericht werden auf den Stickern konkrete Personen an den Pranger gestellt. Eine solche Personalisierung von Konflikten im öffentlichen Raum überschreitet die Grenzen der sachlichen Auseinandersetzung deutlich.
Rechtliche und gesellschaftliche Einordnung
Das „An-den-Pranger-Stellen“ von Individuen ist nicht nur eine Frage des schlechten Geschmacks, sondern kann auch juristische Konsequenzen nach sich ziehen. Sobald Personen erkennbar abgebildet oder namentlich genannt und dabei herabgewürdigt werden, bewegen sich die Urheber im Bereich der Beleidigung oder üblen Nachrede. Solche Aktionen vergiften das gesellschaftliche Klima in Jena, das eigentlich von Offenheit und Diskurs geprägt sein sollte.
Für die Betroffenen stellt dies eine erhebliche Belastung dar, da die Anonymität der Täterschaft und die schnelle Verbreitung der Klebebilder im Stadtgebiet kaum Schutzräume lassen. Es bleibt abzuwarten, wie Stadtverwaltung und Zivilgesellschaft auf diese Entwicklung reagieren werden, um zu verhindern, dass der öffentliche Raum in Jena zum Austragungsort persönlicher Fehden wird.